Blue Runner (Caranx crysos): die Stachelmakrele, die in 30 Jahren das Mittelmeer nach Norden erobert hat — bis ins Ligurische Meer

Unter den Stachelmakrelen des Mittelmeers ist er der kleine, schnelle Schwarmräuber mit dem blaugrünen Rücken: *Caranx crysos* — englisch blue runner, seltener bluestripe jack oder hardtail jack (englische Wikipedia), italienisch carango mediterraneo oder carango dorato (italienische Wikipedia), französisch carangue coubali, katalanisch sorella del sud, portugiesisch xaréu-azul, spanisch unter anderem jurel azul, niederländisch zwarttip makreel, dänisch blå løber, finnisch sinipiikkimakrilli oder turkoosipiikkimakrilli, russisch золотистый каранкс, türkisch trakun balığı, griechisch κοκάλι, japanisch クロカイワリ und arabisch شيم أزرق (GBIF, Wikidata, Wikipedia). Einen eigenen deutschen Namen hat er nicht: GBIF führt nur den Familiennamen Stachelmakrele, die deutsche Wikipedia nur den wissenschaftlichen. Für Kroatisch, Slowenisch und Albanisch fanden wir keinen bestätigten Artnamen. Hier steht, woran du ihn erkennst, wo er lebt, was er frisst, wie er sich im Mittelmeer nach Norden ausgebreitet hat — und warum die Quellen nicht einmal einig sind, von welcher Seite er gekommen ist.

Eine „gelbe Makrele“ aus New York

Beschrieben hat ihn der amerikanische Naturforscher Samuel L. Mitchill im Jahr 1815, nach einem Fisch aus der Bucht von New York — damals als *Scomber crysos* (englische Wikipedia, FishBase). Mitchill schlug den Namen „yellow mackerel“ vor; das Artwort *crysos* bezieht sich laut englischer Wikipedia auf das griechische Wort für Gold. Später wurde die Art noch dreimal neu beschrieben, unter anderem als *Caranx fusus* — ein Name, den einige Autoren laut englischer Wikipedia bis heute fälschlich verwenden. Ob der ostpazifische *Caranx caballus* (green jack) in Wahrheit dieselbe Art ist, gilt als ungeklärt: Laut englischer und deutscher Wikipedia unterscheiden sich beide nur in der Zahl der Kiemenreusendornen.

Woran du ihn erkennst

  • Die Form: länglich, mäßig hochrückig und seitlich abgeflacht, Rücken- und Bauchlinie etwa gleich stark gewölbt, die Schnauze leicht gerundet (englische Wikipedia, FishBase). Die Brustflossen sind sichelförmig und länger als der Kopf (FishBase).
  • Die Farbe: Rücken hell olivgrün bis bläulich-grün, Flanken silbergrau bis golden oder messingfarben (FishBase, englische Wikipedia). Die italienische Wikipedia beschreibt silbrige Flanken mit Perlmuttschimmer, manchmal mit goldenen Reflexen.
  • Der Fleck: oben am Kiemendeckel sitzt ein dunkler Fleck, der laut englischer Wikipedia undeutlich sein kann; die italienische Wikipedia nennt ihn schwarz und höher als lang. Die Spitzen der Schwanzflosse sind dunkel (italienische Wikipedia) — daher wohl der niederländische Name *zwarttip makreel*.
  • Die Seitenlinie: vorne ein kurzer, deutlicher Bogen, hinten eine gerade Strecke mit sehr kräftigen Knochenschilden (Scuten), die am Schwanzstiel Kiele bilden (englische Wikipedia, FishBase). Daher die englischen Namen *hardtail* und *hardnose*.
  • Die Flossen: zwei Rückenflossen, die erste mit 8 Stacheln, die zweite mit 1 Stachel und 22–25 Weichstrahlen; die Afterflosse mit 2 abgesetzten Stacheln, dann 1 Stachel und 19–21 Weichstrahlen (englische Wikipedia, FishBase).
  • Die Jungfische: tragen meist sieben dunkle Querbinden an den Flanken (FishBase, englische und italienische Wikipedia).

Wie groß er wird

Die bestätigte Höchstlänge liegt bei 70 cm, das Höchstgewicht bei 5,05 kg (englische Wikipedia) beziehungsweise gerundet 5,1 kg (FishBase). Dieser Rekord ist zugleich der IGFA-Weltrekord: gefangen 1997 vor Dauphin Island im Golf von Mexiko (englische Wikipedia). Die meisten Fische sind deutlich kleiner — wie viel kleiner, dazu unten mehr. Für das Mittelmeer schreibt die italienische Wikipedia, die Tiere dort seien kleiner und wögen nicht mehr als 1,5 kg. Das älteste bekannte Exemplar war laut englischer Wikipedia 11 Jahre alt, bestimmt an den Ringen der Gehörsteine.

Wo er lebt

Sein Gebiet umfasst den ganzen Atlantik: im Westen von Nova Scotia in Kanada bis Brasilien, mit Golf von Mexiko und Karibik; im Osten von Angola entlang der westafrikanischen Küste bis Marokko und ins Mittelmeer (englische Wikipedia, FishBase). Nördlich von Portugal ist er selten; einzelne Fänge stammen aus Madeira und Galicien, die nördlichsten aus Südengland — laut englischer Wikipedia zwei Fische 1992 und 1993, laut italienischer Wikipedia inzwischen rund 13 Meldungen aus Dorset und Cornwall. Auf den Kanaren, wo man ihn früher kaum sah, soll er inzwischen stabile Bestände haben; einige Autoren führen das auf steigende Meerestemperaturen zurück (englische Wikipedia).

Er lebt meist küstennah, oft über Riffen und — laut italienischer Wikipedia — vor allem an Sandküsten, geht aber bis in 100 m Tiefe und tiefer (FishBase, englische Wikipedia). Jungfische stehen gern im Schatten von treibendem Sargassum-Tang oder großen Quallen und ziehen in Lagunen und Flussmündungen, auch ins Brackwasser (FishBase, italienische Wikipedia). Auffällig ist seine Vorliebe für Strukturen im Wasser: Er sammelt sich an Fischsammlern (FADs), an Öl- und Gasplattformen, an künstlichen Riffen und an Aquakultur-Käfigen (englische Wikipedia).

Der Weg nach Norden

Für Mittelmeer-Angler ist das der spannendste Teil. Laut italienischer Wikipedia lebte die Art im Mittelmeer früher nur im Süden und Osten. Zwischen den 1990er-Jahren und dem neuen Jahrtausend breitete sie sich im Zuge der Erwärmung — italienisch *meridionalizzazione* — zuerst in die Mitte des Beckens und dann in den Norden aus, bis ins Ligurische Meer. Eine Studie von 2023 in der Fachzeitschrift *Thalassas* beschreibt die nördlichsten Nachweise im nordwestlichen Mittelmeer (italienische Wikipedia, Literaturliste). Die englische Wikipedia schreibt inzwischen, er sei aus fast allen Mittelmeer-Anrainerstaaten gemeldet.

Was er frisst

Er ist ein schneller Räuber, der in Küstennähe vor allem kleine, bodennahe Fische jagt (englische Wikipedia). Dazu kommen Krebse, Garnelen, Ruderfußkrebse und andere Wirbellose; eine Studie auf den Kapverden fand außerdem Langusten und Quallen im Magen (englische Wikipedia). Jungfische fressen überwiegend Zooplankton, ebenso Tiere, die weit draußen oder an Plattformen leben. An Plattformen im Golf von Mexiko fraß er tags und nachts gleich intensiv — nachts bevorzugt größere Beute wie Fisch, tagsüber kleine Krebstiere (englische Wikipedia). Er jagt oft in kleinen Schwärmen, selten in Ansammlungen bis 10.000 Tiere, und folgt manchmal jagenden Spinnerdelfinen, um Reste abzugreifen (englische und deutsche Wikipedia). Selbst ist er Beute für größere Fische — die italienische Wikipedia nennt Goldmakrele, Großen Barrakuda und Atlantischen Fächerfisch —, für Seevögel und Delfine.

Laichen und Wachstum

Geschlechtsreif wird er je nach Gebiet mit 22,5 bis 28 cm (englische und deutsche Wikipedia); FishBase nennt 27,4 cm als mittlere Reifelänge. Alle Reife-Studien stammen laut englischer Wikipedia aus dem Westatlantik. Er laicht im offenen Meer; Eier und Larven treiben frei im Wasser. Ein Weibchen gibt im Mittel zwischen 41.000 und 1.546.000 Eier ab, große Fische mehr als kleine (englische und deutsche Wikipedia). Wann er laicht, beantworten die Quellen unterschiedlich — siehe unten. Laut FishBase ist seine Widerstandskraft mittel: Ein Bestand braucht 1,4 bis 4,4 Jahre, um sich zu verdoppeln.

Angeln, Küche und eine Warnung

Die englische Wikipedia nennt ihn einen ausgezeichneten Sportfisch an leichtem Gerät, der Fischköder ebenso nimmt wie Wobbler, Blinker, Metall-Jigs und Gummiköder; auch Fliegenfischer im Salzwasser stellen ihm nach. Im Mittelmeer wird er laut italienischer Wikipedia beim Schleppen und beim Spinnfischen gefangen. Sehr oft dient er selbst als lebender Köder für größere Räuber wie Marline und Fächerfische, Cobia und Amberjack (englische Wikipedia). Wie gut er schmeckt, ist umstritten — siehe unten. Wichtig: FishBase und die englische Wikipedia melden Fälle von Ciguatera-Vergiftung nach dem Verzehr; laut englischer Wikipedia tragen vor allem größere Exemplare das Gift, mehrere Fälle stammen von den Amerikanischen Jungferninseln. Für den Menschen gefährlich ist der Fisch also nicht beim Fang, sondern auf dem Teller — und eine Ciguatera-Meldung aus dem Mittelmeer fanden wir in unseren Quellen nicht.

Status — und was du tun kannst

Auf der Roten Liste der IUCN gilt er als „nicht gefährdet“ (Least Concern), bewertet am 4. Februar 2009 (FishBase). Laut italienischer Wikipedia ist er in weiten Teilen seines — wachsenden — Gebiets häufig oder sehr häufig, und Überfischung ist nicht erkennbar. FishBase stuft seine Anfälligkeit für Befischung als niedrig bis mäßig ein (34 von 100), seine Anfälligkeit für den Klimawandel dagegen als mäßig bis hoch (53 von 100). In Europa und Afrika wird er in den Fangstatistiken laut englischer Wikipedia nicht getrennt geführt, sondern mit anderen Stachelmakrelen zusammengefasst — wie viel dort gefangen wird, weiß also niemand genau.

Ob für ihn ein Mindestmaß, eine Schonzeit oder eine Fangbegrenzung gilt, regeln die nationalen und regionalen Vorschriften — eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, und wir nennen bewusst keine. Prüfe vor Ort, was aktuell gilt, besonders in Meeresschutzgebieten. Und weil sein nördlichstes Vorkommen im Mittelmeer gerade erst dokumentiert wird: Ein Foto mit Ort und Datum ist für die Forschung mehr wert, als man denkt.

Sieben Widersprüche in den Quellen

  • Von welcher Seite kam er? Die türkische Wikipedia schreibt, er sei ab Mitte der 1990er-Jahre aus dem Roten Meer ins Mittelmeer eingewandert. Die italienische Wikipedia sagt das Gegenteil: Er sei eine der wenigen Mittelmeer-Arten, die durch den Suezkanal in die umgekehrte Richtung gewandert seien, mindestens bis zum Timsah-See. Kein anderer unserer Quellen nennt ihn eine Art aus dem Roten Meer.
  • Wo lebt er im Mittelmeer? FishBase sowie spanische, katalanische und deutsche Wikipedia: nur im westlichen Mittelmeer. Englische Wikipedia: im ganzen Mittelmeer. Italienische Wikipedia: früher nur im Süden und Osten, seit den 1990ern auch in der Mitte und im Norden.
  • Wie groß ist er üblicherweise? Englische und griechische Wikipedia: meist unter 35 cm. FishBase sowie italienische und finnische Wikipedia: üblich 40 cm. FishBase zitiert außerdem eine Quelle mit nur 55 cm Höchstlänge statt 70 cm.
  • Taugt er für die Küche? FishBase: „excellent food fish“. Italienische Wikipedia: „ottimo pesce da tavola“. Englische Wikipedia: ein eher minderwertiger Speisefisch, „mediocre“.
  • Ist die Brust beschuppt? Englische Wikipedia und FishBase: vollständig beschuppt — FishBase vermerkt ausdrücklich, andere Quellen hätten sie fälschlich als nackt beschrieben. Genau das tut die deutsche Wikipedia: „Die Brust ist schuppenlos.“
  • Wann laicht er? Englische Wikipedia: ganzjährig, mit Höhepunkten im Sommer. FishBase und finnische Wikipedia: Januar bis August. Italienische Wikipedia: im östlichen Mittelmeer im Sommer in Küstengewässern — alle anderen sagen, er laiche draußen im offenen Meer.
  • Wie viele Knochenschilde? Englische Wikipedia: 46–56. FishBase: 45–56. Italienische Wikipedia: 39–45. Und die finnische Wikipedia verlegt die Art gleich in den Ost- und Westpazifik — dort lebt aber laut allen anderen Quellen nicht er, sondern sein möglicher Zwilling *Caranx caballus*.

Fünf Fallen beim Namen

  • „Pompano“ ist der falsche Fisch. Die schwedische Wikipedia führt *Caranx crysos* unter dem Titel Pompano — im Englischen heißen so die Arten der Gattung *Trachinotus*, im Mittelmeer etwa der Bläuel (*Trachinotus ovatus*). GBIF nennt für Schwedisch und Norwegisch nur taggmakrill / taggmakrell, den Familiennamen.
  • „Τραχούρι“ ist doppelt belegt. Die griechische Wikipedia nennt *Caranx crysos* τραχούρι — so heißt in Griechenland üblicherweise der Stöcker (*Trachurus*). Auch englisch horse mackerel und französisch chinchard, beide bei GBIF für ihn gelistet, meinen sonst den Stöcker.
  • „Leccia“ und „akya“ sind ein anderer Fisch. GBIF führt italienisch leccia auch für *Caranx crysos*; gemeint ist damit sonst die Gabelmakrele oder Lichie *Lichia amia* (Leerfish). Die türkische Wikipedia warnt ausdrücklich, dass er mit dem akya — ebenfalls *Lichia amia* — verwechselt wird.
  • „Jurel“, „palometa“, „crevalle“ sind Sammelnamen. Die spanischen und englischen Namen bei GBIF meinen je nach Land viele verschiedene Stachelmakrelen. Für Spanien fanden wir keinen eindeutigen Mittelmeer-Namen.
  • „Caranx fusus“ ist ein alter Name. Wer in Fachliteratur *Caranx fusus* oder *Carangoides fusus* liest, meint laut englischer Wikipedia denselben Fisch — der Name ist ungültig.

Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Bei einem Fisch, der in kleinen Schwärmen schnell an Strukturen entlangzieht und tags wie nachts frisst, entscheidet der richtige Tag mehr als jede Montage. Lebensraum, Beute und Laichzeit stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, sind die Bedingungen an deinem Wasser — das rechnet StrikeAhead aus und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man die Kanten und Regeln eines fremden Reviers nicht vom ersten Tag an kennt, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du rausgehst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr. Die App sagt wann, Pathfinder mit wem.