Dunkler Gabeldorsch: der Nachträuber mit den gegabelten Kehlfäden, der den Tag in den Felsspalten des Mittelmeers verbringt
Er jagt nachts, verbringt den Tag in Felsspalten und trägt unter der Kehle zwei Fäden, die sich an der Spitze gabeln: der Dunkle Gabeldorsch, *Phycis phycis* — englisch forkbeard, spanisch brótola de roca, italienisch musdea oder mostella, französisch mostelle de roche, portugiesisch abrótea-da-costa, niederländisch gaffelkabeljauw, dänisch middelhavsskælbrosme, schwedisch klippbrosme, finnisch hankaturska, russisch обыкновенный нитепёрый налим, türkisch gelincik, griechisch πετροσαλούβαρδος, slowenisch tabinja, albanisch peshkfiku i zi (alle GBIF), kroatisch tabinja mrkulja und arabisch حرشونة المتوسط (Wikidata). Für Norwegisch und Japanisch fanden wir in GBIF und Wikidata keinen bestätigten Artnamen. Hier steht, wie du ihn erkennst, wo und wie tief er lebt, was er frisst, wann er laicht, warum er ein Fisch der Nacht ist — und warum du ihn nicht mit seinem größeren Verwandten verwechseln solltest, der im Deutschen oft einfach „Gabeldorsch“ heißt.
Ein Dorschverwandter, der nach Seetang benannt ist
Beschrieben hat ihn Carl von Linné im Jahr 1766. Er gehört zur Ordnung der Dorschartigen (Gadiformes) und laut FishBase und deutscher Wikipedia zur Familie der Gabeldorsche (Phycidae); seine Gattung *Phycis* teilt er laut deutscher Wikipedia mit zwei weiteren Arten. Gattungs- und Artname gehen laut englischer Wikipedia auf das griechische phykon zurück, Seetang — weil sich diese Fische meist zwischen Algen verstecken. Für den Menschen ist er laut FishBase harmlos.
Woran du ihn erkennst
- Maul und Bartel: ein breites Maul mit dicken Lippen (englische Wikipedia), leicht unterständig, und eine einzige Kinnbartel mit Sinneszellen, mit der er laut deutscher Wikipedia am Boden nach Nahrung tastet.
- Die Gabel: Die Bauchflossen sitzen laut deutscher Wikipedia an der Kehle, vor den Brustflossen, bestehen aus nur zwei Strahlen und sind zu einem fadenförmigen Fortsatz verlängert, der sich an der Spitze gabelt — daher Gabeldorsch und forkbeard.
- Flossen: zwei Rückenflossen, eine kurze, abgerundete vorn mit 9 bis 11 Strahlen und eine lange dahinter mit 56 bis 65 Strahlen, dazu eine lange Afterflosse und eine runde Schwanzflosse; keine Stachelstrahlen in irgendeiner Flosse (englische und deutsche Wikipedia).
- Farbe: oben dunkel- bis rötlichbraun oder grau, unten hell; die Flossen dunkel, bei manchen Tieren mit hellem Saum (deutsche und englische Wikipedia). Die Schuppen sind laut italienischer Wikipedia sehr klein und fallen leicht ab.
- Größe: meist um 25 cm, höchstens 65 cm und laut FishBase 3,9 kg; geschlechtsreif wird er laut FishBase bei rund 36 cm, die ersten Tiere ab 32 cm.
Ein Fisch der Nacht
Was ihn für Angler besonders macht, ist sein Tagesrhythmus. Laut FishBase und englischer Wikipedia ist der Dunkle Gabeldorsch nachtaktiv und versteckt sich tagsüber zwischen Felsen; die deutsche Wikipedia spricht von Höhlen und Felsspalten, die italienische nennt ihn lichtscheu und für Taucher schwer zu erreichen. Nachts jagt er laut deutscher Wikipedia auch über Sedimentflächen in der Nähe seiner Verstecke, und die französische Wikipedia beschreibt ihn nachts als sehr beweglich. Er frisst laut FishBase kleine Fische und verschiedene Wirbellose, laut italienischer Wikipedia vor allem Fische und Krebstiere; FishBase gibt ihm eine trophische Stufe von 4,3 — ein Räuber also, der nur nicht am hellen Tag jagt. Selbst gefressen wird er laut italienischer Wikipedia unter anderem vom Meeraal und vom Hundshai.
Wo er lebt — und wie tief
Er ist ein Fisch des Mittelmeers und des östlichen Atlantiks: laut FishBase von der Biskaya bis Marokko und weiter südlich bis zu den Kapverden, dazu um die Azoren; die deutsche Wikipedia nennt die makaronesischen Inseln. Im östlichen Mittelmeer kommt er laut deutscher Wikipedia nur lückenhaft vor, in der Biskaya laut französischer Wikipedia selten. Er lebt über Felsgrund und über sandig-schlammigem Boden nahe an Felsen. Ein Flachwasserfisch ist er nicht: Laut deutscher Wikipedia trifft man ihn selten im Flachen, er bevorzugt Tiefen ab 15 m und geht mehrere hundert Meter hinab. Wie tief er genau steht, beschreiben die Quellen unterschiedlich — siehe die Widersprüche unten. FishBase stuft ihn außerdem als stark bis sehr stark klimaempfindlich ein (68 von 100).
Laichzeit und Jugend
Gelaicht wird laut englischer, deutscher und französischer Wikipedia von Januar bis Mai, laut italienischer Wikipedia im Winter und zu Beginn des Frühjahrs. Die Jungfische leben laut italienischer Wikipedia bis zu einer Länge von 4 cm im freien Wasser und sehen ganz anders aus als die Alten: blauer Rücken, silberne Flanken. Erst danach gehen sie an den Grund. Wie schnell er wächst und wie lange er lebt, darüber sind sich die Quellen nicht einig — auch das steht unten.
Musdea, mostelle, abrótea: auf dem Teller und am Haken
Wirtschaftlich ist er eine Randfigur — und trotzdem begehrt. FishBase nennt nur eine kleine kommerzielle Fischerei, führt ihn aber in der höchsten Preiskategorie; die deutsche Wikipedia schreibt ihm eine sehr geringe Rolle in der Berufsfischerei zu. Gefangen wird er laut italienischer Wikipedia mit Langleinen (palamiti) und Grundschleppnetzen; sein Fleisch gilt dort als ausgezeichnet und zart, mit weniger als 5 % Fett. Die französische Wikipedia nennt ihn wegen seines zarten Fleisches gesucht bei Anglern und Speerfischern und lokal geschätzt. Für dich heißt das: Wer im Mittelmeer nachts über Felsgrund am Boden fischt, kann ihm begegnen. Konkrete Köder und Montagen nennt keine unserer Quellen — deshalb stehen hier auch keine.
Status — und was du tun kannst
Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Dunkle Gabeldorsch als nicht gefährdet (Least Concern), eingestuft laut FishBase am 2. Februar 2015. Die italienische Wikipedia sieht keine Anzeichen von Überfischung, warnt aber, dass er in Fangstatistiken oft mit ähnlichen Arten verwechselt wird — die Zahlen über ihn sind also unsicherer, als die Einstufung vermuten lässt. FishBase bewertet seine Anfälligkeit für Fischerei als mittel (45 von 100).
Für dich am Wasser heißt das: Ob für ihn ein Mindestmaß oder eine Fangbegrenzung gilt, regeln die nationalen und regionalen Vorschriften des jeweiligen Landes — eine allgemein gültige Regel für Freizeitangler fanden wir nicht. Frag vor der Tour beim örtlichen Fischereiamt oder bei deinem Guide nach. Und weil die Laichzeit von Januar bis Mai reicht, ist es in diesen Monaten eine gute Idee, laichreife Tiere schonend zurückzusetzen.
Fünf Widersprüche in den Quellen
- Wie tief lebt er? FishBase: 13 bis 614 m, üblich 100 bis 200 m — im Lebensraum-Text derselben Seite aber 100 bis 650 m, manchmal tiefer. Englische Wikipedia: 100 bis 650 m. Italienische: meist 100 bis 650 m, manchmal im Flachen, auch in Höhlen. Deutsche: ab 15 m bis mehrere hundert Meter. Französische: häufig in 100 bis 200 m, auch tiefer als 600 m.
- Wie groß ist er üblicherweise? FishBase, englische, deutsche und italienische Wikipedia: um 25 cm. Französische Wikipedia: im Schnitt 30 cm. Beim Maximum sind sich alle einig: 65 cm.
- Zu welcher Familie gehört er? FishBase, englische und deutsche Wikipedia: eigene Familie Phycidae. Französische Wikipedia: Familie Gadidae (Dorsche), Unterfamilie Phycinae — und eine der Quellen der englischen Wikipedia, eine Arbeit über Alter und Wachstum auf den Azoren, führt ihn ebenfalls unter „Gadidae“.
- Wächst er langsam oder nicht? Englische Wikipedia: vergleichsweise langsam wachsend und langlebig. FishBase: mittlere Widerstandskraft, eine Population verdoppelt sich in 1,4 bis 4,4 Jahren — für einen langsamen, langlebigen Fisch eher schnell. Ein Höchstalter nennt keine der Quellen.
- Wie wertvoll ist er? FishBase: nur kleine kommerzielle Fischerei, aber sehr hohe Preiskategorie. Deutsche Wikipedia: sehr geringe Rolle in der Fischerei. Italienische: in manchen Gebieten kommerziell befischt. Französische: ohne großen Handelswert, aber lokal geschätzt und von Anglern gesucht.
Drei Fallen beim Namen
- „Gabeldorsch“ ist oft sein großer Verwandter. Unter dem Stichwort „Gabeldorsch“ beschreibt die deutsche Wikipedia nicht diesen Fisch, sondern *Phycis blennoides* — eine Art, die bis 110 cm lang wird, bis in die Nordsee und nach Norwegen und Island reicht und bis 800 m tief lebt. Unser Fisch heißt dort Dunkler Gabeldorsch, in GBIF auch Brauner Gabeldorsch. Zu unterscheiden laut französischer Wikipedia: Bei *P. blennoides* ist die erste Rückenflosse etwa doppelt so hoch wie die zweite, die Bauchflossen reichen über den Beginn der Afterflosse hinaus, und Rücken- und Afterflosse tragen einen schwarzen Saum.
- „Mostelle“ allein bestimmt nichts. Im Französischen ist unser Fisch die mostelle de roche, die Felsen-Mostelle; *P. blennoides* heißt mostelle de fond, die Grund-Mostelle. Im Italienischen führt GBIF für unseren Fisch mehr als zwanzig Namen, darunter musdea, mostella und mustia — erst das zweite Wort oder der wissenschaftliche Name entscheidet.
- Drei Barteln heißt: andere Gattung. Die Seequappen (*Gaidropsarus*, französisch motelles) sehen ähnlich aus, tragen laut französischer Wikipedia aber zwei zusätzliche Barteln oben am Kopf, nahe den Nasenlöchern, und sind gestreckter. Der Dunkle Gabeldorsch hat nur die eine Kinnbartel.
Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Bei einem Fisch, der den Tag in der Felsspalte verbringt, ist das keine Nebensache. Lebensraum, Beute und Gewohnheiten stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, ist alles andere — Licht, Luftdruck, Wind, Wassertemperatur, Strömung —, und ob sich eine Nacht über dem Felsgrund lohnt, entscheidet sich genau dort. Das rechnet StrikeAhead aus: Es nimmt die Bedingungen an deinem Wasser und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man ein fremdes Revier, seine Kanten und seine Regeln nicht vom ersten Tag an kennt, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du rausgehst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr. Die App sagt wann, Pathfinder mit wem.