Kleingefleckten Katzenhai angeln: der Räuber, den die Wissenschaft Hund nennt
Jeder Artikel dieser Serie beantwortet dieselbe Frage: Wie überlistet der Angler den Räuber? Mit welchem Köder, in welcher Tiefe, zu welcher Zeit. Beim Kleingefleckten Katzenhai steht am Anfang ein Streit über das Tier selbst — und zwar in seinem eigenen Namen. Die Wissenschaft nennt ihn einen Hund: Sein Artname lautet *canicula*, lateinisch für Hündchen, und auch der Gattungsname *Scyliorhinus* führt auf ein griechisches Wort für kleinen Hund zurück. Doch von Neapel bis Zagreb, von Istanbul bis ins Baskenland heißt derselbe Fisch Katze. Der Pol dieses Artikels heißt deshalb: der Räuber, den die Wissenschaft Hund nennt und halb Europa Katze. Gemeint ist *Scyliorhinus canicula* — laut FishBase der häufigste Katzenhai in den Küstengewässern Europas und damit der Hai, den der Angler an Mittelmeer und Atlantik am ehesten an der Schnur hat.
Zweimal Hund, einmal Raspel
Die Herkunft der wissenschaftlichen Namen verzeichnet das ETYFish Project, ein etymologisches Register der Fischnamen; die Familienseite „Family SCYLIORHINIDAE Gill 1862 (Catsharks)“ trägt dort das Revisionsdatum 7. November 2025. Der Artname canicula ist in sechs Worten erklärt: „diminutive of canis (L.), dog“ — Verkleinerungsform von lateinisch *canis*, Hund. Dazu der Grund, den dieselbe Quelle nennt: „sharks were derogatorily called ‚dogs‘ or ‚sea dogs‘ in ancient times“ — Haie hießen in der Antike abschätzig „Hunde“ oder „Seehunde“. Der Gattungsname Scyliorhinus (Blainville 1816) verdoppelt das: „scylio-, from skýlion (σκύλιον), small dog or whelp, i.e., a small shark“ — vom griechischen *skýlion*, kleiner Hund oder Welpe. Der zweite Teil, rhinus, sei „an ancient name for sharks“, entweder von *rhinos* (ῥινός), Haut oder Fell eines Tiers, oder von *rhínē* (ῥίνη), Raspel — beides, so ETYFish, spiele auf die raue Haut des Hais an. Zum Vergleich steht auf derselben Seite die Schwesterart: *Scyliorhinus stellaris* sei „Latin for starry or of the stars, referring to many large and small black and white spots on body“ — die Sternige, nach den vielen großen und kleinen Flecken.
Hund, Katze, Rot — und in Japan ein Tiger
Wie wenig sich Europa an den Hund der Gelehrten gehalten hat, zeigt die Namensliste der GBIF zu *Scyliorhinus canicula* (Schlüssel 2418684, 186 Einträge). Es gibt ein Hunde-Lager: englisch „Lesser spotted dogfish“, „Sandy dogfish“, „Rough hound“ und sogar „Fay dog“, niederländisch „Hondshaai“ — Hundshai —, polnisch „Rekinek psi“, der Hundehai, griechisch „Σκυλοψαράκι“, das kleine Hundsfischchen, spanisch daneben auch „Pez perro“. Und ein Katzen-Lager, das größer ist: deutsch „Kleingefleckter Katzenhai“, italienisch „Gattuccio“ — Kätzchen —, maltesisch „Gattarell“ und „Gattarell tat-tikek“, der gefleckte, türkisch „kedi balığı“, der Katzenfisch, slowenisch „navadna morska mačka“, die gewöhnliche Meerkatze, serbisch „Morska macka“, albanisch „mace deti“ und „mice me pika“, baskisch „katuarraina“, russisch „кошачья акула“, katalanisch schlicht „gat“. Selbst das Französische, das eigentlich zu einem dritten Lager gehört, führt „Chat marin“ und „Gat“ mit.
Dieses dritte Lager ist das Rot-Lager — und es ist das einzige, das seine Farbe offen ausspricht: dänisch „Småplettet rødhaj“, schwedisch „Småfläckig rödhaj“, norwegisch „Småflekket rødhai“, alle drei wörtlich der kleingefleckte Rot-Hai, finnisch „Pistepunahai“, der Punkt-Rot-Hai. Französisch heißt er „Petite roussette“, spanisch „Pintarroja“ und „Pitarrosa“, portugiesisch „Pata-roxa“. ⚠️ Dass in diesen romanischen Namen ein Farbwort steckt, ist eine Beobachtung am Wort, keine belegte Herleitung — GBIF liefert Namen, keine Etymologien, und dieser Artikel behauptet mehr nicht. Ausdrücklich rot ist nur der Norden. Dazu kommen die keltischen Namen, die eigene Wege gehen: walisisch „Morgi“ und „morgi meiaf“, schottisch-gälisch „morgay“, irisch „An fíogach beag“ — und bretonisch gleich alles auf einmal: „kazh mor“ (Katze), „chienbrô“ (Hund) und „ki-rouz“ (rot). Eine Sprache, drei Lager. ⚠️ Unaufgelöst bleibt der gälische Eintrag „sporan feannaig“, den GBIF ohne jede Erklärung führt; dieser Artikel deutet ihn nicht. Und Japan steht ganz für sich: Die japanische Wikipedia eröffnet den Artikel mit „ハナカケトラザメ Scyliorhinus canicula“ — der Name endet auf トラザメ, wörtlich Tiger-Hai. Weder Hund noch Katze.
💣 Vier Namensfallen. Erstens die Schwesterart. Der japanische Name „ヨーロッパトラザメ“, der „Europäische Katzenhai“, meint nicht diesen Fisch, sondern *Scyliorhinus stellaris*. Wer nach dem europäisch klingenden Namen greift, landet beim größeren Nachbarn. Zweitens „Dogfish“. Im Englischen ist das Wort kein Eigenname: Es trägt auch den Dornhai, *Squalus acanthias*, der mit unserem Fisch nicht einmal die Ordnung teilt. Wenn an Bord „dogfish“ fällt, ist die Art damit nicht bestimmt. Drittens die Katze ohne Beinamen. Kroatisch heißt *S. canicula* „mačka bljedica“, die Schwesterart *S. stellaris* aber „mačka mrkulja“ — beide sind „mačka“, und im Kroatischen führt die amtliche Liste zusätzlich ein Sammelwort „mačke“ für die ganze Gattung. Das italienische „Gattuccio“ und das maltesische „Gattarell“ stehen vor demselben Problem; erst das zweite Wort entscheidet. Viertens das Kroatische selbst. ⚠️ GBIF führt für diese Art überhaupt keinen kroatischen Namen — und keinen japanischen und keinen arabischen. Der kroatische Name in diesem Artikel stammt deshalb nicht aus GBIF, sondern aus dem Pravilnik o popisu trgovačkih naziva proizvoda ribarstva i akvakulture, der amtlichen Handelsnamen-Liste in den Narodne novine 6/2023, wo neben *Scyliorhinus canicula* „mačka bljedica“ steht.
Einen Meter, 3,7 Kilo, zwölf Jahre
Die Rahmendaten stammen aus FishBase (Artblatt 845), dessen Hauptreferenz zur Gattung Soares & De Carvalho (2019) ist. Der Kleingefleckte Katzenhai wird bis 100 Zentimeter Gesamtlänge lang, die „common length“ liegt bei 60 Zentimetern; das höchste veröffentlichte Gewicht beträgt 3,7 Kilogramm, das höchste gemeldete Alter zwölf Jahre. Das ist ein Hai im Taschenformat — und genau das macht ihn zum Fisch, den man wirklich fängt. Sein Umfeld führt FishBase als „Marine; demersal“, also grundnah, mit einem Tiefenbereich von 10 bis 780 Metern, „usually 80 - 100 m“ — gewöhnlich 80 bis 100 Meter. Das Klima ist subtropisch, der Bereich 63°N bis 3°N, 32°W bis 37°E. ⚠️ Diese Klimazeile reicht bis fast an den Äquator, während die Verbreitungszeile derselben Quelle deutlich früher endet: „North Sea (sw coast of Sweden to Copenhagen, Denmark), Northeastern Atlantic Ocean (Ireland, United Kingdom, France, Portugal); Mediterranean Sea (Spain, France, Italy, Tunisia, Algeria, Morocco); nw Africa, close to the Strait of Gibraltar and to the north of Mauritania (20º30'N); including Norwegian Sea.“ Beides steht so da; dieser Artikel löst es nicht auf.
Sandig, kiesig, schlammig — und was er dort frisst
Der für Angler wichtigste Satz steht bei FishBase unter „Biology“ und ist kurz: „Most common catshark in coastal waters of Europe. Inhabits continental shelves and uppermost slopes. Found on sandy, coralline, algal, gravel or muddy bottoms.“ — der häufigste Katzenhai in Europas Küstengewässern, zu Hause auf dem Schelf und an den obersten Hängen, über sandigem, korallinem, algenbewachsenem, kiesigem oder schlammigem Grund. Das ist eine Standortbeschreibung, keine Nebensache: Er steht dort, wo der Boden weich ist, nicht am Riff. Seine Beute nennt FishBase ebenso nüchtern: „benthic invertebrates, including mollusks, crustaceans, small cephalopods, polychaete worms, and small bony fishes“ — bodenlebende Wirbellose, darunter Weichtiere, Krebstiere, kleine Kopffüßer, Borstenwürmer und kleine Knochenfische. Ein Räuber des Grundes also, der den Fisch erst an letzter Stelle nimmt. Für den Menschen führt FishBase ihn als „Harmless“, harmlos.
Die Tasche, die am Tang hängt
Anders als die meisten Haie, die lebende Junge bekommen, legt dieser Eier. FishBase: „Oviparous, laying paired eggs (one per oviduct) in shallow subtidal areas.“ — eierlegend, paarweise, eines je Eileiter, und zwar im flachen Wasser unterhalb der Gezeitenzone. Die Kapsel misst 4,9 bis 7,0 Zentimeter in der Länge und 1,5 bis 3,0 Zentimeter in der Breite, je nach Ort und Größe des Weibchens. Die Embryonen „feed solely on yolk“ — sie ernähren sich ausschließlich vom Dotter, ohne jede Zufuhr von der Mutter. Und dann der Satz, der das Tempo dieses Fisches erklärt: „Fully formed pups hatch after 5-11 months, depending on water temperature.“ — fünf bis elf Monate, abhängig von der Wassertemperatur; die frisch geschlüpften Jungen sind 8 bis 10 Zentimeter lang. ⚠️ Hier steht ein Widerspruch, den die Quelle selbst nebeneinander stellt: Das Ei liegt im Flachen, der erwachsene Fisch steht gewöhnlich auf 80 bis 100 Metern. Wer die Eitaschen am Tang findet, hat nicht den Standplatz der großen Tiere gefunden.
Nicht gefährdet — und in Kroatien trotzdem verboten
FishBase führt den Kleingefleckten Katzenhai als „Least Concern (LC)“, bewertet am 31. August 2020, die Fischerei als „minor commercial“ und ausdrücklich „gamefish: yes“. Zugleich nennt dieselbe Quelle die Erholungsfähigkeit „Low“ mit einer Verdopplungszeit von 4,5 bis 14 Jahren und die Anfälligkeit für Befischung „High (59 of 100)“. ⚠️ Häufig und trotzdem langsam — beides steht nebeneinander. Und dann gibt es Länder, die daraus eine Regel gemacht haben. Kroatien führt ihn im Pravilnik o sportskom i rekreacijskom ribolovu na moru, Narodne novine 48/2026, in Kraft seit 1. Juni 2026, in Prilog 1, Tablica 3 — der „Popis vrsta riba i drugih morskih organizama za koje je zabranjen ulov“, der Liste der Arten, für die der Fang verboten ist und für die der Beifang und das Zurücksetzen dokumentiert werden. Dort stehen „mačka bljedica — Scyliorhinus canicula“, „mačka mrkulja — Scyliorhinus stellaris“ und „mačke — Scyliorhinus spp.“, die ganze Gattung. Wie damit umzugehen ist, sagt Članak 8, stavak 11 derselben Verordnung: „Ribolovac je prije izvlačenja iz mora dužan pustiti jedinku živu i neozlijeđenu kad god je to moguće“ — der Angler ist verpflichtet, das Tier lebend und unverletzt freizulassen, bevor er es aus dem Meer hebt, wann immer das möglich ist. ⚠️ Das ist eine zitierte Fundstelle, keine Rechtsberatung, und sie gilt für Kroatien; Regeln unterscheiden sich je Land und ändern sich. Maßgeblich ist die zuständige Behörde. Der Punkt für den Angler ist ein anderer: Ein weltweiter Status „nicht gefährdet“ sagt dir nichts darüber, was an deinem Wasser erlaubt ist.
Was das am Wasser heißt
- Weicher Grund, nicht Riff. FishBase nennt sandigen, korallinen, algenbewachsenen, kiesigen oder schlammigen Boden auf Schelf und oberstem Hang. Wer den Grund kennt, kennt die Fläche — StrikeAhead zeigt dir Tiefe und Bedingungen für deinen Punkt.
- Achtzig bis hundert Meter sind die Regel, zehn bis 780 die Spanne. „Usually 80 - 100 m“ ist die Angabe der Quelle, nicht eine Faustregel vom Hafen.
- Ein Hai in Taschenformat. Einen Meter Höchstlänge, 3,7 Kilo Höchstgewicht: Wer einen Katzenhai fängt, fängt kein Ungeheuer — und FishBase führt ihn als harmlos.
- Er frisst den Boden ab. Weichtiere, Krebse, kleine Kopffüßer, Borstenwürmer, dann erst kleine Fische. Welche Ködergröße oder Methode fängt, sagt keine der gelesenen Quellen; dieser Artikel verspricht keine.
- Die Eitasche ist kein Fund am Fangplatz. Gelegt wird im Flachen, gestanden wird tief. Fünf bis elf Monate bis zum Schlupf, abhängig von der Wassertemperatur.
- Langsam im Nachwachsen. Erholungsfähigkeit „Low“, Verdopplungszeit 4,5 bis 14 Jahre, Anfälligkeit „High (59 of 100)“ — ein Argument für schonende Behandlung und fürs Zurücksetzen, auch wo es niemand verlangt.
- Regeln selbst prüfen. In Kroatien steht die ganze Gattung auf der Verbotsliste, samt Pflicht, sie noch im Wasser freizulassen. Anderswo gilt anderes. Mindestmaße, Fangmengen und Schonzeiten ändern sich — maßgeblich ist die zuständige Behörde; das hier ist keine Rechtsberatung.
- Frag nach dem zweiten Wort. „Gattuccio“, „mačka“, „dogfish“, „Gattarell“ — keiner dieser Namen bestimmt allein die Art. Erst der Beiname trennt sie von der Schwesterart.
Der Kleingefleckte Katzenhai ist der Räuber, den die Wissenschaft Hund nennt: Ein lateinisches Hündchen im Artnamen, ein griechischer Welpe in der Gattung — und ein Kontinent, der sich nicht daran gehalten hat und Katze sagt, im Norden Rot-Hai, in Japan Tiger. Dahinter steht ein Hai von einem Meter, der über weichem Grund lebt, seine Eier in Taschen ans Flache hängt und je nach Land Beifang oder Verbotsart ist. StrikeAhead liest Bedingungen und Tiefe und lernt aus deinen Fängen; die App sagt dir, wann es sich lohnt, und StrikeAhead Pathfinder sagt dir, mit wem du an unbekanntem Wasser rausfährst — kuratiert, persönlich geprüft, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr.