Torpedo-Makrele angeln: der Räuber, der durch den Suezkanal kam

1935 wurde vor der Küste des damaligen Mandatsgebiets Palästina ein Fisch gefangen, der dort nicht hingehörte: eine Makrele aus dem Roten Meer. So steht es in der englischen und der hebräischen Wikipedia. Sie war durch den Suezkanal gekommen. Die hebräische Wikipedia zeichnet ihren Weg nach: 1965 im Libanon, 1981 in der Türkei, 1997 in Ägypten und Tunesien. Heute ist sie laut englischer Wikipedia in der östlichen Levante sehr häufig und dort ein wichtiger Zielfisch der Fischerei. Dieser Artikel handelt von der Torpedo-Makrele, *Scomberomorus commerson* — englisch narrow-barred Spanish mackerel, französisch thazard rayé, italienisch maccarello reale, niederländisch Indische koningsmakreel, japanisch ヨコシマサワラ (yokoshima-sawara), am Persischen Golf kanaad, in Israel palamida.

Eine „dumme Makrele“, benannt nach einem Weltumsegler

Die Torpedo-Makrele gehört zur Familie der Makrelen und Thunfische (Scombridae). Den Gattungsnamen *Scomberomorus* leitet FishBase aus dem Lateinischen scomber, die Makrele, und dem Griechischen moros ab — dumm, einfältig. Das Artepitheton ehrt Philibert Commerson (1727–1773), den FishBase als „Arzt, Botaniker und Naturforscher des Königs“ vorstellt. Beschrieben hat sie Étienne de Lacépède im Jahr 1800 als „Scombre Commerson“ (französische Wikipedia). Laut französischer Wikipedia hat sie das größte Verbreitungsgebiet aller Arten ihrer Gattung. Die hebräische Wikipedia nennt sie die größte aller Makrelen, die englische immerhin die größte der australischen Makrelen.

Woran du sie erkennst

Der Körper ist lang gestreckt und seitlich deutlich zusammengedrückt, der Querschnitt oval (FishBase). Das Maul ist groß: Der Oberkiefer reicht bis zum hinteren Augenrand oder etwas darüber hinaus, die Zähne sind kräftig und abgeflacht (FishBase), laut italienischer Wikipedia dreieckig, laut deutscher leicht nach hinten gebogen. Auf dem ersten Kiemenbogen sitzen nur 1 bis 8 Kiemenreusen — für die französische Wikipedia das Merkmal, an dem man die Art erkennt. Es gibt zwei Rückenflossen: die erste mit 15 bis 18 Stacheln, die zweite mit 15 bis 20 Weichstrahlen, dahinter 8 bis 11 Flössel; die Afterflosse hat 16 bis 21 Weichstrahlen, gefolgt von 7 bis 12 Flösseln (FishBase). Das auffälligste Merkmal ist die Seitenlinie: Unter dem Ende der zweiten Rückenflosse knickt sie abrupt nach unten (FishBase). Eine Schwimmblase hat sie laut deutscher und russischer Wikipedia nicht.

Die Farbe: Der Rücken schillert blaugrau, die Seiten sind silbern mit bläulichem Glanz und tragen viele schmale, wellige, senkrechte Streifen (FishBase) — daher der englische Zusatz narrow-barred, „schmal gebändert“. Die Zahl der Streifen wächst mit dem Fisch: von etwa 20 bei einem 40-cm-Tier bis zu 65 bei 150 cm (FishBase). Jungfische tragen statt Streifen oft ovale Flecken (FishBase, deutsche und italienische Wikipedia); bei ihnen ist laut französischer Wikipedia zudem der vordere Teil der ersten Rückenflosse tiefschwarz.

  • Größe: FishBase nennt 240 cm Gabellänge als Höchstmaß und 120 cm als übliche Länge; das schwerste veröffentlichte Gewicht sind 70 kg. Geschlechtsreif wird sie laut FishBase bei rund 75 cm (55 bis 82 cm). Laut englischer Wikipedia sind in Australien die Weibchen größer als die Männchen. In Penghu (Taiwan), wo man sie laut englischer Wikipedia „weißes Gold“ nennt, wurde 2022 ein Fisch von 34 kg für mehr als 3 000 Dollar verkauft.

Wo sie steht und was sie frisst

  • Verbreitung: laut FishBase im Indopazifik — vom Roten Meer und Südafrika bis Südostasien, nördlich bis China und Japan, südlich bis Südostaustralien und östlich bis Fidschi —, dazu im Atlantik bei St. Helena. Ins Mittelmeer kam sie als Lessepsischer Einwanderer durch den Suezkanal (FishBase). Laut italienischer Wikipedia hat sie sich dort nur an den südöstlichen Küsten festgesetzt, von der Südtürkei bis Libyen, wo sie sehr häufig ist; aus der ägäischen Türkei und aus Tunesien gibt es nur vereinzelte Fänge.
  • Lebensraum: ein Fisch der Küste und des Schelfs — FishBase beschreibt ihn vom Rand des Kontinentalschelfs bis ins flache Küstenwasser, oft mit geringem Salzgehalt und trübem Wasser, außerdem an Abbruchkanten, Riffen und in Lagunen. Laut italienischer Wikipedia trifft man sie selten auf offener See, dafür jagend auch in Flussmündungen. Sie unternimmt laut FishBase lange Wanderungen entlang der Küste, doch es scheint auch ortstreue Bestände zu geben.
  • Tiefe: FishBase gibt 10 bis 70 Meter an.
  • Nahrung: vor allem kleine Fische — Sardellen, Heringsartige und Stachelmakrelen —, dazu Kalmare und Geißelgarnelen (FishBase). FishBase setzt sie auf die Trophiestufe 4,5. Laut französischer und russischer Wikipedia frisst sie bei Tag und bei Nacht; die arabische schreibt, meist tagsüber, selten nachts.
  • Wie sie jagt: laut FishBase meist allein, oft im flachen Wasser entlang abfallender Küsten. Die hebräische Wikipedia beschreibt sie als gierigen, opportunistischen Räuber, der seine Beute im Freiwasser, an Riffen und nahe am Ufer verfolgt und mit seinen scharfen Zähnen mühelos zerteilt.
  • Mitbewohner: Laut englischer Wikipedia findet man in der Bauchhöhle oft in großer Zahl die Zysten der Larven eines Bandwurms, *Callitetrarhynchus gracilis*.

Laichen an der Riffkante

Die Eier und Larven treiben im freien Wasser (FishBase). Laut englischer Wikipedia tragen die Eier einen großen Öltropfen, der sie im warmen, sauerstoffreichen Oberflächenwasser hält. Gelaicht wird an den Hängen und Kanten von Riffen, wo sich die Fische laut FishBase an bestimmten Stellen sammeln — laut italienischer Wikipedia an Stellen, zu denen sie jedes Jahr zurückkehren. In australischen Gewässern laicht jedes Weibchen laut FishBase mehrmals pro Saison, im Abstand von 2 bis 6 Tagen. Wie lange die Saison dauert, hängt von der Wassertemperatur ab; die französische Wikipedia nennt Oktober bis Juli in Ostafrika, Dezember bis Februar vor Madagaskar und Juli bis Dezember in Papua-Neuguinea. Viele Fischereien zielen laut englischer Wikipedia gezielt auf die Fressansammlungen vor dem Laichen. Die Jungfische wandern danach in Küstengewässer und Flussmündungen.

Wie man sie fängt — und was du wissen solltest

FishBase führt sie als Sportfisch und als hoch kommerziell; der Preis liegt laut FishBase in der Kategorie „sehr hoch“. Freizeitangler fangen sie laut englischer Wikipedia vom Boot beim Schleppen (Trolling) oder Driften, außerdem von Booten, Piers, Molen und Stränden aus mit geworfenen Blinkern und Jigs sowie mit lebendem Köderfisch. Die hebräische Wikipedia beschreibt drei Wege: Schleppen eines Köderfischs, Imitats oder bunten Köders einige Dutzend Meter hinter dem langsam fahrenden Boot; Werfen eines Kunstköders vom Ufer; oder einen sinkenden Köder vom Grund hochziehen und ruckartig fallen lassen. Alle drei, so die Wikipedia, ahmen einen verletzten Fisch nach und reizen sie zum Angriff. In Israel ist sie laut hebräischer Wikipedia bei Freizeitanglern sehr beliebt; die niederländische schreibt dagegen, dass ihr beim Angeln wenig nachgestellt wird.

⚠️ Was folgt, ist ein Schluss aus ihrer Biologie, keine Quellenangabe: Ein Räuber, der in Küstennähe über 10 bis 70 Metern jagt, trübes Wasser und Flussmündungen nicht scheut, Kleinfischschwärmen folgt und mit scharfen Zähnen zubeißt, ist ein Fisch für Kanten und Abbrüche vor der Küste, für schnell geführte Kunstköder — und für ein bissfestes Vorfach. Im Mittelmeer liegen die realistischen Reviere dort, wo die Quellen sie häufig nennen: an der südöstlichen Küste von der Südtürkei bis Libyen, besonders vor Israel und dem Libanon. Weiter westlich ist sie nach heutigem Stand ein Zufallsfang.

Eine Warnung: In ihrem Fleisch wurde laut FishBase ein fettlösliches Gift ähnlich dem Ciguatoxin gefunden, bei Fischen von der Ostküste von Queensland (Australien). Laut französischer Wikipedia stammten von dort mindestens 78 giftige Tiere, die 217 Vergiftungsfälle auslösten. Ciguatera-Gift stammt aus tropischen Riffalgen, reichert sich in Raubfischen an und wird durch Kochen nicht zerstört. Ansonsten gilt das Fleisch laut russischer Wikipedia als weiß und von hoher Qualität; in Tainan (Taiwan) kocht man daraus laut englischer Wikipedia eine dicke Suppe, tutuo yugeng, und in Israel ist die palamida laut hebräischer Wikipedia in Fischrestaurants und in der Hausküche verbreitet.

Und der Bestand? Die IUCN stuft sie als „Near Threatened“ ein — potenziell gefährdet (FishBase: bewertet am 10. November 2022). Laut italienischer Wikipedia ist sie in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets überfischt, am stärksten im westlichen Indischen Ozean, besonders vor Oman; in Australien seien die Bestände um 30 % geschrumpft. Die Regierung von Queensland senkte laut englischer Wikipedia im Juli 2023 die kommerzielle Fangquote von 578 auf 165 Tonnen; Freizeitangler dürfen dort einen Fisch pro Person behalten. FishBase schätzt die Verwundbarkeit durch Fischerei als „moderat bis hoch“ (52 von 100) und durch den Klimawandel als „hoch bis sehr hoch“ (75 von 100). In Israel ist der Fang laut hebräischer Wikipedia unter 30 cm und während der Laichzeit verboten. Mindestmaße, Fangmengen und Schonzeiten regelt jedes Land selbst — prüfe sie vor Ort.

Fünf Widersprüche, offen stehen gelassen

  • Wie groß? FishBase, spanische, italienische, niederländische, finnische und russische Wikipedia: höchstens 240 cm. Die französische: höchstens 220 cm. Die englische und die hebräische: rund 2 m. Beim Gewicht sind sich alle einig, 70 kg. Bei der üblichen Größe nicht: FishBase nennt 120 cm, die italienische Wikipedia „normalerweise nicht über 120 cm“, die französische und die russische rund 90 cm.
  • Wie tief? FishBase, deutsche, niederländische und finnische Wikipedia: 10 bis 70 Meter. Die russische: bis 200 Meter. Die arabische: von der Oberfläche bis 180 Meter.
  • Wann geschlechtsreif? FishBase: bei rund 75 cm (55 bis 82 cm). Die französische und die russische Wikipedia: Männchen mit 65, Weibchen mit 70 cm. Die italienische: mit 65 cm und zwei Jahren. Die englische und die hebräische: Weibchen mit etwa 80 cm und rund zwei Jahren.
  • Wie alt? FishBase nennt als höchstes gemeldetes Alter 22 Jahre, ebenso die russische Wikipedia. Im Abschnitt zur Widerstandskraft rechnet dieselbe FishBase-Seite aber mit einem Höchstalter von 14 Jahren.
  • Einzeljäger oder Schwarm? FishBase: jagt meist allein. Die italienische Wikipedia: ein geselliger Fisch in kleinen Schwärmen, der sich nur zur Jagd auflöst. Die deutsche: ein Gruppenfisch, aber auch einzeln anzutreffen. Die russische: ein Schwarmfisch. Die finnische: jagt in kleinen Schwärmen.

Sechs Namen, die zum falschen Fisch führen

  • „Königsmakrele“ und „King Mackerel“. Die niederländische Wikipedia nennt sie Indische koningsmakreel, die italienische maccarello reale, die russische unter anderem полосатая королевская макрель (gestreifte Königsmakrele), und in Südafrika heißt sie laut englischer Wikipedia king mackerel. Die King Mackerel des Atlantiks ist aber eine andere Art, *Scomberomorus cavalla*. Wie leicht man sie verwechselt, zeigt die finnische Wikipedia: Ihr FishBase-Link führt zur falschen Art, zu *S. cavalla*.
  • „Spanish mackerel“. In Australien ist die Spanish mackerel laut englischer Wikipedia genau dieser Fisch. In den USA meint man mit dem Namen meist eine andere, kleinere Verwandte an der Atlantikküste. Wer in englischen Quellen sucht, sollte deshalb auf den Zusatz narrow-barred oder den wissenschaftlichen Namen achten.
  • „Palamida“ und „palamut“. In Israel heißt sie laut hebräischer Wikipedia פלמידה לבנה (palamida levana, „weiße Palamida“) oder kurz palamida; in der Türkei laut englischer Wikipedia ceylan palamutu, GBIF führt palamut kolyozu. Mit palamida und palamut ist im übrigen Mittelmeerraum aber der Bonito gemeint — den behandelt eine eigene Gruppe dieser Serie.
  • „Thazard“, „tazard“ und „kingfish“. Französisch heißt sie thazard rayé (der Standardname der FAO laut französischer Wikipedia), auf Mauritius tazard oder bécune blanche, in Neukaledonien gros prêtre, und lokal auf Englisch kingfish. Aber thazard-bâtard ist der Wahoo, und bécune heißen auf Französisch sonst die Barrakudas — beide sind eigene Gruppen dieser Serie.
  • ヨコシマサワラ und カマスサワラ. Der japanische Name ヨコシマサワラ (yokoshima-sawara) steht in der GBIF-Namensliste. Leicht zu verwechseln: カマスサワラ (kamasu-sawara) ist ein ganz anderer Fisch, der Wahoo. Und die gewöhnliche Sawara Japans ist wieder eine andere Verwandte aus derselben Gattung.
  • Kanaad, dirak, abu sinn. Auf Arabisch hat sie viele Namen: Am Persischen Golf heißt sie laut englischer Wikipedia kanaad (كنعد), in Ägypten am Mittelmeer und am Roten Meer dirak (ديرك), im Libanon abu sinn (ابو سن) oder ghazal (غزال), in Libyen yamaneyah. Ein Arabisch sprechender Skipper kennt sie also womöglich unter einem Namen, der in keinem Wörterbuch steht. Und der deutsche Name Torpedo-Makrele? Den nennt die deutsche Wikipedia — die GBIF-Namensliste führt keinen einzigen deutschen Namen.

Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Tiefe, Nahrung und Jagdweise stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, ist alles andere — und ob ein Tag auf dem Wasser lohnt, entscheidet sich genau dort. Das rechnet StrikeAhead aus: Es nimmt die Bedingungen an deinem Wasser und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man die Kanten vor einer fremden Küste nicht vom ersten Tag an kennt, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du hinausfährst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr.

Fisch den richtigen Moment →