Umberfisch angeln: der helle Rabe mit dem Bart am Kinn

Ein Italiener sagt corvo, ein Kroate korbel, ein Malteser gurbell, ein Albaner korbi, ein Engländer im Zweifel „sea crow“ — und du weißt danach immer noch nicht, welchen Fisch er meint. Denn an den Küsten des Mittelmeers leben zwei Umberfische, die sich diese Namen teilen: einer dunkel, einer hell. Wo die Sprache die beiden trotzdem auseinanderhalten will, hängt sie ein Eigenschaftswort an. Dieser Artikel handelt vom hellen — von *Umbrina cirrosa*, dem Umberfisch mit dem Bart am Kinn.

Zwei Raben, ein Name

Wie weit die Namen sich decken, zeigen die Namenslisten der GBIF für beide Arten (Schlüssel 2399669 für *Umbrina cirrosa* und 2399670 für den Meerraben *Sciaena umbra*, gelesen am 26.09.2026). Italienisch „Corbo“, „Corvo“ und „Corbello“ stehen in beiden Listen, dazu „Ombrina“. Maltesisch „Gurbell“ steht in beiden, spanisch „Verrugato“ und „Corvallo“ ebenfalls, englisch „Corb“ auch. Das italienische corvo heißt Rabe, das albanische korb ebenso; englische Listen führen „Sea Crow“ für den einen und „sea raven“ für den anderen, und FishBase nennt für China „鴉鯛“ — eine Brasse mit dem Zeichen für die Krähe.

⭐ Und dann die Sprachen, die sich mit einer Farbe behelfen. Albanisch sagt „Korbi i bardhë“, der weiße Rabe, für unseren Fisch — und „korbi i zi“, der schwarze Rabe, für den Meerraben. Russisch trennt „Светлый горбыль“ (der helle) von „Тёмный горбыль“ (der dunkle), ukrainisch heißt er „Горбань світлий“, estnisch laut FishBase „Hele umbriin“, und in Italien führt FishBase auch „Ombrina bianca“, die weiße Ombrina. Deutsch hat es sich einfach gemacht und zwei Wörter vergeben: „Gewöhnlicher Umber“ für den hellen, „Meerrabe“ für den dunklen.

Nach einem Schatten benannt — nur nach welchem?

Die Herkunft der wissenschaftlichen Namen verzeichnet das ETYFish Project; die Seite mit der Familie der Umberfische (SCIAENIDAE) trägt den Stand v. 10.0 – 28. Juli 2026. Zur Gattung *Umbrina* Cuvier 1816 steht dort, der Name komme „from umbra and/or ombrina“ — Namen, die an den Küsten der Provence und Italiens „in various ways to our three main sciaenoid species“ vergeben wurden, also mal für den einen, mal für den anderen der drei großen Umberfische. Umbra ist lateinisch der Schatten. FishBase erklärt denselben Namen anders: Schatten „in the sense of phantom; due to its quick movements“ — ein Phantom, wegen seiner schnellen Bewegungen. Und FishBase führt für Deutschland neben „Umberfisch“ auch den Namen „Schattenfisch“.

Ein zweiter Fund bei ETYFish macht die Sache noch schöner. Beim Gattungsnamen *Atractoscion* steht, das griechische skión (σκιών) — ebenfalls von σκιά, Schatten — sei laut dem Naturforscher Rondelet (*Libri de piscibus marinis*, 1554) der neugriechische Name von *Umbrina cirrosa* gewesen. Heute führt die GBIF „Σκιός“ für den Meerraben, und für unseren Fisch „Μυλοκόπι“. ⚠️ Ob der Schattenname im Lauf der Jahrhunderte vom hellen zum dunklen Fisch gewandert ist oder ob Rondelet sich geirrt hat, sagt keine der beiden Quellen — sie stehen nur nebeneinander. Das griechische Mylokopi hat übrigens eine eigene Familie um die Ägäis und das Schwarze Meer: türkisch „Minekop“ und „Minakop“, albanisch „Millokop“, rumänisch „Milacop“ (alle FishBase).

Der Bart am Kinn

Den Artnamen erklärt ETYFish in einem Satz: *cirrosa* heißt „with a curl or tendril“, mit einer Locke oder Ranke, „referring to short and rigid barbel on chin“ — gemeint ist der kurze, steife Bartfaden am Kinn. Die englische Wikipedia beschreibt ihn nach dem Marine Species Identification Portal genauer: an der Spitze von einer Pore durchbohrt. Dazu ein kleines, unterständiges Maul mit feinen Bürstenzähnen, ein grau-silberner bis bräunlicher Körper mit metallischem Glanz, dunkle Längslinien auf dem Rücken und ein tiefschwarzer Rand an der Hinterkante des Kiemendeckels. Malta hat das Merkmal gleich in den Namen geschrieben: FishBase führt dort „Gurbell tad-daqna“ — der Gurbell mit dem Bart.

  • Umberfisch (*Umbrina cirrosa*): Bartfaden am Kinn, kleines, unterständiges Maul, dunkle Längslinien auf dem Rücken, schwarzer Rand am Kiemendeckel.
  • Meerrabe (*Sciaena umbra*): laut englischer Wikipedia ein großes, waagerechtes Maul, das bis unter das Auge reicht, schwarze After- und Bauchflossen mit weißer Vorderkante, Rücken- und Schwanzflosse gelb mit schwarzem Rand. Einen Bartfaden erwähnt die Beschreibung nicht.
  • Die Kurzform: Bart und Streifen — der helle Rabe. Großes Maul und schwarz-weiße Bauchflossen — der dunkle.

Wo er steht und was er frisst

  • Tiefe und Boden: FishBase nennt 0 bis 100 Meter, am Grund lebend, in Küstengewässern über Fels und Sand. Die Jungfische ziehen in Flussmündungen.
  • Verbreitung: Ostatlantik von der Biskaya und Gibraltar bis Südmarokko, das Mittelmeer, das Schwarze und das Asowsche Meer (FishBase). Laut englischer Wikipedia fehlt er rund um die größeren Inseln — und er ist durch den Suezkanal bis in den Golf von Suez gewandert, als einer der wenigen Fische, die den Weg vom Mittelmeer ins Rote Meer genommen haben, nicht umgekehrt.
  • Beute: FishBase sagt knapp „bottom invertebrates“, wirbellose Bodentiere. Die IUCN-Bewertung (über die englische Wikipedia) zählt Sardinen, Sardellen, Makrelen, Sepien, Weichtiere und Würmer auf; die Hauptbeute bleiben die Bodentiere.
  • Größe und Alter: üblich sind 40 cm Gesamtlänge; FishBase nennt als Höchstwerte 104 cm, 11,1 kg und 18 Jahre.
  • Laichzeit: Die Laichzeit beginnt laut IUCN im Mai und erreicht im Juni ihren Höhepunkt; jedes Weibchen legt mehrere Portionen Eier (FishBase).
  • Ein Fisch, der spricht: Die Männchen erzeugen Schallpulse, um Weibchen anzulocken — so beschreibt es eine Studie im *Journal of Fish Biology* (Picciulin und Kollegen, 2016), die ihn dafür mit dem Meerraben verglichen hat. Englisch heißt die ganze Familie „drums“, Trommler.

Wie man ihn befischt — aus der Biologie gedacht

Die englische Wikipedia nennt ihn eine Art, die Angler und Speerfischer gezielt suchen, und FishBase führt ihn ausdrücklich als „gamefish: yes“. Wie man ihn fängt, beschreibt keine der Quellen — aber das Maul erzählt es. Ein Fisch mit einem kleinen, nach unten gerichteten Maul und Bürstenzähnen, dessen Hauptbeute am Boden lebt, nimmt, was am Grund liegt. ⚠️ Daraus folgt, als Schluss aus Maul und Beute und nicht als Fangzahl: Naturköder am Grund — Wurm, Sepia-Streifen, kleine Krebstiere —, gefischt dort, wo Sand an Fels grenzt, und dort, wo Süßwasser ins Meer läuft, weil die Jungfische laut FishBase in die Mündungen ziehen. Und weil die IUCN die Art als gefährdet führt (dazu gleich), ist das Zurücksetzen hier mehr als eine Geste. Welches Mindestmaß gilt, regelt das jeweilige Land — prüfe es vor Ort, bevor du entnimmst.

Vier Widersprüche, offen stehen gelassen

  • Wie groß? Die englische Wikipedia nennt als Höchstlänge 73 cm und beruft sich dabei auf FishBase (abgerufen 2016). FishBase selbst nennt heute 104 cm und 11,1 kg. Und der Europarekord eines Anglers liegt laut Wikipedia, gestützt auf die European Federation of Sea Anglers, bei 11,2 kg — 100 Gramm mehr als das höchste Gewicht, das FishBase veröffentlicht hat.
  • Wo nicht? Dieselbe Wikipedia schreibt, die Art fehle rund um die größeren Inseln des Mittelmeers. Der Europarekord stammt laut derselben Seite aus dem Jahr 1992 — vor Korsika.
  • Wie gefährdet? Die IUCN führt den Umberfisch als „Vulnerable“ (A2b), bewertet am 30. Juli 2019. FishBase stuft seine Anfälligkeit für Befischung zugleich nur als „Moderate vulnerability (43 of 100)“ ein, die Anfälligkeit für den Klimawandel dagegen als „High to very high (70 of 100)“. Die Anlandungen sind laut IUCN von durchschnittlich 1.393 Tonnen (1986–1990) auf 278 Tonnen (2001–2005) gefallen — minus 80 Prozent. ⭐ Bei der Sackbrasse in dieser Serie war es genau umgekehrt: IUCN „Least Concern“, FishBase „hoch anfällig“.
  • Warum Schatten? FishBase sagt: wegen der schnellen Bewegungen, der Fisch als Phantom. ETYFish sagt: weil umbra und ombrina schon Volksnamen für drei verschiedene Umberfische waren. Beide Erklärungen stehen hier, keine ist verworfen.

Sechs Namen, die zum falschen Fisch führen

  • „Corvo“, „Corbo“, „Corbello“, „Gurbell“, „Corb“, „Verrugato“, „Corvallo“. Alle stehen in den GBIF-Listen beider Arten. Ohne Zusatz weißt du nicht, ob du den hellen oder den dunklen Raben meinst — frag nach dem Bart.
  • „Corvina“. FishBase führt „Corvina“ in Portugal für den Umberfisch, die GBIF zusätzlich in Italien, Spanien und Portugal für den Meerraben — und in dieser Serie ist die Corvina der Adlerfisch, *Argyrosomus regius*. Ein Wort, drei Fische.
  • „maigre“. Steht in der spanischen GBIF-Liste des Umberfischs und in der französischen des Meerraben. Französisch ist maigre aber der Adlerfisch — mit eigenem Artikel in dieser Serie.
  • „Ombrina“ ohne Zusatz. Italienisch ist das unser Fisch. Aber die GBIF führt „Ombrina“ auch für den Meerraben, und die „ombrina bocca d’oro“, die Ombrina mit dem Goldmaul, ist wieder der Adlerfisch.
  • „Σολομός“, „Salamun“, „Šalomun“. Die GBIF führt Σολομός unter den griechischen Namen, FishBase Salamun und Šalomun unter den kroatischen. Σολομός ist griechisch der Lachs. ⚠️ Warum der Name hier steht, erklärt keine Quelle. Die kroatische GBIF-Liste enthält außerdem Einträge, die erkennbar aus anderen Sprachen und für andere Fische stammen — eine Namensliste ist eine Sammlung, kein Wörterbuch.
  • „Горбыль“ ohne Eigenschaftswort. Russisch heißt светлый горбыль der helle Umberfisch, тёмный oder чёрный горбыль der Meerrabe. Wer nur „горбыль“ sucht, bekommt beide.

Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Boden, Tiefe und Beute stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, ist alles andere — Luftdruck und seine Richtung, Wind, Strömung, Trübung, der Abstand zur Dämmerung. Für einen Fisch, der an der Kante zwischen Sand und Fels und vor den Mündungen nach Bodentieren sucht, ist das Zeitfenster die halbe Arbeit: Die Kante bleibt, die Stunde nicht. Genau das rechnet StrikeAhead aus — es nimmt die Bedingungen an deinem Wasser und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und wenn du das Revier nicht kennst, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du hinausfährst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr.

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