Almaco Jack (Seriola rivoliana): die zweite Bernsteinmakrele im Mittelmeer — sechs Nachweise seit 2000, und vermutlich viel mehr Verwechslungen
Wer im Mittelmeer eine große Bernsteinmakrele landet, geht davon aus, dass es *Seriola dumerili* ist. Meistens stimmt das. Aber seit dem Jahr 2000 ist eine zweite, sehr ähnliche Art im Mittelmeer belegt: *Seriola rivoliana* — englisch almaco jack oder longfin yellowtail, italienisch ricciola oceanica oder ricciola falcata (italienische Wikipedia), französisch sériole limon, spanisch unter anderem medregal limón, katalanisch círvia rivoliana, japanisch ヒレナガカンパチ und russisch Южноамериканская лакедра (GBIF, Wikidata, Wikipedia). Einen eigenen deutschen Namen fanden wir nicht — weder GBIF noch Wikidata führen einen. Ebenso wenig für Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Türkisch, Griechisch, Kroatisch, Slowenisch, Albanisch und Arabisch. Hier steht, woran du sie erkennst, wo sie im Mittelmeer schon gefangen wurde, was sie frisst — und warum der CIESM-Atlas vermutet, dass sie häufiger ist, als die Zahlen sagen.
Ein Fisch mit zehn alten Namen
Beschrieben wurde sie 1833 in der *Histoire naturelle des poissons* von Achille Valenciennes und Georges Cuvier — Cuvier war zu diesem Zeitpunkt laut englischer Wikipedia bereits 1832 gestorben. Deshalb steht in manchen Quellen „Valenciennes, 1833“ (FishBase, GBIF), in anderen „Cuvier, 1833“ (CIESM-Atlas). Die englische Wikipedia listet zehn Synonyme, darunter *Seriola bonariensis*, *S. falcata*, *S. colburni* und *S. dubia* — die Art wurde also immer wieder neu „entdeckt“. Sie gehört zur Familie der Stachelmakrelen (Carangidae) und ist eng verwandt mit der Großen Bernsteinmakrele und dem Gelbschwanz (englische Wikipedia).
Woran du sie erkennst — und von der Bernsteinmakrele unterscheidest
- Das wichtigste Merkmal: der Flossenlappen. Der vordere, hochgezogene Lappen der zweiten Rückenflosse ist bei ihr auffallend lang: 19–22 % der Gabellänge (CIESM-Atlas; FishBase: 18–22 %). Bei der Großen Bernsteinmakrele (*S. dumerili*) und ihren Verwandten passt dieser Lappen laut CIESM-Atlas 6- bis 8,6-mal in die Gabellänge und ist meist etwas kürzer als die Brustflosse. Daher die Namen *longfin* und *falcata* („sichelförmig“).
- Die Form: weniger gestreckt und stärker abgeflacht als die meisten Stachelmakrelen (englische Wikipedia). Die italienische Wikipedia nennt sie im Vergleich zur Bernsteinmakrele deutlich hochrückiger, besonders im Rückenprofil.
- Der Kopf: ein dunkles Schrägband zieht vom Auge zum Beginn der ersten Rückenflosse und ist laut italienischer Wikipedia meist auch bei Erwachsenen sichtbar. Der Oberkiefer reicht bis etwa zur Mitte der Pupille (FishBase) bzw. zur Augenmitte (CIESM-Atlas).
- Die Farbe: Rücken braun, olivgrün oder bläulich-grün, manchmal mit violetten oder bronzenen Reflexen, Bauch heller, oft messing- oder lavendelfarben (italienische und englische Wikipedia). Auf den Flanken liegt häufig ein gelblicher oder bernsteinfarbener Längsstreifen (FishBase, CIESM-Atlas). Die Bauchflossen sind unten weiß (englische Wikipedia).
- Die Flossen: Rückenflosse mit 27–33 Weichstrahlen im zweiten Teil, Afterflosse mit 18–22 (alle Quellen). Die Schwanzflosse ist tief gegabelt, der Schwanzstiel hat oben und unten eine Grube (FishBase).
- Die Jungfische: bis etwa 18–20 cm tragen sie sechs bis sieben dunkle Querbinden am Körper und ein dunkles Nackenband (italienische Wikipedia, CIESM-Atlas, FishBase).
Wie groß sie wird
FishBase nennt eine Höchstlänge von 160 cm (Gabellänge) und ein Höchstgewicht von 59,9 kg, als übliche Länge 90 cm — dieselben Werte stehen in der englischen, italienischen, katalanischen und japanischen Wikipedia. Die Florida Fish and Wildlife Conservation Commission gibt laut englischer Wikipedia an, dass ein typischer Fang nur etwa zehn Pfund (rund 4,5 kg) wiegt — sie lebt in kleinen Gruppen über weite Strecken verteilt und ist kein häufiger Fang. Der CIESM-Atlas setzt die Werte deutlich niedriger an — siehe unten.
Wo sie lebt — weltweit
Sie kommt in allen tropischen und warm-gemäßigten Meeren vor (CIESM-Atlas, FishBase): im Indopazifik von Kenia und Südafrika bis zu den Marianen, den Ryūkyū-Inseln, Neukaledonien und den Kermadec-Inseln, im Ostpazifik von Kalifornien bis Peru einschließlich Galápagos (FishBase, englische Wikipedia). Im Roten Meer und in Französisch-Polynesien fehlt sie (FishBase, spanische und katalanische Wikipedia). Im Nordostatlantik ist ihre Verbreitung laut FishBase „nicht gut bekannt“; die englische Wikipedia nennt Azoren, Madeira und das portugiesische Festland, dazu Meldungen aus Südengland und der Biskaya, die italienische Wikipedia hält sie an der portugiesischen Küste für recht häufig.
Sie ist ein Fisch des offenen Meeres jenseits des Schelfs und kommt laut italienischer Wikipedia nur dort an die Küste, wo das Wasser sehr tief ist. Erwachsene stehen in kleinen Gruppen an äußeren Riffhängen, Seebergen und Bänken (FishBase, japanische Wikipedia); laut englischer Wikipedia besucht sie Wracks öfter als die meisten anderen Stachelmakrelen. Der CIESM-Atlas hält sie für „wahrscheinlich ozeanischer“ als ihre Gattungsverwandten. Jungfische sammeln sich draußen unter treibenden Gegenständen (FishBase, italienische Wikipedia, CIESM-Atlas). Die spanische Wikipedia nennt bevorzugte Wassertemperaturen von 18–24 °C.
Im Mittelmeer: sechs belegte Fische
Der erste Mittelmeer-Nachweis stammt aus dem Jahr 2000, ein einzelner Fisch vor der Insel Lampedusa (Castriota und Kollegen 2002, *Journal of Fish Biology*). Ein zweiter folgte aus demselben Gebiet (Castriota und Kollegen 2004, *Cybium*). 2011 wurden drei Exemplare vor Mallorca gemeldet — der erste Nachweis im westlichen Mittelmeer (Valls und Kollegen 2011, *Marine Biodiversity Records*) —, im selben Jahr der erste aus Nordtunesien (Mansour und Kollegen 2011). 2017 kam Libyen hinzu (Shakman und Kollegen 2017, *BioInvasions Records*). Der CIESM-Atlas der exotischen Fische im Mittelmeer zählt insgesamt sechs gefangene Exemplare an verschiedenen Orten und in verschiedenen Jahren und nennt als Weg „via Gibraltar“ — sie ist also aus dem Atlantik eingewandert, nicht durch den Suezkanal.
Und dann kommt der Satz, der für Angler interessant ist: Weil sie der Großen Bernsteinmakrele so ähnlich sieht, könnte sie mit ihr verwechselt worden sein und deshalb häufiger sein, als die Nachweise zeigen (CIESM-Atlas). Die italienische Wikipedia hält es für möglich, dass sie wegen der Tropikalisierung des Mittelmeers auch anderswo auftaucht. Wer also eine „Ricciola“ mit auffällig langem Rückenflossenlappen fängt, sollte genauer hinsehen.
Was sie frisst
Sie ist ein Raubfisch, der laut englischer und japanischer Wikipedia tags und nachts frisst: kleinere Fische, dazu kleine Kalmare, Kraken, Krabben und Garnelen. FishBase nennt hauptsächlich Fische, daneben Wirbellose, und stellt sie auf die trophische Stufe 4,5 — weit oben in der Nahrungskette. Die spanische Wikipedia beschreibt, wie sich die Nahrung mit der Größe ändert: Jungfische um 4 cm fressen vor allem Ruderfußkrebse der Gattung *Calanus*, Fische um 15 cm schon Sardinen, Makrelen und Kalmare. Eine Eigenheit beschreiben die englische und die japanische Wikipedia: Sie reibt sich an der rauen Haut von Haien, um Hautparasiten loszuwerden — und manchmal an Tauchern, die sie offenbar für Haie hält.
Laichen und Wachstum
Ihre Eier und Larven treiben frei im Wasser (FishBase, CIESM-Atlas); laut spanischer Wikipedia sind die Eier durchsichtig und etwa 1,2 mm groß, die Fortpflanzungsrate ist hoch. Laut englischer Wikipedia laicht sie das ganze Jahr über, bis zu wöchentlich; die italienische Wikipedia beschreibt Laichansammlungen. Ein wichtiger Punkt steht bei FishBase: Ihre Widerstandskraft gilt als niedrig — ein Bestand braucht 4,5 bis 14 Jahre, um sich zu verdoppeln, und die Anfälligkeit für Befischung wird als hoch bis sehr hoch eingestuft (74 von 100).
Angeln, Zucht und eine Warnung
Laut englischer Wikipedia macht ihre außergewöhnliche Ausdauer sie zu einem begehrten Ziel der Tiefsee-Sportfischerei; FishBase führt sie als Sportfisch und Speisefisch der Preiskategorie „sehr hoch“. Im Mittelmeer-Kontext nennt die italienische Wikipedia nur Leinen, pelagische Netze und die Schleppangel. Bekannter als die wilden Fische ist die Zucht: Vor Hawaii wird sie in tiefen, verankerten Netzgehegen als „Hawaiian Kampachi“ bzw. „Kona Kampachi“ gezüchtet, in Mexiko als „Baja Kampachi“ (englische Wikipedia); auch Ecuador plante laut spanischer Wikipedia ihre Zucht. Ihr Fleisch ist fest und dicht wie Thunfisch und hat etwa 30 % Fett (englische und japanische Wikipedia). Wichtig: Wildfänge können Ciguatera übertragen (FishBase, englische und japanische Wikipedia), vor allem aus Korallenriff-Gebieten; gezüchtete Fische mit kontrolliertem Futter laut englischer Wikipedia nicht. Eine Ciguatera-Meldung aus dem Mittelmeer fanden wir in unseren Quellen nicht.
Status — und was du tun kannst
Auf der Roten Liste der IUCN gilt sie als „nicht gefährdet“ (Least Concern). Die englische Wikipedia schreibt, die wilden Bestände seien reichlich und nie in großem Stil kommerziell befischt worden. Trotzdem: Mit niedriger Widerstandskraft und hoher Befischungs-Anfälligkeit (FishBase) gehört sie zu den Arten, bei denen Zurücksetzen eines großen Fisches einen Unterschied macht. Ob für sie ein Mindestmaß, eine Schonzeit oder eine Fangbegrenzung gilt, regeln die nationalen und regionalen Vorschriften — wir nennen bewusst keine Zahl. Prüfe vor Ort, was aktuell gilt, besonders in Meeresschutzgebieten. Und weil es im ganzen Mittelmeer erst eine Handvoll Belege gibt: Ein Foto der Rückenflosse mit Ort und Datum ist für die Forschung wertvoll.
Sieben Widersprüche in den Quellen
- Wo im Mittelmeer? FishBase sowie italienische, spanische und katalanische Wikipedia nennen nur Lampedusa. Der CIESM-Atlas nennt zusätzlich Nordtunesien, die Balearen und Libyen. Die englische Wikipedia schreibt von verstreuten Meldungen von den Balearen bis zum Golf von Gabès — einen Nachweis aus dem Golf von Gabès fanden wir in der Fachliteratur, die der CIESM-Atlas zitiert, nicht.
- Lebt sie im Westatlantik? FishBase, englische und katalanische Wikipedia: ja, von Cape Cod bis Nordargentinien. Die spanische Wikipedia: Sie fehle im Westatlantik.
- Wie groß wird sie? FishBase und vier Wikipedias: üblich 90 cm, höchstens 160 cm. CIESM-Atlas: üblich 50–80 cm, höchstens 120 cm.
- Welches Geschlecht wird groß? Spanische Wikipedia: Männchen nur etwa 50 cm, Weibchen bis 1,5 m. FishBase und katalanische Wikipedia geben die 160 cm ausdrücklich für Männchen bzw. „Männchen/ohne Geschlechtsangabe“ an.
- Wie tief? Englische und japanische Wikipedia: 5–160 m, meist 5–35 m. FishBase und italienische Wikipedia: 5–245 m, meist 30–35 m (FishBase). Spanische Wikipedia: typisch um 50 m, nachgewiesen auch tiefer als 300 m.
- Was frisst sie hauptsächlich? FishBase und italienische Wikipedia: Fische, Kopffüßer erst an zweiter Stelle. Spanische Wikipedia: Erwachsene fressen Weichtiere, Krebstiere, Stachelhäuter und kleine Fische — die Fische an letzter Stelle.
- Wann bewertet? FishBase: IUCN-Bewertung vom 21. August 2012. Englische Wikipedia: bewertet 2015.
Kein Widerspruch, auch wenn es so aussieht: Die italienische Wikipedia zählt 7 Stacheln in der ersten Rückenflosse und 1 in der Afterflosse, FishBase und die japanische Wikipedia 8 und 3. Der CIESM-Atlas löst das auf: VII + I und II + I — je nachdem, ob man den Stachel vor der zweiten Rückenflosse und die zwei abgesetzten Afterflossenstacheln mitzählt.
Fünf Fallen beim Namen
- „Kampachi“ ist nicht gleich Kampachi. In Japan heißt カンパチ (*kanpachi*) die Große Bernsteinmakrele *S. dumerili* (Wikidata, GBIF); *S. rivoliana* ist ヒレナガカンパチ, die „Langflossen-Kanpachi“. Auf hawaiianischen und mexikanischen Speisekarten ist „Kampachi“ dagegen gezüchtete *S. rivoliana* (englische Wikipedia).
- „Greater amberjack“ ist der andere Fisch. GBIF listet für *S. rivoliana* auch die englischen Namen greater amberjack, European amberjack und sogar bonito — „greater amberjack“ ist aber der Standardname von *S. dumerili*, „bonito“ meint sonst den Pelamiden.
- „Barnsteenmakreel“ und „írio“ teilen sich zwei Arten. GBIF führt den niederländischen Namen barnsteenmakreel und den portugiesischen írio sowohl für *S. rivoliana* als auch für *S. dumerili*.
- „Medregal“, „coronado“, „huayaipe“ sind Sammelnamen. GBIF listet medregal und coronado für beide Arten; nur medregal limón fanden wir ausschließlich bei *S. rivoliana*. In Ecuador heißen laut spanischer Wikipedia mehrere Seriola-Arten „huayaipe“. Und GBIF führt sogar boquerón — in Spanien der Name der Sardelle.
- „Südamerikanisch“ ist irreführend. Der russische Name bei GBIF, Южноамериканская лакедра („südamerikanische Lakedra“), passt schlecht zu einem Fisch, der in allen warmen Meeren lebt.
Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Bei einem Raubfisch, der in kleinen Gruppen an tiefen Hängen, Bänken und Wracks steht und tags wie nachts frisst, entscheidet der richtige Tag mehr als jede Montage. Lebensraum, Beute und Merkmale stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, sind die Bedingungen an deinem Wasser — das rechnet StrikeAhead aus und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man die Kanten und Regeln eines fremden Reviers nicht vom ersten Tag an kennt, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du rausgehst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr. Die App sagt wann, Pathfinder mit wem.