Wolgazander: der kleine Zander ohne Fangzähne, der sich in Norddeutschlands Kanälen ausbreitet

Er sieht aus wie ein Zander, bleibt aber klein, trägt keine großen Fangzähne und hat kräftigere dunkle Streifen: der Wolgazander, *Sander volgensis* — deutsch auch Steinschill (GBIF, deutsche Wikipedia), englisch Volga pikeperch oder Volga zander, niederländisch Wolgasnoekbaars, schwedisch volgagös, russisch волжский судак oder берш, türkisch sekret balığı, ungarisch kősüllő (GBIF, Wikidata). Für Spanisch, Italienisch, Französisch, Portugiesisch, Dänisch, Norwegisch, Finnisch, Griechisch, Kroatisch, Slowenisch, Albanisch, Japanisch und Arabisch fanden wir in GBIF und Wikidata keinen bestätigten eigenen Artnamen. Zu Hause ist er in Donau und Wolga — doch seit gut 15 Jahren breitet er sich, vermutlich von Menschen eingebracht, über den Mittellandkanal in Norddeutschland aus. Hier steht, wie du ihn erkennst, wo er lebt, was er frisst, wann er laicht — und warum er Anglern in Niedersachsen inzwischen regelmäßig an den Haken geht.

Der kleine Bruder des Zanders

Der Wolgazander gehört laut deutscher Wikipedia zu den Echten Barschen (Percidae) und in dieselbe Gattung *Sander* wie der Zander. Beschrieben hat ihn Johann Friedrich Gmelin im Jahr 1789, damals als *Perca volgensis*; als Fundort nannte er laut englischer Wikipedia Wolga und Ural. Laut englischer Wikipedia ist er der ursprünglichste Vertreter der europäischen Linie der Gattung: Die Linie des Zanders hat sich vor etwa 13,8 Millionen Jahren von der des Wolgazanders getrennt. Schon der englische Naturforscher Francis Willughby bemerkte laut deutscher Wikipedia, dass in der österreichischen Donau zwei Zanderarten leben.

Woran du ihn vom Zander unterscheidest

Das sicherste Merkmal steckt im Maul: Dem Wolgazander fehlen laut deutscher und englischer Wikipedia die großen Fangzähne, die der Zander trägt. Seine Flanken zeigen laut deutscher Wikipedia dunkle Streifen, die nicht in Flecken zerfallen; laut englischer Wikipedia sind sie deutlicher als beim Zander, und der Fisch wirkt eher silbrig-grau als grünlich. Der Anglerverband Niedersachsen (AVN) beschreibt laut einer dpa-Meldung vom März 2026 sehr dunkle, kräftige Streifen bis zum Bauch und eine hohe erste Rückenflosse. Der vordere Kiemendeckel ist laut deutscher Wikipedia vollständig beschuppt.

  • Zähne: keine großen Fangzähne — beim Zander deutlich sichtbar. Das ist laut AVN und beiden Wikipedias das Hauptmerkmal.
  • Streifen: dunkler, kräftiger, bis zum Bauch, ohne in Flecken zu zerfallen.
  • Größe: deutlich kleiner als der Zander, der in Elbe und Weser laut AVN über einen Meter und 10 kg erreichen kann. Wie groß der Wolgazander wird, ist umstritten — siehe die Widersprüche unten.
  • Flossen und Schuppen: laut englischer Wikipedia 19 bis 21 verzweigte Weichstrahlen in der zweiten Rückenflosse und 70 bis 83 Schuppen entlang der Seitenlinie.
  • Alter und Reife: laut FishBase bis 12 Jahre; geschlechtsreif mit 3 bis 4 Jahren bei 20 bis 30 cm Standardlänge, Weibchen laut englischer Wikipedia etwa ein Jahr später als Männchen.

Was er frisst

Laut FishBase und englischer Wikipedia frisst der erwachsene Wolgazander kleine Fische und wirbellose Tiere; die deutsche Wikipedia nennt Fische und kleine Krebse und schreibt, er bevorzuge Barsche. Larven und Jungfische leben laut FishBase im Freiwasser und fressen Zooplankton. FishBase gibt ihm eine trophische Stufe von 4,1 — er ist also ein echter Raubfisch, trotz fehlender Fangzähne. Laut deutscher Wikipedia frisst er auch in der kalten Jahreszeit.

Wo er lebt: Donau, Wolga — und der Mittellandkanal

Sein natürliches Gebiet reicht laut FishBase und englischer Wikipedia vom nördlichen Schwarzmeerbecken — von der Donau flussaufwärts bis Wien bis zum Kuban — und ins Kaspische Becken mit Wolga und Ural. Die englische Wikipedia nennt unter anderem Österreich, Ungarn, die Slowakei, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Rumänien, Bulgarien, Moldau, die Ukraine und Russland. Er lebt laut FishBase in großen, trüben Flüssen und Seen sowie in brackigen Küstenseen und Mündungen, bei 8 bis 22 °C und einem pH-Wert von 7,2 bis 8,0; die deutsche Wikipedia nennt tiefere, sandige Flussabschnitte und dichte Uferüberhänge als Versteck. In Tschechien ist er laut deutscher Wikipedia erst kürzlich wieder heimisch geworden, vor allem in March und Thaya.

Dann der Sprung nach Norden: Erstmals nachgewiesen wurde er in Deutschland laut der Roten Liste der Süßwasserfische (Freyhof und Kollegen, 2023) im Jahr 2010 im Mittellandkanal in Niedersachsen — laut AVN bei Braunschweig —, wo er offenbar illegal eingesetzt wurde. Inzwischen ist er laut derselben Liste flächendeckend im Mittellandkanal, im Elbe-Seitenkanal und im Elbe-Havel-Kanal verbreitet und breitet sich in Elbe und Weser aus. Innerhalb von 15 Jahren hat er sich laut AVN in Norddeutschland stark ausgebreitet; der Biologe Matthias Emmrich vom AVN spricht laut dpa (März 2026) von bestätigten Nachweisen aus elf Gewässern in sechs Bundesländern — Niedersachsen, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen. Der AVN hat dafür über 1.100 Fangmeldungen und mehr als 200 Fische ausgewertet. Laut Emmrich verbinden Schifffahrtskanäle wie der Mittellandkanal bisher getrennte Flusssysteme; eine Besiedlung des westdeutschen Kanalnetzes und des Rheinsystems hält er für sehr wahrscheinlich. Wer ihn eingesetzt hat, ist nicht bekannt; das Angelportal Barsch-Alarm schrieb 2023 bei einem Forschungsprojekt mit iDiv, Universität Jena und UFZ, er sei vermutlich durch Angler eingebracht worden.

Laichen und Brutpflege

Gelaicht wird laut FishBase, englischer und deutscher Wikipedia im April und Mai in flachem Wasser, laut FishBase an Ufern in 1 bis 2 Metern Tiefe über Sand, Kies oder Pflanzenwurzeln. Die Männchen sind laut FishBase territorial und graben eine flache Mulde als Nest; das Weibchen legt seine Eier laut FishBase in zwei bis drei Portionen ab. Wie beim Zander übernimmt laut deutscher Wikipedia das Männchen die Brutpflege. Manche Tiere unternehmen laut FishBase kurze Laichwanderungen.

Status, Regeln — und was du tun kannst

Weltweit gilt der Wolgazander auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern); laut englischer Wikipedia ist der Bestandstrend unbekannt, besondere Bedrohungen seien nicht festgestellt. In der deutschen Roten Liste (2023) ist er als gebietsfremde Art (Neobiota) nicht bewertet; der Bestand gilt dort als sehr selten, aber mit deutlicher Zunahme. In seiner Heimat sieht es teils anders aus: Für Österreich nannte Barsch-Alarm schon 2003 Vorkommen nur im Wiener Becken und an der March — dort gelte er als gefährdet. Die niedersächsische Landesregierung schrieb 2013 auf eine Kleine Anfrage im Landtag, er sei nicht invasiv und seine Verbreitung sehr begrenzt; gezielte Maßnahmen gegen ihn seien nicht geplant, die Information der Angelvereine durch den Landesverband reiche aus. Und laut AVN-Biologe Emmrich ist er für die heimischen Raubfische keine ernsthafte Bedrohung.

Für dich am Wasser heißt das: In der Heimat an Donau und March gelten regionale Schutz- und Fangregeln — vor der Tour beim Verein oder Bewirtschafter nachfragen. Im Norden lohnt es sich, einen gefangenen Wolgazander sauber zu bestimmen (Zähne, Streifen) und den Fang zu melden, etwa beim Anglerverband Niedersachsen, der die Ausbreitung seit Jahren mit Fangmeldungen von Anglern nachzeichnet. Ob du ihn entnehmen oder zurücksetzen musst, regelt die Gewässerordnung deines Vereins — eine einheitliche Vorgabe fanden wir nicht.

Fünf Widersprüche in den Quellen

  • Wie groß wird er? FishBase: höchstens 40 cm Standardlänge (ohne Schwanzflosse). Englische Wikipedia: 40 cm und 2 kg. Deutsche Wikipedia: 40 bis 50 cm und bis 2 kg. Barsch-Alarm 2003 aus Ungarn: um 35 cm, Fänge um 1,5 kg nur vom Hörensagen. AVN laut dpa 2026: bis 65 cm.
  • Wann wurde er bewertet? Der Status ist überall derselbe — nicht gefährdet —, das Datum nicht: deutsche Wikipedia 2009 (2004 noch „gering gefährdet“), FishBase 29. Mai 2022, englische Wikipedia Freyhof 2024.
  • Wie laicht er? Die englische Wikipedia nennt ihn in ihrem Systematik-Teil einen Freilaicher, der seine Eier einfach abgibt — derselbe Artikel, FishBase und die deutsche Wikipedia beschreiben aber ein Männchen, das ein Nest gräbt und die Brut bewacht.
  • Wann jagt er? FishBase und englische Wikipedia: am aktivsten in Abend- und Morgendämmerung. Deutsche Wikipedia: vorwiegend abends und nachts. Barsch-Alarm 2003: Bisse auch in der Mittagshitze.
  • Ist er ein Problem? Landesregierung Niedersachsen 2013: nicht invasiv, Verbreitung sehr begrenzt. Rote Liste 2023: flächendeckend in drei Kanälen, Ausbreitung in Elbe und Weser. AVN 2026: elf Gewässer in sechs Bundesländern, Ausbreitung ins Rheinsystem wahrscheinlich — aber laut Emmrich keine ernsthafte Bedrohung für heimische Raubfische. Barsch-Alarm 2023 dagegen betont, gebietsfremde Arten bedrohten oft die heimische Artenvielfalt.

Drei Fallen beim Namen

  • Steinschill ist nicht Schill. „Schill“ heißt laut deutscher Wikipedia in Österreich und Teilen Niederbayerns der Zander; der Steinschill (GBIF, deutsche Wikipedia) ist der Wolgazander. Wer in alten Fangbüchern „Schill“ liest, meint meist den großen Bruder.
  • Берш ist kein Barsch. Russisch und ukrainisch heißt der Wolgazander берш (bersch), polnisch bersz, türkisch laut GBIF auch bers — das klingt nach Barsch, ist aber der Wolgazander. Der Flussbarsch heißt russisch окунь.
  • Pikeperch ist nicht Volga pikeperch. Englisch heißt der Zander pikeperch, der Wolgazander Volga pikeperch; ungarisch ist süllő der Zander, kősüllő („Steinzander“) der Wolgazander. Ein fehlendes Wort macht aus dem einen Fisch den anderen — im Zweifel auf *Sander volgensis* achten.

Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Lebensraum, Beute und Gewohnheiten stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, ist alles andere — Licht, Luftdruck, Wind, Wassertemperatur, Pegel —, und ob sich ein Abend am Kanal oder an der Donau lohnt, entscheidet sich genau dort. Das rechnet StrikeAhead aus: Es nimmt die Bedingungen an deinem Wasser und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man ein fremdes Revier, seine Kanten und seine Regeln nicht vom ersten Tag an kennt, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du rausgehst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr. Die App sagt wann, Pathfinder mit wem.