Rote Fleckbrasse angeln: der Fisch, den man für zwei Arten hielt
Lange Zeit trug dieser Fisch zwei wissenschaftliche Namen — einen für die Jungen und einen für die Alten. Die italienische Wikipedia schreibt: Früher verwendete man *Pagellus bogaraveo* nur für die Jungfische, während die Erwachsenen, die man für eine andere Art hielt, *Pagellus centrodontus* hießen. Heute ist klar, dass beide derselbe Fisch sind; das Meeresarten-Register WoRMS führt *Pagellus centrodontus* als nicht mehr gültigen Namen von *Pagellus bogaraveo*. Dieser Artikel handelt von der Roten Fleckbrasse — auf Deutsch auch Graubarsch —, englisch blackspot seabream, spanisch besugo, portugiesisch goraz.
Warum man zwei Arten sah
Die Quellen erklären selbst, warum die Verwechslung naheliegt. Laut italienischer Wikipedia sind die Jungen silbrig mit hellbraunem oder grünlichem Rücken, und ihr schwarzer Fleck kann kaum sichtbar sein oder ganz fehlen. Die Jungen leben außerdem woanders: küstennah über Sand, oft in Seegraswiesen — die Erwachsenen dagegen in 150 bis 700 Metern Tiefe über Schlamm, auch über Fels an vorgelagerten Untiefen. Ein silbriger Fisch ohne Fleck im flachen Wasser und ein roter Fisch mit Fleck am Kontinentalhang: Dass man darin zwei Arten sah, ist verständlich. ⚠️ Wann genau die beiden Namen zusammengelegt wurden, sagt keine der gelesenen Quellen.
Ein Name aus Marseille
Beschrieben hat ihn der dänische Zoologe Morten Thrane Brünnich im Jahr 1768, als *Sparus bogaraveo*, mit Marseille als Fundort — so die englische Wikipedia. Das ETYFish Project (Seite zu den Meerbrassen, Stand v. 8.0 – 8. Juni 2026) erklärt den Artnamen: von „bogue-raveo“, dem örtlichen Namen dieser Art in Marseille. Die Gattung *Pagellus* stammt von Valenciennes (1830) und ist laut ETYFish eine Verkleinerung von „pagel“ — so nannten Seeleute an der Mittelmeerküste der Provence und des Languedoc die verwandte Art *Pagellus erythrinus*. Der wissenschaftliche Name ist also zweimal Fischersprache aus Südfrankreich. ⚠️ Was „bogue-raveo“ bedeutet, erklärt die Quelle nicht.
Der Fleck und die Augen
Das Erkennungszeichen steht schon im deutschen Namen: FishBase nennt als Unterscheidungsmerkmal einen schwarzen Fleck über dem Ansatz der Brustflosse. Die italienische Wikipedia beschreibt ihn als rundlich oder dreieckig, hinter dem Kiemendeckel auf Augenhöhe, und die Seitenlinie läuft mitten hindurch. Rücken und obere Flanken sind rötlich, der Bauch silbrig mit rosa Schimmer, die Flossen rosa. Der Körper ist hochrückig und seitlich abgeflacht.
Das zweite Merkmal sind die Augen. Laut englischer Wikipedia ist ihr Durchmesser größer als die Länge der Schnauze. Das haben auch die Fischer bemerkt, wie die Namensliste der GBIF zeigt (Schlüssel 2392557, 174 Einträge, gelesen am 30.09.2026): italienisch „Occhione“, das *große Auge*, türkisch „mandagöz mercanı“, die Brasse mit dem *Büffelauge*, slowenisch „Okati ribon“, serbisch „Rumenac okan“. Die französische Wikipedia überliefert den Spitznamen „beaux yeux“ — *schöne Augen* — und nennt als Grund ausdrücklich deren Größe.
- Größe: FishBase nennt 70 cm Standardlänge als Höchstmaß, üblich sind 30 cm; das schwerste veröffentlichte Gewicht sind 4 kg, das höchste Alter 15 Jahre.
- Flossen: laut FishBase 12 bis 13 Stacheln und 11 bis 13 Weichstrahlen in der Rückenflosse, 3 Stacheln in der Afterflosse.
- Zähne: vorne klein und spitz, seitlich größere, flachere Zähne (englische Wikipedia) — die italienische Wikipedia nennt sie backenzahnförmig, in zwei bis drei Reihen.
Wo sie steht und was sie frisst
- Verbreitung: laut FishBase der Ostatlantik von Norwegen bis zum Cap Blanc in Mauretanien, mit dem Mittelmeer — dort „rare beyond Sicily“, selten östlich von Sizilien. Dazu Kanaren, Azoren und Nachweise vor Island. Der Rahmen reicht von 65° bis 20° Nord.
- Tiefe: FishBase gibt 150 bis 700 Meter an, meist 150 bis 300 Meter, benthopelagisch — also am Grund und darüber. Die englische Wikipedia differenziert: im Mittelmeer bis 400 Meter, im Atlantik bis 700 Meter.
- Boden: Fels, Sand und Schlamm; die Erwachsenen laut englischer Wikipedia vor allem am Kontinentalhang über Schlamm.
- Nahrung: FishBase: „omnivorous, but feed mainly on crustaceans, mollusks, worms and small fish“ — ein Allesfresser, der aber vor allem Krebstiere, Weichtiere, Würmer und kleine Fische frisst.
- Wanderung: Laut FishBase ziehen die geschlechtsreifen Tiere zum Laichen an die Ränder des Schelfs, von Januar bis Juni.
Erst Männchen, dann Weibchen
Die Rote Fleckbrasse ist ein vorwärts geschlechtswechselnder Zwitter — Fachwort protandrisch. FishBase: Sie werden bei 20 bis 30 cm Länge zu Weibchen. Die englische Wikipedia erklärt es genauer: Früh im Leben sind alle Tiere Männchen; zwischen zwei und sieben Jahren können sie zu Weibchen werden. Ein Weibchen von 31 bis 41 cm Standardlänge kann laut Wikipedia 70.000 bis 500.000 Eier legen. Das hat eine Folge, die man mitdenken sollte: ⚠️ Wer gezielt die großen Fische entnimmt, entnimmt bei dieser Art vor allem Weibchen. Das ist ein Schluss aus der Biologie, keine Quellenangabe.
Wie man sie befischt — und warum man vorsichtig sein sollte
FishBase führt die Rote Fleckbrasse als Sportfisch (gamefish) und als Art der Berufsfischerei, Preiskategorie „Medium“. Die englische Wikipedia nennt als Fanggeräte der Berufsfischer Schleppnetze, Stellnetze und Grundlangleinen, halbindustriell und handwerklich, und nennt sie ebenfalls einen Sportfisch. Die italienische Wikipedia fügt einen Satz für Angler hinzu: Sie beißt auch am Haken des „bolentino di profondità“ — dem Grundangeln mit Naturköder in großer Tiefe. In Spanien ist sie laut spanischer Wikipedia die geschätzteste Meerbrasse überhaupt und ein Hauptbestandteil des Weihnachtsessens, etwa als besugo a la madrileña oder a la donostiarra.
⚠️ Was folgt, ist ein Schluss aus ihrer Biologie, keine Quellenangabe: Ein Fisch, der meist in 150 bis 300 Metern über Schlamm und Sand steht und vor allem Krebstiere, Weichtiere, Würmer und kleine Fische frisst, will einen Köder am Grund — und eine Montage, die so tief überhaupt hinkommt. Die großen Augen passen zu einem Fisch aus dämmrigem Tiefenwasser. Die Jungfische dagegen stehen küstennah — genau die sind es, die man zurücksetzen sollte.
Denn der Bestand ist das eigentliche Thema dieses Fischs. Die IUCN führt ihn als „Near Threatened“ — potenziell gefährdet. FishBase schätzt seine Verwundbarkeit durch Fischerei auf „High“ (64 von 100). Laut italienischer Wikipedia sind in der Straße von Gibraltar die Fänge innerhalb von vier Jahren um 67 % gesunken; langes Leben und langsame Reifung machen die Art laut derselben Quelle besonders empfindlich gegen Überfischung, die Bestände im Mittelmeer scheinen aber in deutlich besserem Zustand zu sein. Mindestmaße, Fangmengen und Schonzeiten regelt jedes Land selbst — prüfe sie vor Ort. Und einen Fisch aus großer Tiefe bringt man nicht ohne Folgen nach oben: Wer zurücksetzen will, muss das von Anfang an einplanen.
Fünf Widersprüche, offen stehen gelassen
- Allesfresser oder Räuber? FishBase, die englische, deutsche, spanische und portugiesische Wikipedia nennen sie einen Allesfresser — die englische zählt sogar Pflanzenmaterial auf. Die italienische Wikipedia schreibt dagegen knapp: „Carnivoro“ — Fleischfresser.
- Wie schwer? FishBase und die englische Wikipedia: 4 kg. Die deutsche Wikipedia: 5 kg. Die spanische: mehr als 6 Kilo, und am häufigsten etwa 5 Kilo — obwohl sie im selben Absatz eine übliche Länge von 20 bis 40 cm nennt.
- Ab wann reif? FishBase: 31,4 cm. Die englische Wikipedia: mit 4 bis 5 Jahren bei 22 bis 25 cm. Die deutsche: 25 cm. Die spanische: mit zwei Jahren bei 15 bis 20 cm.
- Wann laicht sie? FishBase: Januar bis Juni. Die englische Wikipedia: das ganze Jahr, mit Spitzen je nach Region — vor den Britischen Inseln August bis Oktober, im Golf von Biskaya Januar bis April, im Mittelmeer Januar bis Mai. Die spanische schreibt: im Winter, im westlichen Mittelmeer aber Juni bis September.
- Wer wechselt das Geschlecht? FishBase und die deutsche Wikipedia beschreiben den Wechsel als Regel. Die spanische nennt etwa 10 % der Tiere protandrische Zwitter, die italienische sagt, etwa 10 % bleiben auch erwachsen Zwitter, die französische, ein Teil wechsle nie. Und nebenbei: Die englische und italienische Wikipedia nennen sie gesellig, die portugiesische meist einzelgängerisch.
Sechs Namen, die zum falschen Fisch führen
- „Graubarsch“. Der deutsche Handelsname ist doppelt irreführend: Die Rote Fleckbrasse ist kein Barsch, sondern eine Meerbrasse (Sparidae) — und sie ist nicht grau, sondern rötlich. Auch „Seekarpfen“ steht in der GBIF-Liste; ein Karpfen ist sie erst recht nicht.
- „Besugo“. In Spanien ist das der Name dieser Art — die spanische Wikipedia führt „Besugo“ aber auch als Sammelnamen für viele Fische, und die GBIF nennt „Besugo“ ebenso bei der Sackbrasse (*Pagrus pagrus*). Auf Portugiesisch steht „Besugo“ neben „Goraz“ in der Liste.
- „Pandora“. Steht in der englischen GBIF-Liste — ist im Englischen aber der gängige Name der verwandten *Pagellus erythrinus*, der Art, nach der die ganze Gattung benannt ist.
- „Red Sea Bream“. Klingt nach Rotem Meer — dort kommt sie laut FishBase aber gar nicht vor. Gemeint ist die *rote* Brasse.
- „Dorade“ und „Zeebrasem“. Französisch „Dorade rose“ und schlicht „dorade“, niederländisch „Zeebrasem“, deutsch „Meerbrasse“ — das sind Namen für ganze Gruppen von Meerbrassen. Wer „Dorade“ bestellt, bekommt meist einen anderen Fisch.
- Verunreinigte Listen. Die GBIF-Liste enthält „Esparideos“ — das ist der Name der ganzen Familie —, schwedisch „flåckpagell“ mit Tippfehler neben dem richtigen „fläckpagell“, und für Kroatisch „Arbun Grbić“, obwohl „arbun“ meist für die verwandte *Pagellus erythrinus* steht. Eine Namensliste ist eine Sammlung, kein Wörterbuch.
Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Tiefe, Boden und Nahrung stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, ist alles andere — Luftdruck und seine Richtung, Wind, Strömung, Drift, der Abstand zur Dämmerung. Wer in 200 Metern fischt, fährt weit hinaus, und jede Ausfahrt kostet: Das Zeitfenster ist die halbe Arbeit. Genau das rechnet StrikeAhead aus — es nimmt die Bedingungen an deinem Wasser und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man Plätze in dieser Tiefe nicht einfach findet, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du hinausfährst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr.