Dornhai: der kleine Hai mit zwei Giftstacheln, der von Norwegen bis ins Schwarze Meer in Schwärmen jagt
Er ist klein für einen Hai, kommt selten allein und wehrt sich mit zwei Giftstacheln: der Dornhai, *Squalus acanthias* — englisch spiny dogfish oder spurdog, spanisch mielga oder galludo, italienisch spinarolo, französisch aiguillat commun, portugiesisch galhudo oder galhudo-malhado, niederländisch doornhaai, dänisch pighaj, schwedisch pigghaj, norwegisch pigghå, finnisch piikkihai, russisch катран oder обыкновенная колючая акула, türkisch mahmuzlu camgöz, griechisch ακανθίας oder κεντρόνι, kroatisch kostelj, albanisch peshkaqen gjëmbor (GBIF) und japanisch アブラツノザメ (Wikidata). Für Slowenisch und Arabisch fanden wir in GBIF und Wikidata keinen bestätigten Artnamen. Hier steht, wie du ihn erkennst, wo er lebt, was er frisst, wie er sich fortpflanzt, wie du ihn am Boot anfasst — und warum er inzwischen als gefährdet gilt.
Ein Hai, dessen Name seine Stacheln meint
Beschrieben hat ihn Carl von Linné im Jahr 1758 in der zehnten Auflage seines *Systema Naturae*. Er gehört zur Familie der Dornhaie (Squalidae) in der Ordnung der Dornhaiartigen; der Artname *acanthias* verweist laut englischer Wikipedia auf seine Stacheln. Lange galt er als weltweit verbreitet — doch laut FishBase gehören die Tiere des Nordpazifiks seit einer Arbeit von Ebert und Kollegen aus dem Jahr 2010 zu einer eigenen Art, dem Pazifischen Dornhai *Squalus suckleyi*. Die deutsche Wikipedia hält ihn für möglicherweise die häufigste Haiart überhaupt.
Woran du ihn erkennst
- Körper: schlank und gestreckt, mit spitzer Schnauze; Rücken und Flanken laut deutscher Wikipedia dunkelgrau bis braun mit weißen Flecken, der Bauch hell.
- Stacheln: je ein Stachel vor jeder der beiden Rückenflossen; laut deutscher Wikipedia führt eine Furche von jedem Stachel zu einer Giftdrüse. Eine Afterflosse fehlt — wie bei allen Dornhaien. Daran unterscheidest du ihn vom Katzenhai, Glatthai und Hundshai, die alle eine Afterflosse tragen.
- Größe: laut FishBase üblicherweise um 100 cm, Weibchen werden größer als Männchen. Wie groß und wie schwer er maximal wird, ist umstritten — siehe die Widersprüche unten.
- Reife: Männchen laut FishBase bei 60 bis 70 cm, Weibchen bei 75 bis 90 cm; die englische Wikipedia nennt dafür ein Alter von rund 10 Jahren bei Männchen und 16 Jahren bei Weibchen.
- Alter: FishBase gibt als Höchstalter 75 Jahre an, die meisten Tiere würden 20 bis 24 Jahre alt. Auch hier widersprechen sich die Quellen — siehe unten.
Was er frisst — und wie er jagt
Laut FishBase frisst der Dornhai Rippenquallen, Tintenfische, Makrelen, Heringe, Bodenfische, Garnelen, Krabben und Seegurken; die englische Wikipedia nennt Tintenfische, Fische, Krabben, Quallen, Seegurken und Garnelen. FishBase gibt ihm eine trophische Stufe von 4,4 — er steht damit weit oben in der Nahrungskette. Das Besondere ist die Art der Jagd: Er zieht laut englischer Wikipedia in Schwärmen, die in die Tausende gehen können; die deutsche Wikipedia spricht von gewaltigen Schwärmen, in denen er früher vorkam. Wer einen Dornhai am Haken hat, hat deshalb oft bald den nächsten.
Wo er lebt: von Norwegen bis ins Schwarze Meer
Der Dornhai lebt laut FishBase rund um den Globus in kalten und gemäßigten Meeren, bei Wassertemperaturen von 7 bis 15 °C, über dem Schelf und dem oberen Kontinentalhang; er geht oft in geschlossene Buchten und Flussmündungen und verträgt Brackwasser, Süßwasser dagegen laut FishBase nur wenige Stunden. Die englische Wikipedia nennt unter anderem den Nordostatlantik, den Oslofjord, die Adria und die nördliche Ägäis, die amerikanische Ostküste und Neuseeland. Im Schwarzen Meer wird er laut Wikidata als eigene Unterart geführt, *Squalus acanthias ponticus* — dort und in der Türkei heißt er Katran. Wie tief er üblicherweise steht, beschreiben die Quellen unterschiedlich — siehe die Widersprüche. Er wandert laut FishBase im Meer über weite Strecken.
Fortpflanzung: die längste Tragzeit aller Knorpelfische
Der Dornhai legt keine Eier ab: Die Jungen schlüpfen laut deutscher Wikipedia im Mutterleib aus Eikapseln und werden lebend geboren. Die Paarung findet laut FishBase und englischer Wikipedia im Winter statt, im offenen Wasser. Die Tragzeit ist laut FishBase mit 18 bis 24 Monaten die längste aller Knorpelfische — die deutsche Wikipedia nennt 18 bis 22 Monate. Die Jungen sind bei der Geburt laut FishBase 18 bis 30 cm lang, laut deutscher Wikipedia 20 bis 30 cm; das Geschlechterverhältnis liegt laut FishBase bei eins zu eins. Wie viele Junge ein Weibchen bekommt, ist umstritten — siehe unten. Laut FishBase hat die Art eine sehr geringe Widerstandskraft: Eine Population braucht mehr als 14 Jahre, um sich zu verdoppeln. Das ist der Grund, warum sich dieser Hai von Überfischung so schwer erholt.
Die Stacheln — und wie du ihn am Boot anfasst
Die Stacheln sind eine Waffe. Wird der Dornhai gepackt, krümmt er laut englischer Wikipedia den Rücken und sticht nach dem Angreifer; die Stacheln geben dabei ein mildes Gift ab, FishBase führt die Art als giftig. Für dich am Boot heißt das: Den Fisch nie am Schwanz hochhalten, nie gegen den Körper drücken, Handschuhe tragen und mit beiden Händen fest hinter dem Kopf und vor dem Schwanz greifen, so dass die beiden Stacheln von dir wegzeigen. Haken mit der Lösezange entfernen, nicht mit den Fingern. Ein Stich ist schmerzhaft, aber nicht lebensgefährlich; wer gestochen wird, sollte die Wunde reinigen und bei Schwellung oder Rötung ärztlich versorgen lassen.
Schillerlocke, Seeaal, Fish and Chips: der versteckte Hai auf dem Teller
Kaum ein Hai wurde so stark befischt. In Deutschland wurden laut deutscher Wikipedia die Rückenstücke als „Seeaal“ verkauft und die geräucherten Bauchlappen als „Schillerlocken“; weitere Handelsnamen waren Kalbsfisch, Speckfisch, Karbonadenfisch, Königsaal, Seestör und Steinlachs. In Großbritannien landet er laut englischer Wikipedia als „huss“ in Fish-and-Chips-Läden — der frühere Name „rock salmon“ ist dort heute verboten —, in Frankreich heißt er „saumonette“, in Belgien „zeepaling“, in Griechenland wird er als „galéos“ verkauft, als Ersatz für den stark gefährdeten Hundshai. Gefangen wird er laut englischer Wikipedia vor allem mit Grundschleppnetzen und Stellnetzen; die Weltfänge sanken laut FAO-Daten von 31.700 Tonnen im Jahr 2000 auf 13.800 Tonnen im Jahr 2008. Flossen und Schwänze gehen in billige Haifischflossensuppe, der Rest in Dünger, Leberöl und Tierfutter. Und eine Warnung aus der deutschen Wikipedia: Das Muskelfleisch ist oft stark mit Methylquecksilber belastet — laut einer Studie der Universität Kiel überschreitet eine Portion von 150 g Schillerlocken die tolerierbare Tagesdosis eines Erwachsenen um das Zehnfache.
Status, Verbote — und was du tun kannst
Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Dornhai weltweit als gefährdet (Vulnerable). Im Nordostatlantik stuft ihn die IUCN laut englischer Wikipedia regional als vom Aussterben bedroht ein; die europäischen Bestände sind um mindestens 95 % zurückgegangen, die deutsche Wikipedia nennt dieselben 95 % für den Nordatlantik. Die EU hat laut englischer Wikipedia seit 1999 eine Fangquote, bis 2007 nur für zwei Nordsee-Gebiete; 2009 kam eine Höchstgröße von 1 m für Anlandungen, 2011 wurde die Quote auf null gesetzt und die gezielte Fischerei in EU-Gewässern damit beendet; 2023 galten die Bestände in EU- und britischen Gewässern wieder als erholt genug für kommerzielle Fischerei. Norwegen verbot laut Unterlagen der Fischereidirektion (Fiskeridirektoratet) die gezielte Fischerei 2007, zunächst mit Ausnahme kleiner Küstenfahrzeuge, ab 2011 für alle; 2022 wurde sie für Fahrzeuge unter 15 m wieder geöffnet. Auf der norwegischen Roten Liste steht er als gefährdet (sårbar). Seit 2010 steht er zudem in Anhang I der Absichtserklärung zum Schutz wandernder Haie der Bonner Konvention.
Für dich am Wasser heißt das: In Norwegen und in der Nordsee ist der Dornhai beim Tiefwasserangeln auf Dorsch, Leng oder Lumb ein häufiger Beifang, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer beim Grundangeln. Ob du ihn als Angler mitnehmen darfst, regeln nationale Vorschriften, die sich von Jahr zu Jahr ändern — für Freizeitangler fanden wir keine eindeutige, allgemein gültige Regel. Vor der Tour beim örtlichen Fischereiamt oder Guide nachfragen; wer unsicher ist, setzt ihn schonend zurück: Die Art vermehrt sich langsam und ist gefährdet.
Fünf Widersprüche in den Quellen
- Wie groß und wie schwer wird er? FishBase: höchstens 200 cm Gesamtlänge und 9,1 kg. Deutsche Wikipedia: etwa ein Meter lang, bis 10 kg, selten mehr. Englische Wikipedia: Weibchen erreichen etwa 80 bis 84 cm, Männchen 60 bis 65 cm — ein Maximum nennt sie nicht.
- Wie alt wird er? FishBase: Höchstalter 75 Jahre, die meisten 20 bis 24 Jahre, im Nordatlantik 35 bis 50 Jahre. Englische Wikipedia: einzelne Tiere fast 70 Jahre, im Schnitt 30 bis 40, nach Wirbeln und Stacheln 35 bis 54 Jahre. Deutsche Wikipedia: über 20 Jahre.
- Wie viele Junge? FishBase: 1 bis 21 Junge je Wurf. Englische Wikipedia: 2 bis 12 Eier, meist 5 bis 6 Junge. Deutsche Wikipedia: 2 bis 11 Junge, bis 6 Eier je Eikapsel.
- Wie tief lebt er? FishBase: von der Oberfläche bis 1.978 m, üblich 50 bis 300 m, erwachsene Tiere meist 10 bis 200 m. Englische Wikipedia: üblich 50 bis 149 m, nachgewiesen unter 700 m. Deutsche Wikipedia: 50 bis 200 m.
- Von wann ist die IUCN-Einstufung? FishBase: Einstufung vom 21. November 2019 (Version 2025-2). Englische Wikipedia: 2020, Finucci und Kollegen. Deutsche Wikipedia: 2017, Fordham und Kollegen 2016.
Drei Fallen beim Namen
- Seeaal ist kein Aal, Steinlachs kein Lachs. Seeaal, Schillerlocke, Königsaal, rock salmon, saumonette, zeepaling, dänisch kongeål, schwedisch Nordsjöål — fast alle Handelsnamen dieses Fisches verschweigen, dass ein Hai auf dem Teller liegt. Wer eine Art nach ihrem Marktnamen sucht, findet das Tier nicht.
- Hundshai ist meist ein anderer Hai. Der Catalogue of Life führt „Hundshai“ auch als deutschen Namen des Dornhais. Im Deutschen heißt so aber üblicherweise *Galeorhinus galeus* — ein deutlich größerer Hai mit Afterflosse, dem wir einen eigenen Artikel gewidmet haben. Und das griechische „galéos“ im Fischladen kann beide meinen.
- Pazifik-Zahlen gehören einer anderen Art. Seit 2010 gelten die Dornhaie des Nordpazifiks laut FishBase als eigene Art, *Squalus suckleyi*. Ältere Angaben zu Größe, Alter oder Wanderungen „des Dornhais“ aus Alaska oder Japan beschreiben deshalb oft nicht das Tier, das du in der Nordsee oder im Mittelmeer fängst.
Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Lebensraum, Beute und Gewohnheiten stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, ist alles andere — Licht, Luftdruck, Wind, Wassertemperatur, Strömung —, und ob sich ein Tag über der Kante lohnt, entscheidet sich genau dort. Das rechnet StrikeAhead aus: Es nimmt die Bedingungen an deinem Wasser und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man ein fremdes Revier, seine Kanten und seine Regeln nicht vom ersten Tag an kennt, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du rausgehst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr. Die App sagt wann, Pathfinder mit wem.