Aland angeln: das Lineal und der Speiseplan

Der letzte Artikel dieser Serie handelte von einem Wort, unter dem drei Bestände lagen. Dieser handelt von einem Fisch, bei dem alles eindeutig ist — eine Art, ein Name in der Verordnung, kein Streit in der Systematik — und bei dem trotzdem eine Zahl an der falschen Stelle steht. Die Sächsische Fischereiverordnung gibt den Aland ab 20 Zentimetern frei. Eine schwedische Untersuchung an 1163 Aland findet Fischbrut im Magen erst ab 260 Millimetern. Dazwischen liegen sechs Zentimeter, und in ihnen wird aus dem Weißfisch der Verordnung etwas anderes. Der Pol dieses Artikels heißt deshalb: Das Lineal und der Speiseplan kreuzen sich — aber nicht an derselben Stelle.

Zwanzig Zentimeter — und sechs später kommt Fisch dazu

In der Sächsischen Fischereiverordnung vom 22.04.2022 steht der Aland an Nummer 3, und die Zeile ist kurz: „Aland [Leuciscus idus]", Schonzeit „–", Mindestmaß 20. In der Fischereiordnung des Landes Brandenburg vom 14. November 1997 lautet dieselbe Zeile „Aland (Leuciscus idus) keine 30" — ebenfalls keine Schonzeit, aber dreißig statt zwanzig Zentimeter. Daneben steht eine Zahl aus der Fachliteratur, die mit keinem der beiden Lineale etwas zu tun hat. Das Åtgärdsprogram för vimma och id der schwedischen Havs- och vattenmyndigheten (Rapport 2023:1) referiert eine Untersuchung von 1163 Aland aus dem Kävlingeån und hält zwei Umbrüche im Speiseplan fest: einen bei rund 20 Millimetern, einen bei rund 140. Und dann kommt der Satz, um den es hier geht: „Fiskyngel återfanns endast i individer som var 260 mm eller längre." Fischbrut fand sich ausschließlich in Tieren von 260 Millimetern oder länger. Im selben Abschnitt: Insekten wurden ab derselben Marke „ratades nästan helt och ersattes med växter" — fast vollständig verschmäht und durch Pflanzen ersetzt. ⚠️ Zwei Einschränkungen gehören sofort dazu, sonst trägt der Befund nicht. Erstens: Dasselbe Programm nennt beide behandelten Arten ausdrücklich „omnivorer" — Allesfresser. Der Aland ist kein Raubfisch, und dieser Artikel nennt ihn nirgends so. Zweitens: Das ist eine Untersuchung, ein Fluss, ein Jahr. Genau deshalb taugt die Zahl als Faustregel und nicht als Naturgesetz. ⚠️ Und trotzdem sitzt die Größenordnung: Der sächsische Aland darf mit 20 cm entnommen werden und ist dann noch weitgehend der Friedfisch, für den ihn die Spalte hält. Ab etwa 26 beginnt er, auch das andere zu sein. Ein Mindestmaß wird aus vielen Gründen gesetzt, nicht nur aus dem Mageninhalt — der Punkt ist nicht, dass die Zahl falsch wäre. Der Punkt ist, dass die beiden Linien einander kreuzen und die Kreuzung nirgends markiert ist.

Der Laichzug folgt dem Hecht — und ist ganzjährig offen

Dasselbe Programm beschreibt den Laichzug in einem Satz, der jeden Frühjahrsangler angeht: „Idlek sammanfaller ofta i tid med lekaktivitet från gädda och på platser där mörten leker." Der Alandlaich fällt zeitlich oft mit der Laichaktivität des Hechts zusammen, an Plätzen, an denen auch das Rotauge laicht. Dazu: „Id leker mars till juni", je nach Wassertemperatur, und „Fisken leker under någon vecka" — der eigentliche Laichakt dauert etwa eine Woche. Die Männchen ziehen vor den Weibchen hoch, und die schwedische Überlieferung hatte für die Wellen eigene Wörter: der frühe Zug hieß isfisk, tjälid oder strömid, der späte ängsid. Das Programm hält ausdrücklich fest, dass das „Ett mönster och namngivning som man också använt för att beskriva gäddans lekvandring" ist — dasselbe Muster und dieselbe Namensgebung, die man für den Laichzug des Hechts benutzte. ⚠️ Und nun die Zeilen nebeneinander. In Sachsen ist der Hecht vom 1. Februar bis 30. April geschont, der Rapfen vom 1. Januar bis 31. Mai, der Zander vom 1. Februar bis 31. Mai, die Barbe vom 15. April bis 30. Juni. In Brandenburg ist der Hecht für die Angelfischerei vom 1. Februar bis 31. März geschont, der Rapfen vom 1. April bis 30. Juni. Der Aland zieht in denselben Wochen denselben Zufluss hoch — „från minsta dike till största älv", vom kleinsten Graben bis zum größten Fluss — und steht in beiden Ländern mit „–" beziehungsweise „keine" in der Spalte. Er ist dann besonders leicht zu finden, weil er in größeren Schwärmen zieht und über flachem Stein- und Kiesgrund bis etwa 1,5 Meter Tiefe laicht. Und ein letzter Satz unterscheidet ihn von den Fischen, für die Aufstiegshilfen gebaut werden: Der Aland zählt zu den „svagsimmande fiskarterna", den schwachschwimmenden Arten, die „inte klarar hinder genom kraftfulla hopp eller klättring" — kein Sprung, kein Klettern. Ein Absturz, über den eine Forelle geht, ist für ihn eine Wand. Genau deshalb steht er im Frühjahr unterhalb des Wehrs und nicht darüber.

Die Zuchtform hat ihm den Namen weggefressen

Und dann ist da der Name — und die Falle ist bei diesem Fisch anders gebaut als in den bisherigen Artikeln. Nicht ein Wort trägt zu viele Fische. Hier hat eine Zuchtform den Wildfisch aus dem Namensregister verdrängt. Die Goldorfe ist keine eigene Art, sondern die orangefarbene Zuchtform genau dieses Fisches; die Global Invasive Species Database beschreibt beide Farbformen nebeneinander — silver orfe als Wildfärbung und golden orfe — und nennt als Einschleppungsweg ausdrücklich „Golden orfe are valued as ornamental pond fish." ⚠️ Und dort, wo man ihn nur aus dem Gartenteich kennt, trägt er in den Datenbanken den Namen eines anderen Zierfisches. Die GBIF-Vernacular-Liste zu *Leuciscus idus* (usageKey 4409643) führt katalanisch „Carpa koi japonesa" — japanischer Koi-Karpfen, andere Gattung, andere Art — und türkisch „Japon balığı", was im Türkischen der Goldfisch ist. Spanisch steht „Cacho", sonst der Döbel; französisch stehen neben „ide mélanote" auch „Véron", sonst die Elritze, und „Gardon rouge", sonst das Rotauge; portugiesisch „Escalo", sonst der iberische Döbel. Deutsch führt dieselbe Liste Aland, Nerfling, Orfe, Goldorfe — und dazu „Rohrkarpfen" und „Seekarpfen", obwohl der Fisch kein Karpfen ist. ⚠️ Für Griechisch, Japanisch, Arabisch und Albanisch führt weder GBIF noch WoRMS (AphiaID 154324) irgendeinen Namen. Die Karte erklärt, warum: Die GISD führt ihn als heimisch unter anderem in Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Polen, Tschechien, Kroatien, Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Russland und der Ukraine — und als eingeschleppt in Frankreich, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, den USA und Neuseeland. Der Fisch heißt im Süden gar nicht und im Westen wie sein eigener Gartenteich-Doppelgänger.

Für den deutschen Teichbesitzer hängt daran eine offene Rechtsfrage, die dieser Artikel nicht entscheidet, sondern nur sichtbar macht. § 40 Absatz 1 BNatSchG verlangt für das Ausbringen von Tieren in der freien Natur eine Genehmigung und nimmt in Satz 4 Nummer 3 davon aus: „das Ansiedeln von Tieren, die dem Jagd- oder Fischereirecht unterliegen, sofern die Art in dem betreffenden Gebiet in freier Natur in den letzten 100 Jahren vorkommt oder vorkam". ⚠️ Die Ausnahme greift auf der Ebene Art — und die Goldorfe ist dieselbe Art wie der Aland im Fluss. Ob eine Zuchtform davon erfasst ist, beantwortet der Gesetzestext nicht; das Fischereirecht des jeweiligen Landes regelt Besatz zusätzlich und eigenständig, und § 40 Absatz 3 erlaubt der Behörde ausdrücklich die Beseitigung ungenehmigt ausgebrachter oder entkommener Tiere. Wer einen Gartenteich am Fließgewässer hat, hat damit keine Rechtsfrage im Regal stehen, sondern eine am Ufer.

  • Ab etwa 26 Zentimetern lohnt der kleine Kunstköder. Fischbrut fand die Kävlingeån-Untersuchung nur in Tieren ab 260 mm; darunter dominieren Insekten, ab rund 140 mm zunehmend Pflanzen. Der 20er ist kein Kandidat für den Streamer, der 40er nimmt kleine Köder — und bleibt trotzdem ein Allesfresser.
  • Keine Schonzeit heißt nicht keine Folgen. Er zieht März bis Juni in Schwärmen den Zufluss hoch, laicht flach über Stein und Kies bis etwa 1,5 Meter, und der Akt dauert etwa eine Woche. Wer dort im Frühjahr Fisch nach Fisch fängt, fischt in den Laichzug hinein — auch wenn die Spalte leer ist.
  • Das Lineal wechselt an der Landesgrenze. Sachsen 20 cm, Brandenburg 30 cm, beide ohne Schonzeit. Es gilt die Verordnung des Landes, in dem du stehst — nicht die des Nachbarn und nicht dieser Artikel. Die übrigen vierzehn Länder sind hier bewusst nicht behauptet, sondern offengelassen.
  • Er ist der salzverträglichste Karpfenfisch. Bis etwa 15 Promille; die GISD nennt ihn den salztolerantesten Cypriniden überhaupt. In der Ostsee triffst du ihn brackig, wo kein Verwandter mehr steht. Seine Spermien bekommen laut Programm allerdings schon oberhalb von 7 bis 8 Promille Probleme — deshalb liegt der Laichplatz im Süßwasser, auch wenn der Fisch selbst weiter draußen frisst.
  • Ein 45er ist nicht groß, er ist alt. Geschlechtsreife mit fünf bis sieben Jahren, Lebensdauer allgemein zehn bis fünfzehn Jahre, der älteste von 433 Tieren im Kävlingeån vierzehn — und ein estnisches Otolithen-Alter aus Saunja laht von 29 Jahren. Der schwedische Sportfischerekord liegt bei 3 780 g und 61,5 cm, üblich sind 30 bis 55 cm.
  • Kein Sprung, kein Klettern. Er überwindet Hindernisse nicht mit Kraft. Such ihn im Frühjahr unterhalb von Wehren, Abstürzen und Sohlschwellen — dort staut sich der ganze Zug, und genau dort ist er im offenen Kalender am verwundbarsten.

Und nun die Papiere, denn dieser Artikel steht und fällt mit ihnen. Recht: Sächsische Fischereiverordnung — SächsFischVO vom 22.04.2022, Anlage „Schonzeiten und Mindestmaße", Nr. 3 „Aland [Leuciscus idus] – 20", daneben Nr. 19 Hecht 1. Februar bis 30. April / 50, Nr. 30 Rapfen 1. Januar bis 31. Mai / 40, Nr. 44 Zander 1. Februar bis 31. Mai / 50, Nr. 9 Barbe 15. April bis 30. Juni / 50. Fischereiordnung des Landes Brandenburg (BbgFischO) vom 14. November 1997 (GVBl. II 1997, S. 867), zuletzt geändert durch Verordnung vom 10. September 2009 (GVBl. II 2009, S. 606): „Aland (Leuciscus idus) keine 30", Hecht für die Angelfischerei 1. Februar bis 31. März / 45, Zander 1. April bis 31. Mai / 45, Rapfen 1. April bis 30. Juni / 40. § 40 BNatSchG, Absätze 1 und 3, in der Fassung auf gesetze-im-internet.de. Alle drei am 06.09.2026 selbst gezogen. Biologie: Havs- och vattenmyndigheten, Rapport 2023:1, „Åtgärdsprogram för vimma och id", beschlossen am 30. Januar 2023 (Dnr 946-21), Geltung 2023–2027, erstellt von Tobias Borger, Länsstyrelsen Kalmar län; das Programm bezeichnet sich selbst als „ett vägledande ej formellt bindande dokument". Von dort alle Angaben zu Nahrung, Laichzeit, Laichplatz, Wanderung, Alter, Größe und Salztoleranz; die Speiseplan-Umbrüche gehen dort auf Cala 1970 b zurück (1163 Tiere, Kävlingeån), das Alter von 29 Jahren auf Rothla u. a. 2015. Taxonomie: GBIF-API, am 06.09.2026 aufgelöst — *Leuciscus idus* (Linnaeus, 1758), usageKey 4409643, Rang SPECIES, Status ACCEPTED, matchType EXACT, Konfidenz 99, Familie Cyprinidae (familyKey 7336), Ordnung Cypriniformes (orderKey 1153); WoRMS AphiaID 154324. Verbreitung und Zierfischhandel: Global Invasive Species Database, iucngisd.org, abgerufen 06.09.2026. ⚠️ Drei Dinge behauptet dieser Artikel bewusst nicht: dass der Aland ein Raubfisch sei — die Quelle sagt „omnivorer"; dass ein Mindestmaß von 20 cm falsch gesetzt sei — Mindestmaße folgen mehreren Zwecken, nicht nur dem Mageninhalt; und irgendetwas über die vierzehn deutschen Länder, die hier nicht geprüft wurden. Verordnungen ändern sich außerdem — prüfe vor dem Angeltag die geltende Fassung, nicht diesen Artikel.

Nicht die Schublade — der Fisch

Bei diesem Fisch entscheidet nicht die Spalte, in der er steht, sondern was tatsächlich vor dir im Wasser zieht — und diese Frage beantwortet keine Verordnung. Ein Aland-Tag ist eine Frage aus Wassertemperatur, Pegel, Trübung, Jahreszeit und der Frage, ob der Zug schon läuft — und daneben aus allem, was sich stündlich ändert: Luftdruck, Wind, Strömung und Lichtphase. Genau dafür ist die StrikeAhead-App gebaut: Sie liest dein Revier mit Beißfenstern, Wetter- und Wasserdaten, Karte und Tiefenlinien und lernt aus deinen Fängen, damit du den Moment fischst, statt ihn zu raten. Und weil an einem fremden Fluss die halbe Antwort darin besteht zu wissen, welche Rausche unterhalb welches Wehrs den Zug staut und welche Zeile der örtlichen Verordnung für deinen Fisch gilt, ist der zweite Teil die Abkürzung — dieses Wissen steht auf keiner Karte, es steckt in einem Kopf. Die App sagt dir, wann. StrikeAhead Pathfinder sagt dir, mit wem: unser kuratiertes Verzeichnis für Angel-Guides und Skipper — jeder Experte persönlich geprüft, Lizenz und Versicherung vor dem Listing kontrolliert, Profile aus echten, verifizierten Fängen aus dem StrikeAhead-Logbuch statt aus Werbefotos, kein bezahltes Ranking, und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr.

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