Spitzkopf-Zackenbarsch: der schlanke Zackenbarsch mit dem Goldfleck, der nach Norden wandert
Unter den Zackenbarschen des Mittelmeers ist er der Schlanke, der Spitzmäulige, der mit dem goldenen Fleck: *Epinephelus costae* — deutsch Spitzkopf-Zackenbarsch (GBIF/WoRMS), bei FishBase auch Gestreifter Zackenbarsch oder Alexanderbarsch, englisch goldblotch grouper, italienisch cernia dorata, französisch mérou badèche, spanisch falso abadejo, portugiesisch garoupa-do-Mediterrâneo, niederländisch gestreepte zaagbaars, finnisch kultakylkimeriahven, russisch александрийский мероу, türkisch altın benekli lahoz, griechisch στήρα und kroatisch kirnja zlatica (GBIF, FishBase, Wikipedia). Für Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Slowenisch, Albanisch und Japanisch fanden wir in GBIF, FishBase und Wikidata keinen bestätigten Artnamen; für Arabisch nur regionale Namen, etwa das libysche ثود (FishBase). Hier steht, woran du ihn erkennst, wo er lebt, was er frisst, warum aus jedem großen Männchen einmal ein Weibchen geworden ist — und warum die Quellen bei Größe und Tiefe so weit auseinanderliegen.
Ein Zackenbarsch mit zwei Gesichtern
Beschrieben hat ihn der österreichische Zoologe Franz Steindachner im Jahr 1878 (FishBase, katalanische Wikipedia). In der Literatur taucht er auch als *Epinephelus alexandrinus* und *Mycteroperca costae* auf (italienische Wikipedia) — von *alexandrinus* kommen der deutsche Name Alexanderbarsch und der russische александрийский мероу. Laut englischer Wikipedia sehen die gestreiften Jungfische den erwachsenen Tieren so unähnlich, dass man sie bis 1882 für eine eigene Art hielt. Für den Menschen ist er laut FishBase harmlos.
Woran du ihn erkennst
- Die Form: schlanker und gestreckter als die anderen Zackenbarsche des Mittelmeers, der Unterkiefer deutlich vorstehend (italienische, griechische und katalanische Wikipedia). Die katalanische Wikipedia nennt ihn den schmalsten aller Zackenbarsche.
- Die Streifen: Jungfische tragen 4–6 schmale dunkle Längsbänder auf den Flanken und zwei schräge Linien am Kiemendeckel (italienische Wikipedia). Bei Erwachsenen verblassen die Streifen, bleiben aber laut griechischer Wikipedia erkennbar.
- Der Goldfleck: Erwachsene haben einen goldgelben Fleck hinter und über dem Kiemendeckel, unter dem stacheligen Teil der Rückenflosse (FishBase, italienische und griechische Wikipedia). Bei großen Männchen ist er laut italienischer Wikipedia groß und deutlich, oft mit einem dunklen Band darunter und violett schimmernden Kopfseiten. Den Jungfischen fehlt er.
- Die Farbe kann wechseln: Laut englischer Wikipedia kann ein Erwachsener den Fleck verschwinden lassen und stattdessen wieder Längsstreifen zeigen. Die italienische Wikipedia verbindet das Prachtkleid mit Revier- und Fortpflanzungsverhalten.
- Die Augen: laut italienischer Wikipedia in jedem Alter mit grüner Iris.
- Die Flossen: eine durchgehende Rückenflosse mit 11 Stachelstrahlen; die Schwanzflosse ist bei Jungfischen abgerundet und bei Erwachsenen leicht eingebuchtet (FishBase, italienische und katalanische Wikipedia).
Wo er lebt — und warum er nach Norden zieht
Sein Gebiet ist der Ostatlantik und das Mittelmeer; FishBase gibt den Rahmen mit 47° Nord bis 13° Süd an. Laut italienischer Wikipedia ist er eine südlichere Art als der Braune Zackenbarsch: im Atlantik nicht nördlich von Portugal, im Süden bis Angola. Im Mittelmeer war er lange vor allem im Süden häufig — doch seit Mitte der 2000er-Jahre breitet er sich laut italienischer Wikipedia deutlich auch im Norden aus, bis in die Adria; die Wikipedia nennt das die Meridionalisierung des Mittelmeers. Die kroatische Wikipedia beschreibt ihn in der nördlichen Adria noch als sehr selten, im Süden als etwas häufiger.
Er lebt am Grund, über Sand, Schlamm oder Fels (FishBase), vor allem auf gemischtem Sand-Fels-Grund und sogar in Lagunen (italienische Wikipedia), an der Küste auch in Posidonia-Wiesen und an Felsen, die von Sand umgeben sind (katalanische Wikipedia). Große Tiere leben laut griechischer Wikipedia einzeln in einer eigenen Höhle oder Spalte, laut kroatischer Wikipedia meist in der Nähe eines Felsblocks, der ihnen Deckung gibt. Jungfische bilden kleine Gruppen im Flachwasser (FishBase) und sind küstennäher als die Erwachsenen (italienische Wikipedia); die katalanische Wikipedia nennt ihn den geselligsten aller Zackenbarsche. Und anders als man von einem Zackenbarsch erwartet, sieht man ihn laut italienischer Wikipedia oft frei über dem Grund schwimmen.
Was er frisst
Laut englischer Wikipedia besteht seine Nahrung ganz überwiegend aus Fisch, dazu Krebstiere und Kopffüßer; FishBase nennt Krebstiere, Weichtiere und Fische. Die griechische Wikipedia wird konkret: Sepien, Kalmare, Pfeilkalmare und kleine Fische wie Gelbstriemen (Boops boops); kleinere Tiere fressen Ährenfische, Grundeln und Schleimfische, dazu Garnelen und selten Würmer. Die katalanische Wikipedia nennt ihn sehr gefräßig.
Erst Weibchen, dann Männchen
Wie viele Zackenbarsche ist er ein protogyner Zwitter (katalanische Wikipedia): Laut kroatischer Wikipedia kommen alle als Weibchen zur Welt, werden mit etwa 30 cm geschlechtsreif und wandeln sich mit rund 60 cm zu Männchen. Die italienische Wikipedia nennt dieselben Zahlen — Weibchen reif bei 30 cm, Männchen bei 60 cm —, FishBase eine mittlere Reifelänge von 32,5 cm (30–35 cm). Gelaicht wird laut italienischer Wikipedia im Juli und August.
Für dich am Wasser heißt das: Die großen Tiere sind die Männchen — und es gibt von ihnen naturgemäß weniger. Wer einen großen Spitzkopf-Zackenbarsch schonend zurücksetzt, lässt einem Bestand genau den Fisch, den er am langsamsten ersetzt. Das ist keine Vorschrift, sondern unsere Empfehlung.
Am Haken und auf dem Teller
Gefangen wird er laut italienischer Wikipedia mit Grundschleppnetzen und Langleinen, laut katalanischer Wikipedia auch mit Spiegelnetzen; er ist Ziel der Sportfischerei (italienische Wikipedia) und der Unterwasserjagd (katalanische und kroatische Wikipedia). Die griechische Wikipedia beschreibt den Fang vom Boot mit Langleine, Handleine und lebendem Köder, seltener mit Inchiku und Grundschleppangel, vom Ufer mit Heavy Casting und Shore Jigging. Einfach ist das nicht: Die erwachsenen Tiere gelten laut italienischer Wikipedia als sehr misstrauisch, die kroatische Wikipedia nennt ihn schwer zu fangen. Sein Fleisch ist laut italienischer Wikipedia ausgezeichnet, wenn auch etwas weniger geschätzt als das anderer Zackenbarsche; FishBase führt ihn in der höchsten Preiskategorie und nennt eine kleine kommerzielle Fischerei.
Status — und was du tun kannst
Auf der Roten Liste der IUCN gilt er als „ungenügende Datengrundlage“ (Data Deficient), bewertet am 17. November 2016 (FishBase). Laut italienischer Wikipedia sind weder die Größe der Bestände noch der Fischereidruck bekannt; im Mittelmeer sei die Befischung nicht intensiv, an der westafrikanischen Küste werde er aber wahrscheinlich, wie andere Zackenbarsche dort, übernutzt. FishBase schätzt seine Anfälligkeit für Befischung als hoch bis sehr hoch ein (66 von 100), seine Widerstandskraft als mittel — ein Bestand braucht laut FishBase 1,4 bis 4,4 Jahre, um sich zu verdoppeln.
Ob für ihn ein Mindestmaß, eine Schonzeit oder ein Fangverbot gilt, regeln die nationalen und regionalen Vorschriften — eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, und wir nennen bewusst keine. Die kroatische Wikipedia schreibt etwa, dass in Kroatien für ihn wie für alle Zackenbarsche im Sommer eine Schonzeit gelte. Prüfe vor Ort, was aktuell gilt — besonders in Meeresschutzgebieten.
Sechs Widersprüche in den Quellen
- Wie groß wird er? FishBase, englische, griechische, kroatische, russische und katalanische Wikipedia: bis 140 cm. Die italienische Wikipedia nennt nur mindestens 80 cm und rund 8 kg, „wahrscheinlich auch mehr“. Beim Gewicht: kroatische Wikipedia etwas über 15 kg, griechische Wikipedia 40 kg — wobei sie selbst schreibt, dass in Griechenland meist Tiere von 0,2–7 kg gefangen werden.
- Wie tief lebt er? FishBase: 1–300 m, meist 4–160 m. Englische Wikipedia: meist unter 80 m, bis 200 m. Italienische Wikipedia: 10–80 m, Meldungen bis 300 m von zweifelhafter Zuverlässigkeit. Katalanische: bis etwa 300 m, meist 20–80 m. Griechische: meist 3–70 m, aber bis 1.000 m. Kroatische: meist 20–80 m, bis 800 m. Einig sind sich alle beim üblichen Bereich — die Tiefenrekorde liegen um das Fünffache auseinander.
- Hat er Fangzähne? Die italienische Wikipedia beschreibt hundszahnartige Zähne, vorne größer und spitz. Die griechische Wikipedia sagt das Gegenteil: anders als der Braune Zackenbarsch habe er keine Fangzähne.
- Wie weit nach Norden? FishBase zieht die Grenze bei 47° Nord — das ist etwa die Höhe der Bretagne. Die italienische Wikipedia sagt, im Atlantik komme er nicht nördlich von Portugal vor.
- Bleibt der Goldfleck nach dem Tod? Englische Wikipedia: Der gelbe Fleck verschwindet nach dem Tod meist. Italienische Wikipedia: Das Prachtkleid bleibt zumindest teilweise auch nach dem Tod erhalten.
- Welche Familie? FishBase und englische Wikipedia stellen ihn zu den Epinephelidae, die italienische, griechische, kroatische, russische und katalanische Wikipedia zu den Sägebarschen (Serranidae). Das ist kein Fehler einer Seite, sondern eine offene Systematik-Frage — der wissenschaftliche Artname bleibt derselbe.
Vier Fallen beim Namen
- Drei deutsche Namen, kein Konsens. GBIF und WoRMS führen Spitzkopf-Zackenbarsch, FishBase Gestreifter Zackenbarsch und Alexanderbarsch. Wer sicher sein will, nimmt *Epinephelus costae*.
- „Abadejo“ allein ist ein anderer Fisch. Im Spanischen heißt er falso abadejo — „falscher Abadejo“. Ohne das „falso“ meint abadejo in Spanien den Pollack (*Pollachius pollachius*), einen dorschartigen Fisch.
- Madeira ist ein Irrtum. Meldungen von *Epinephelus alexandrinus* aus Madeira beruhen laut FishBase offenbar auf Verwechslungen mit dem Atlantik-Zackenbarsch *Mycteroperca fusca*.
- Datenbanken haben Tippfehler. Der arabische FAO-Name bei FishBase lautet لُؤز بُقعة طهب — das letzte Wort sieht aus wie ein Tippfehler für ذهب („Gold“), passend zum englischen goldblotch. Wir übernehmen ihn deshalb nicht; Namen aus Datenbanken immer gegen eine zweite Quelle prüfen.
Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Bei einem Fisch, der misstrauisch über Sand-Fels-Kanten steht und nur selten an den Haken geht, entscheidet der richtige Tag mehr als jede Montage. Lebensraum, Beute und Laichzeit stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, sind die Bedingungen an deinem Wasser — das rechnet StrikeAhead aus und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man die Kanten und Regeln eines fremden Reviers nicht vom ersten Tag an kennt, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du rausgehst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr. Die App sagt wann, Pathfinder mit wem.