Cobia angeln: der Fisch, der wie ein Hai aussieht — und Haien hinterherschwimmt

Wer einen Cobia zum ersten Mal unter Wasser sieht, hält ihn oft für etwas anderes. Er trägt seine großen Brustflossen waagrecht abgespreizt, und laut englischer Wikipedia gibt ihm das womöglich den Umriss eines Hais; die russische und die japanische Wikipedia schreiben, Taucher könnten ihn deshalb mit einem kleinen Hai verwechseln. Dazu kommt, dass er Haien, Meeresschildkröten und Mantas hinterherschwimmt. Dieser Artikel handelt vom Cobia, *Rachycentron canadum* — englisch cobia, auf Deutsch auch Kobia, Königsfisch oder Offiziersbarsch, portugiesisch (Brasilien) beijupirá, finnisch okamakrilli, niederländisch batjauwvis, japanisch スギ (sugi).

Ein Einzelgänger mit Begleitschutz

Der Cobia ist ein Fisch ohne nahe Verwandte: Er ist laut FishBase und fast allen Wikipedias die einzige Art seiner Gattung und seiner Familie, der Rachycentridae. Am nächsten stehen ihm laut deutscher Wikipedia die Schiffshalter und die Goldmakrelen, der diese Serie eine eigene Gruppe widmet. Mit den Schiffshaltern teilt er laut englischer Wikipedia eine Gewohnheit: Er folgt größeren Tieren — Haien, Schildkröten, Mantarochen — und frisst, was dabei für ihn abfällt. Die finnische Wikipedia schreibt, man treffe ihn oft in der Nähe von Teufelsrochen an, warum, wisse man nicht.

Er lebt laut FishBase über Schlamm, Sand und Kies, über Korallenriffen, vor Felsküsten und in Mangroven; in Küstennähe um Pfähle und Bojen, draußen um treibende und verankerte Gegenstände, gelegentlich in Flussmündungen. Laut englischer Wikipedia sammelt er sich an Riffen, Wracks, Häfen, Bojen und anderen Strukturen, und er geht auf Beutesuche bis in Mündungen und Mangroven. Er verträgt laut englischer Wikipedia Salzgehalte von 5 bis 44,5 Promille — vom Brackwasser bis zu salzigerem Wasser als im Ozean.

Was er frisst, darüber sind sich die Quellen weitgehend einig: Krabben, Tintenfische und Fische (FishBase, englische, französische, niederländische Wikipedia). Die italienische nennt außerdem Muscheln und Kraken, die russische als Beispiel einen Stechrochen. Laut englischer Wikipedia ist er sehr neugierig und zeigt kaum Scheu vor Booten; die russische ergänzt, dass er gehakten Fischen manchmal bis an die Bordwand folgt. Seine englischen Spitznamen crabeater (Krabbenfresser) und prodigal son (der verlorene Sohn) kommen in GBIF und in der englischen Wikipedia vor.

Woran du ihn erkennst

Ein langgestreckter, spindelförmiger Fisch mit breitem, flachem Kopf (FishBase, englische, deutsche, russische Wikipedia). Die Augen sind klein, der Unterkiefer steht etwas vor (englische, russische, japanische Wikipedia). Das sicherste Merkmal sitzt auf dem Rücken: Vor der langen Rückenflosse stehen kurze, kräftige, spitze Stacheln, einzeln und nicht durch eine Haut verbunden — FishBase nennt 7 bis 9, meist 8. Daher der Familienname: griechisch *rhachis*, Rückgrat, und *kentron*, Stachel. Die Schwanzflosse ist bei Erwachsenen halbmondförmig bis leicht eingebuchtet, der obere Lappen länger. Eine Schwimmblase hat er nicht (englische, russische, japanische Wikipedia).

Den Schiffshaltern sieht er laut englischer Wikipedia ähnlich, hat aber keine Saugscheibe und einen kräftigeren Körper; die japanische ergänzt, dass seine Schwanzflosse gegabelt ist. Die Farbe: Rücken und Flanken dunkelbraun, mit hellen und dunklen Längsbändern an der Seite — wie viele es sind und welche Farbe sie haben, erzählen die Quellen allerdings verschieden (siehe unten). Laut englischer und russischer Wikipedia treten die Streifen in der Laichzeit deutlich hervor. Junge Cobias sind laut englischer Wikipedia auffällig schwarz-weiß gebändert.

  • Größe: FishBase nennt 200 cm Gesamtlänge als Höchstmaß, 110 cm als übliche Länge und 68 kg als schwerstes veröffentlichtes Gewicht. Laut englischer Wikipedia wiegt der von der IGFA anerkannte Rekord 79,6 kg, gefangen bei Rottnest Island (Australien).
  • Alter und Reife: FishBase nennt 15 Jahre als höchstes gemeldetes Alter. Männchen werden laut englischer Wikipedia mit zwei, Weibchen mit drei Jahren reif; laut französischer Wikipedia bei 60 bis 65 cm (Männchen) und 80 cm (Weibchen).
  • Laichen: Laut englischer Wikipedia tagsüber, von April bis September, in großen Ansammlungen auf offener See; ein Weibchen kann in einer Saison bis zu 30-mal ablaichen. Die Eier messen 1,2 mm und treiben im Plankton.

Wo er lebt — und was das Mittelmeer damit zu tun hat

FishBase: weltweit in tropischen und subtropischen Gewässern, zwischen 47° Nord und 37° Süd — im Westatlantik von Kanada und Massachusetts bis Argentinien, mit dem Golf von Mexiko und der ganzen Karibik; im Ostatlantik von Marokko bis Südafrika; im Indopazifik von Ostafrika und Hokkaido bis Australien. Laut englischer Wikipedia wandert er mit den Jahreszeiten: Den Winter verbringt er im Golf von Mexiko, im März zieht er an Florida vorbei nach Norden, im Sommer bis Massachusetts — die russische und die japanische Wikipedia sagen: bis Maryland.

Und das Mittelmeer? FishBase nennt es in seiner Verbreitung nicht. Die norwegische Wikipedia schreibt, er komme dort nicht natürlich vor, es gebe aber zwei Funde von Fischen, die vermutlich durch den Suezkanal gekommen seien; als Quelle nennt sie einen Fachartikel von 2013 über den zweiten Nachweis im Mittelmeer. Die englische Wikipedia spricht von Meldungen an verschiedenen Orten im östlichen Mittelmeer seit 1978, entweder über den Suezkanal oder als Flüchtlinge aus Fischfarmen. Die italienische zählt nur einen Nachweis, 1986 in Israel, und hält auch eine Herkunft aus dem Atlantik für möglich. Die hebräische schreibt, ein Fischer habe den ersten im Mittelmeer 1978 gefangen.

Für Angler im Mittelmeer heißt das: Ein Cobia ist dort kein Zielfisch, sondern eine Seltenheit — nach allen Quellen eine Handvoll Fische in Jahrzehnten, alle im Osten. Wer gezielt auf Cobia angeln will, muss in den Atlantik, die Karibik oder den Indopazifik. Wie er dort gefangen wird, beschreibt FishBase knapp: vor allem mit der Handleine und beim Schleppen über dem Kontinentalschelf; dazu sei er ein Sportfisch. Laut spanischer Wikipedia sind es vor allem die großen Exemplare, die bei Sportanglern geschätzt sind.

Vorsicht an Bord — und auf dem Teller

Eine Warnung steht in zwei Quellen: Laut russischer Wikipedia hält er seine Brustflossen auch nach dem Fang waagrecht und kann sich so aufrecht halten, und sein heftiger Widerstand macht ihn an Bord gefährlich; die japanische Wikipedia rät nach dem Landen zur Vorsicht. Auf dem Teller gilt er als ausgezeichneter Speisefisch (FishBase, deutsche Wikipedia): Laut englischer Wikipedia erzielt er für sein festes Fleisch einen relativ hohen Preis. Weil er aber einzeln lebt, wird er laut FishBase nur in kleinen Mengen gefangen — dafür ist er ein großes Thema in der Aquakultur. Laut englischer Wikipedia stammten 2004 80,6 % der Weltproduktion aus China und Taiwan; in Taiwan dienen rund 80 % der Meereskäfige der Cobia-Zucht.

Acht Widersprüche, offen stehen gelassen

  • Wie oft war er im Mittelmeer? Die italienische Wikipedia: einmal, 1986 in Israel. Die norwegische: zwei Funde. Die englische: an verschiedenen Orten im Osten seit 1978. Die hebräische: der erste 1978. FishBase führt das Mittelmeer in seiner Verbreitung nicht auf.
  • Gibt es ihn im Ostpazifik? FishBase und die spanische, niederländische und schwedische Wikipedia: nein, er fehle dort; die norwegische: er fehle im zentralen und östlichen Pazifik. Die englische Wikipedia: Jungfische, die 2015 aus einer Aquakultur vor Ecuador entkamen, haben ihn dort eingebürgert; er breitete sich bis Kolumbien und Panama aus.
  • Wie schwer wird er? FishBase und die spanische, französische, niederländische, norwegische, japanische und russische Wikipedia: 68 kg. Die deutsche, italienische und schwedische: 70 kg. Die hebräische und arabische: 78 kg. Die englische: 79 kg. Und beim Angelrekord: Die englische Wikipedia nennt 79,6 kg als anerkannten Rekord und 60 kg aus der Shark Bay als früheren Bestwert; die russische nennt 46,4 kg als Eintrag in der offiziellen Rekordliste.
  • Wie viel Kälte verträgt er? FishBase: 17 bis 32 °C. Die englische, japanische, russische und arabische Wikipedia: 1,6 bis 32,2 °C. Die hebräische Wikipedia schreibt dazu, er könne anders als die meisten Fische seine Körpertemperatur regeln; die englische nennt ihn nur unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen.
  • Wie viele Streifen, und in welcher Farbe? Die englische, japanische, russische und arabische Wikipedia: zwei dunkle Längsbänder. FishBase und die spanische: zwei schmale silbrige Bänder. Die deutsche: drei dunkelbraune Streifen, getrennt durch schmale silbrige Bänder. Die finnische: zwei oder drei silbergraue. Die hebräische: drei dunkle und zwei weiße. Und der Bauch: laut FishBase gelblich, laut englischer Wikipedia weiß.
  • Einzelgänger oder Gruppe? Die englische, französische und arabische Wikipedia: ein Einzelgänger, außer zur Laichzeit. FishBase, die deutsche, finnische und schwedische: Er bildet kleine Gruppen. Die russische sagt beides: Er lebe meist allein, man sehe aber oft große Gruppen an Riffen und Wracks.
  • Wie sieht der Jungfisch aus? Die englische und arabische Wikipedia und FishBase: Junge Cobias haben eine abgerundete Schwanzflosse. Die japanische: Ihr Schwanz ist schon gegabelt wie bei den Erwachsenen, und sie tragen deutliche weiße Längsstreifen.
  • Wer frisst ihn? Die englische, russische, japanische und arabische Wikipedia: Goldmakrelen fressen die Jungfische; erwachsene Cobias fällt der Kurzflossen-Mako an (laut russischer und japanischer Wikipedia nach Berichten von Fischern). Die italienische: Die Erwachsenen seien Beute der Goldmakrelen.

Fünf Namen, die zum falschen Fisch führen

  • „Ling“. Die englische Wikipedia und GBIF führen den Cobia auch als ling. So heißt im Englischen aber auch der Leng (*Molva molva*), ein Dorschverwandter des Nordatlantiks, dem diese Serie eine eigene Gruppe widmet.
  • „Bacalao“, „Bacalhau“, „Cod“. GBIF führt ihn auf Spanisch auch als bacalao, auf Portugiesisch als bacalhau, auf Englisch als cod; die spanische Wikipedia nennt bacalao ebenfalls. Alle drei Wörter stehen sonst für den Kabeljau, dem diese Serie ebenfalls eine eigene Gruppe widmet.
  • „Bonito negro“. Die spanische Wikipedia nennt ihn auch bonito negro, GBIF auf Spanisch auch einfach bonito, die englische Wikipedia black bonito. Ein Bonito im üblichen Sinn ist aber ein kleiner Thun (*Sarda sarda*), dem diese Serie eine eigene Gruppe widmet.
  • „Kingfish“ und „Königsfisch“. Die deutsche Wikipedia nennt Königsfisch, GBIF und die englische Wikipedia kingfish und black kingfish. Das englische kingfish steht je nach Region aber auch für ganz andere Fische, etwa für Bernsteinmakrelen.
  • „クロカンパチ“. In Japan hat die Fischereibehörde laut japanischer Wikipedia festgelegt, dass der Cobia nicht als クロカンパチ (kuro-kanpachi) oder トロカンパチ (toro-kanpachi) verkauft werden darf — denn カンパチ ist die Bernsteinmakrele, ein Edelfisch, mit dem er nicht verwandt ist; die Namen sollten Käufer nicht in die Irre führen. Diese Serie widmet der Bernsteinmakrele eine eigene Gruppe.

Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Lebensraum, Beute und Gewohnheiten stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, ist alles andere — und ob ein Tag auf dem Wasser lohnt, entscheidet sich genau dort. Das rechnet StrikeAhead aus: Es nimmt die Bedingungen an deinem Wasser und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man Wracks, Bojen und die Begleiter der Mantas nicht vom ersten Tag an lesen kann, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du hinausfährst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr.

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