Gelbstreifen-Barrakuda (Sphyraena chrysotaenia): der kleine Barrakuda aus dem Roten Meer — 1931 als Hornhecht notiert, heute im Netz der Levante
Wer im östlichen Mittelmeer einen Barrakuda fängt, der kaum länger als eine Hand ist, denkt meist an einen jungen Pfeilhecht. Oft ist es aber eine eigene Art: *Sphyraena chrysotaenia* — englisch yellowstripe barracuda, italienisch barracuda dalle strisce gialle, barracuda orientale oder barracuda ottuso (italienische Wikipedia), maltesisch lizz ta' lvant, griechisch Κουτσομουρόλουτσος, arabisch باراكودا الخط الأصفر (GBIF, Wikidata). Einen eigenen deutschen Namen führen weder GBIF noch Wikidata; „Gelbstreifen-Barrakuda“ ist hier eine Übersetzung des englischen Namens. Die Art lebt ursprünglich im Indopazifik und im Roten Meer und ist über den Suezkanal ins Mittelmeer gekommen. Hier steht, woran du sie erkennst, wie weit sie schon gekommen ist, was sie frisst — und warum ihr erster Nachweis im Mittelmeer unter falschem Namen lief.
1931: ein Barrakuda, notiert als Hornhecht
Beschrieben hat sie Carl Benjamin Klunzinger im Jahr 1884. Der erste Nachweis im Mittelmeer stammt laut CIESM-Atlas exotischer Fische aus Palästina — veröffentlicht von Spicer 1931, allerdings unter dem Namen *Belone acus*, also als Hornhecht. Ein langgestreckter, silbriger Fisch mit spitzer Schnauze: Die Verwechslung ist nachvollziehbar.
Woran du sie erkennst
- Klein. Üblich sind 12–25 cm (CIESM-Atlas) beziehungsweise 20–25 cm (englische Wikipedia). Die schwersten bei FishBase verzeichneten Tiere wiegen knapp 150 g. Ein Barrakuda über einem halben Meter ist keine *S. chrysotaenia*.
- Die Bauchflosse sitzt unter der Brustflosse. Das ist das Merkmal, mit dem der CIESM-Atlas sie von den beiden großen Mittelmeer-Barrakudas trennt: Bei *Sphyraena sphyraena* und *S. viridensis* sitzt die Bauchflosse hinter der Spitze der Brustflosse.
- Gelber Schwanz. CIESM-Atlas und italienische Wikipedia: Schwanzflosse gelb. FishBase ergänzt: gelb mit Schwarz am oberen und hinteren Rand.
- Ein dunkles Längsband. Von der Schnauze durch das Auge bis zum Schwanzstiel, am Kopf oft gelblich (FishBase, englische Wikipedia) — daher der englische Name. Die italienische Wikipedia beschreibt es als teils undeutliche gelbe oder braune Linie; der Rücken kann golden schimmern.
- Gebiss wie bei allen Barrakudas. Lange, spitze Kiefer, der Unterkiefer leicht vorstehend, große Fangzähne unterschiedlicher Größe in den Kiefern und am Gaumen (CIESM-Atlas).
- Zwei weit getrennte Rückenflossen, die erste mit Stacheln, deren erster der längste ist; die zweite beginnt vor der Afterflosse. Der Schwanz ist deutlich gegabelt.
Wie weit sie gekommen ist
Die Liste im CIESM-Atlas liest sich wie eine Reiseroute nach Westen: Palästina 1931, İskenderun (Türkei) 1957, Libanon 1964, Mersin (Türkei) 1966, Libyen 1970, Malta 1993, Ionisches Meer und südliche Adria 2001 (Erstnachweis für die Adria: Pallaoro und Dulčić). Dazu kommen Nachweise aus der Bucht von Kuşadası in der Ägäis und aus Diafani auf Karpathos. Die englische Wikipedia nennt außerdem den Golf von Gabès (Tunesien) ab 2002, wo die Art bis 2007 einen wichtigen Teil des Fangs ausmachte. Der Atlas bewertet den Ansiedlungserfolg mit einem Wort: „very common“.
Lebensraum, Beute, Laichzeit
- Küstennah und flach. Bodennah bis pelagisch, bis etwa 50 m Tiefe (CIESM-Atlas, FishBase, englische Wikipedia). Jungfische stehen oft in sehr flachem Wasser.
- In großen Schwärmen. Alle Quellen, die das Verhalten beschreiben, nennen sie gesellig.
- Jagt am Grund nach Schwarmfischen. Hauptbeute sind Heringsartige wie die Ohrensardine (*Sardinella aurita*) und die Sardelle (*Engraulis encrasicolus*), in geringerem Maß Krebstiere (CIESM-Atlas, englische Wikipedia).
- Kurzes Leben. Höchstens etwa 5 Jahre; geschlechtsreif meist mit 2 Jahren bei rund 19,5 cm Gesamtlänge (englische Wikipedia; FishBase: 19,3 cm).
- Eier und Larven treiben im Plankton (CIESM-Atlas).
Ein Barrakuda für die Fischerei der Levante
Laut CIESM-Atlas trägt die Art im östlichen Mittelmeer erheblich zur Schleppnetz- und Ringwadenfischerei bei. Die englische Wikipedia nennt sie den häufigsten Barrakuda in der handwerklichen Fischerei des Libanon — er übertreffe die anderen angelandeten Arten um 70 %. Für den Golf von Suez gibt es dort Hinweise auf Überfischung: Viele angelandete Tiere waren zu klein, um schon geschlechtsreif zu sein. Bei FishBase ist sie von der IUCN nicht bewertet; ihre Anfälligkeit für Befischung stuft FishBase als niedrig ein (24 von 100).
Wo sich die Quellen widersprechen
- Wie groß wird sie? Italienische und spanische Wikipedia: höchstens 30 cm. Englische Wikipedia: 32 cm Standardlänge, also ohne Schwanzflosse. FishBase: 32,2 cm Gesamtlänge. CIESM-Atlas: bis 35 cm.
- Wie viele Stacheln in der ersten Rückenflosse? CIESM-Atlas und englische Wikipedia: 5. FishBase: 6. Auch bei der Afterflosse zählen sie verschieden — CIESM schreibt „I + 9“, FishBase „2 Stacheln, 9 Weichstrahlen“.
- Häufig oder selten? Die italienische Wikipedia nennt sie die am wenigsten verbreitete Barrakuda-Art des Mittelmeers. Der CIESM-Atlas nennt sie „very common“, die englische Wikipedia den häufigsten Barrakuda im libanesischen Fang. Ein möglicher Schlüssel: Die italienische Wikipedia blickt auf das ganze Mittelmeer, die anderen Quellen vor allem auf den Osten.
- Wann laicht sie? CIESM-Atlas und englische Wikipedia: April bis September. Für das zentrale Mittelmeer nennt die englische Wikipedia August bis November.
- Zu welcher Ordnung gehört sie? Spanische und türkische Wikipedia: Barschartige. Englische Wikipedia: Carangiformes. Der CIESM-Atlas führt die Barrakudas unter Scombriformes. Die Familie — Pfeilhechte (Sphyraenidae) — ist überall dieselbe.
Drei Fallen beim Namen
- „Obtusata“ ist vielleicht dieselbe Art — vielleicht nicht. Der CIESM-Atlas führt *Sphyraena obtusata* als Synonym. Die italienische Wikipedia schreibt, die beiden seien bis zur Ununterscheidbarkeit ähnlich und es sei nicht sicher, ob es zwei getrennte Arten sind. Deshalb tauchen bei GBIF für *S. chrysotaenia* auch die Namen becune obtuse (Französisch) und picuda obtusa (Spanisch) auf, und ein Bestimmungsportal nennt sie obtuse barracuda.
- Der dritte kleine Barrakuda. Auch *Sphyraena flavicauda* ist über den Suezkanal gekommen. Der CIESM-Atlas trennt die beiden über die Länge der Brustflosse — beschreibt aber bei beiden, dass sie bis zur Senkrechten unter der ersten Rückenflosse reicht. Mit bloßem Auge am Wasser ist das kaum zu entscheiden.
- Hornhecht, Meeräsche, Ährenfisch. Der Atlas listet ausdrücklich, womit man sie verwechseln kann: mit Meeräschen (vier Rückenstacheln, kurze Schnauze), Ährenfischen (kurze Schnauze, kleines Maul) und Weißlingen (kleines Maul, Rückenflossen dicht beieinander). Der Hornhecht von 1931 zeigt, dass die Liste nicht theoretisch ist.
Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Bei einem Raubfisch, der in Schwärmen küstennah am Grund Sardinen und Sardellen jagt, entscheidet der richtige Tag mehr als jede Montage. Lebensraum, Beute und Merkmale stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, sind die Bedingungen an deinem Wasser — das rechnet StrikeAhead aus und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man die Kanten und Regeln eines fremden Reviers nicht vom ersten Tag an kennt, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du rausgehst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr. Die App sagt wann, Pathfinder mit wem.