Seeteufel angeln: der Räuber, der selbst eine Angel trägt

Jeder Artikel dieser Serie beantwortet dieselbe Frage: Wie überlistet der Angler den Räuber? Mit welchem Köder, in welcher Tiefe, zu welcher Zeit. Beim Seeteufel steht auf der anderen Seite der Schnur ein Kollege. Sein erster Rückenflossenstrahl ist zu einer Angelrute umgebaut, an deren Ende ein Hautlappen als Köder sitzt, und er liegt still am Grund, bis die Beute nah genug ist. Der Pol dieses Artikels heißt deshalb: der Räuber, der selbst eine Angel trägt. Gemeint ist der Seeteufel, *Lophius piscatorius*, vom Barentssee bis ins Mittelmeer zu Hause.

Angler, Teufel, Frosch: was Europas Namen über ihn wissen

Die Herkunft der wissenschaftlichen Namen verzeichnet das ETYFish Project, ein etymologisches Register der Fischnamen. Der Artname piscatorius heißt dort „zu einem Angler gehörig" — bezogen auf den ersten Rückenflossenstachel, der zu einem Angelapparat umgebildet ist, dem Illicium, das einen knollen- oder fleischartigen „Köder" trägt, die Esca, um Beutefische zu seinem „cavernous mouth" zu locken, dem höhlenartigen Maul. Die Gattung Lophius kommt laut ETYFish von griechisch *lóphos*, „Kamm" oder „Mähne", einem alten Namen für genau diese Art — vermutlich, so ETYFish, wegen der Rückenflosse mit drei tentakelartigen Stacheln auf dem Kopf. Linné vergab den Namen 1758; der Fisch trägt die Angel also schon im wissenschaftlichen Namen.

Die Volksnamen teilen sich in drei Lager. In der Namensliste der GBIF zu *Lophius piscatorius* (Schlüssel 2415075, 217 Einträge) steht das Angler-Lager: deutsch „Anglerfisch", englisch „angler", italienisch „Rana pescatrice", portugiesisch „peixe-pescador", rumänisch „Peste pescar", russisch „Европейский удильщик", ungarisch „európai horgászhal", griechisch „Πεσκαντρίτσα". Daneben das Teufels-Lager: deutsch „Seeteufel", niederländisch „Zeeduivel", russisch „Морской черт", norwegisch „sjødævel", französisch „diable", walisisch „Cythraul y Môr". Und das Frosch-Lager: italienisch „Rospo" und „coda di rospo", katalanisch „granota de mar", spanisch „pejesapo", polnisch „Żabnica", slowenisch „Morska žaba", schwedisch „havspadda", griechisch „Βατραχόψαρο". Dazu zwei Einzelgänger: türkisch „Fener Balığı", der Laternenfisch, und norwegisch „breiflabb", das Breitmaul. Viele Namen deutet dieser Artikel bewusst nicht — spanisch „Rape", portugiesisch „Tamboril", französisch „Baudroie", kroatisch „Grdobina" —, weil ihre Herkunft in keiner der gelesenen Quellen steht.

💣 Die Namensfallen dieses Mal sind gleich drei. Englisch „Monkfish" steht in der GBIF-Liste auch beim Meerengel, einem Hai (*Squatina squatina*) — dort taucht sogar das niederländische „zeeduivel" wieder auf. Französisch „lotte" steht auch bei der Quappe (*Lota lota*), einem Süßwasserfisch, dem diese Serie einen eigenen Artikel gewidmet hat; laut FishBase wird der Seeteufel ohne Haut und Kopf als „queue de Lotte" verkauft. Und „Anglerfisch" heißen im Deutschen auch Fühlerfische aus einer anderen Familie. Für Japanisch führt die Liste nur „ニシアンコウ"; das kürzere „アンコウ" gehört bei GBIF zu einer anderen Art. Für Arabisch führt sie keinen Namen.

Die Angel am Kopf

Wie er jagt, beschreibt das norwegische Havforskningsinstituttet (Meeresforschungsinstitut) auf seiner Artseite: Er liegt still und lockt Beute mit dem vordersten Flossenstrahl an, „som fungerer som ei fiskestong med ein hudflik som agn" — der wie eine Angelrute mit einem Hautlappen als Köder funktioniert. Jeder Fisch, der dem großen Maul nahe genug kommt, wird verschluckt, wenn er blitzschnell das Maul aufreißt und die Beute einsaugt. Und dann der Satz, der hängen bleibt: Man hat in Seeteufelmägen sogar Seevögel und Otter gefunden. Das FishBase-Artblatt bestätigt das Bild: Er liegt „half-buried in the sediment waiting for its prey", halb eingegraben im Grund, lockt mit seinem Angelfaden, frisst vor allem Fische, gelegentlich Seevögel. Die Esca beschreibt FishBase als zweigeteilt, mit zwei breiten, blattartigen Lappen.

Die Rahmendaten, jeweils mit Quelle, weil die Quellen nicht überall übereinstimmen. FishBase: marin, bodennah in der Tiefe, 20 bis 1.000 Meter, auf Sand und Schlamm, auch auf Fels; vom südwestlichen Barentssee bis Gibraltar einschließlich Mittelmeer und Schwarzem Meer; bis 200 Zentimeter und 57,7 Kilogramm, üblich um 100 Zentimeter; höchstes gemeldetes Alter 24 Jahre; IUCN „Least Concern" (nicht gefährdet, Bewertung 2013); Gefahr für den Menschen: „Harmless", harmlos. MarLIN, das Informationsnetz der britischen Marine Biological Association, nennt dagegen die tiefe Gezeitenzone bis 550 Meter, zusätzlich Muschelschill und Kies, und „large curved teeth in both jaws", große gebogene Zähne in beiden Kiefern. Das Havforskningsinstituttet trifft ihn schon in der Uferzone und gibt die Lebensdauer mit mehr als 25 Jahren an. ⚠️ Wie flach er kommt und wie alt er wird, beantworten die Quellen also unterschiedlich — dieser Artikel glättet das nicht.

Zwei Seeteufel, ein Name

Im Mittelmeer und im Atlantik lebt neben *L. piscatorius* eine sehr ähnliche zweite Art, der Schwarze Seeteufel, *Lophius budegassa*. Was die Quellen zur Unterscheidung hergeben:

  • Der Name kommt aus Genua. *budegassa* stammt laut ETYFish von *budegasso*, dem örtlichen Namen am Golf von Genua.
  • Die Farbe der Bauchhöhle. Das Havforskningsinstituttet unterscheidet die Arten an der Auskleidung der Bauchhöhle: hell bei *L. piscatorius*, schwarz bei *L. budegassa*. FishBase nennt für *L. piscatorius* ebenfalls ein helles Bauchfell.
  • Im Norden fast nur eine Art. Norwegische Fänge sind laut Havforskningsinstituttet fast ausschließlich *L. piscatorius* — nur etwa einer von 1.000 ist *L. budegassa*.
  • Die Namen helfen nicht. In der GBIF-Liste zu *L. budegassa* (Schlüssel 2415070) stehen dieselben Namen wie beim Seeteufel: französisch „Baudroie" und „Lotte", türkisch „fener baligi", maltesisch „Petrica".

⚠️ Das Geländer dazu: Die Bauchhöhle sieht man erst beim Ausnehmen — am lebenden Fisch hilft dieses Merkmal nicht. Dieser Artikel ist kein Bestimmungsschlüssel; wer die Art sicher wissen muss, fragt die zuständige Fischereibehörde oder ein Fachbuch.

Was das am Wasser heißt

  • Er ist kein Standardfang — und das ist ehrlich. Keine der hier gelesenen Quellen beschreibt den Seeteufel als Ziel von Anglern; FishBase führt ihn als „highly commercial", das Havforskningsinstituttet beschreibt Stellnetze und Grundschleppnetze. Wenn er doch einmal am Haken hängt, dann dort, wo er lebt: am Grund über Sand oder Schlamm.
  • Lerne vom Lauerjäger. Er liegt still, bewegt nur den Köder und schlägt zu, wenn die Beute nah ist. Das ist die Logik jedes Grundköders, der ruhig vor einem Räuber liegt — ein Beleg, dass eine bestimmte Angelmethode beim Seeteufel fängt, steht in keiner der Quellen, und dieser Artikel verspricht keinen.
  • Nie mit der Hand ins Maul. Große, gebogene Zähne in beiden Kiefern und ein Maul, das Beute einsaugt: Haken nur mit langer Lösezange lösen, sitzt er tief, lieber das Vorfach kappen.
  • Größe ernst nehmen. Ein Fisch, der laut FishBase bis zwei Meter und über 57 Kilogramm erreichen kann, gehört nicht mit einem Griff über die Bordwand — Kescher oder Gaff nur dort, wo sie erlaubt sind.
  • Harmlos heißt nicht giftig. Anders als das Petermännchen aus dem letzten Artikel führt FishBase den Seeteufel als „Harmless" — keine Giftstacheln. Die Gefahr sind Zähne und Gewicht, nicht Gift.
  • Regeln selbst prüfen. Dieser Artikel nennt bewusst keine Mindestmaße, Quoten und Schonzeiten — der Seeteufel ist ein stark befischter Speisefisch, und die Regeln unterscheiden sich je Land und Meeresgebiet. Maßgeblich ist die zuständige Fischereibehörde; das hier ist keine Rechtsberatung.

Der Seeteufel ist der Fisch, der am besten zeigt, worum es beim Angeln geht: am richtigen Ort still liegen und im richtigen Moment zuschlagen. Genau diesen Moment zu treffen, ist für Menschen schwerer als für ihn. StrikeAhead liest Bedingungen und Tiefe und lernt aus deinen Fängen; die App sagt dir, wann es sich lohnt, und StrikeAhead Pathfinder sagt dir, mit wem du an unbekanntem Wasser rausfährst — kuratiert, persönlich geprüft, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos.

Fisch den richtigen Moment →