Brachsenmakrele angeln: der Fisch, den der Winter an den Strand wirft

Im Dezember 2008 spülte das Meer laut niederländischer Wikipedia den ganzen Monat über an der gesamten niederländischen Küste — am Wattenmeer wie an der Hollandküste — immer neue tote Fische an. Im Dezember 2009 geschah dasselbe noch einmal. Es waren Brachsenmakrelen, *Brama brama*: ein Fisch der offenen See, der im Sommer weit nach Norden zieht und den der Winter dort überrascht. Dieser Artikel handelt von der Brachsenmakrele — englisch Atlantic pomfret oder Ray's bream, spanisch palometa negra, italienisch pesce castagna, norwegisch havbrasme.

Warum sie am Strand liegt

FishBase nennt sie subtropisch und gibt einen Temperaturbereich von 12 bis 24 °C an; sie zieht in kleinen Schwärmen, deren Bewegungen offenbar von der Temperatur abhängen. Die norwegische Wikipedia wird deutlicher: Die Brachsenmakrele verträgt kein Wasser unter 10 °C, und die Fische, die nach Norden gewandert sind, sterben, wenn der Winter kommt. Vor Norwegen tauchen sie im Herbst auf, am häufigsten vor Vestlandet und Trøndelag. Die niederländische Wikipedia beschreibt den Weg: Im Sommer zieht der Bestand im Ostatlantik etwa von Portugal bis Schottland; auf dem Rückweg nach Süden können die Fische in die Nordsee geraten. Kühlt das Wasser schnell ab und treibt ein Sturm sie ins Flache, stranden sie. Mantelmöwen und Krähen räumen die frischen Fische schnell ab — vermutlich, so die Quelle, bleiben deshalb viele Strandungen unbemerkt.

Ganz neu ist der Gast im Norden nicht, aber auch nicht alt. Laut englischer Wikipedia wurde die Art in irischen Gewässern erstmals 1843 nachgewiesen und galt dort bis Ende der 1950er Jahre als selten; in den 1960er und 1970er Jahren wurden dann große Mengen verzeichnet. Ihre Wanderungen hängen laut derselben Quelle stark von der Temperatur des Zwischenwassers ab.

Weder Brachse noch Makrele

Der deutsche Name trägt zwei falsche Fische in sich. Die Brachsenmakrele ist keine Makrele und kein Brachsen, sondern gehört zur eigenen Familie Bramidae — die deutsche Wikipedia nennt sie Seebrassen. Beschrieben wurde sie 1788 von Bonnaterre, damals als *Sparus brama*; die Gattung *Brama* stellten laut englischer Wikipedia Bloch und Schneider 1801 auf. Wie lange man brauchte, um sie einzuordnen, zeigt die Synonymliste der deutschen Wikipedia: 18 Namen, darunter *Lepidotus catalonicus*, *Brama chilensis*, *Toxotes squamosus* und sogar *Chaetodon umbratus* — ein Name aus der Gattung der Falterfische. Der englische Name „Ray's bream“ passt zu einem alten Synonym, *Brama raii*. ⚠️ Wen das „Ray“ meint, sagt keine der gelesenen Quellen.

Woran du sie erkennst

FishBase beschreibt einen hohen, seitlich zusammengedrückten Körper mit steil gebogenem Kopfprofil. Sie hat keine Flossenstacheln: 35 bis 38 Weichstrahlen in der Rückenflosse, 29 bis 32 in der Afterflosse (FishBase). Laut italienischer Wikipedia sind beide Flossen spiegelbildlich gebaut, mit einem höheren Lappen vorne; die Brustflossen sind lang und sichelförmig (deutsche und portugiesische Wikipedia), die Schwanzflosse tief gegabelt. Das Maul ist sehr groß und schräg und reicht weit hinter das Auge, die Zähne sind spitz und nach hinten gerichtet, innen ist das Maul schwarz, und vor den Augen sitzt ein kleiner goldener Fleck (italienische Wikipedia). Die Schuppen sind kräftig, 70 bis 90 entlang der Seitenlinie (deutsche Wikipedia); die norwegische Wikipedia ergänzt, dass Rücken- und Afterflosse fast ganz beschuppt sind. Laut deutscher Wikipedia kann sie mit aufgestellten Brustflossen scheinbar reglos im Wasser stehen.

  • Größe: FishBase nennt 100 cm Gesamtlänge als Höchstmaß, üblich sind 40 cm Standardlänge; das schwerste veröffentlichte Gewicht sind 6 kg, das höchste Alter 9 Jahre.
  • Temperatur und Breite: 12 bis 24 °C, von 65° Nord bis 70° Süd (FishBase).

Wo sie steht und was sie frisst

  • Verbreitung: laut FishBase Atlantik, Indischer Ozean und Südpazifik; im Westatlantik von Nova Scotia bis Argentinien, im Ostatlantik von Mittelnorwegen bis Südafrika. Im Mittelmeer kommt sie laut italienischer Wikipedia überall vor — selten ist sie nur in der nördlichen Adria.
  • Tiefe: FishBase gibt 0 bis 1000 Meter an, meist 0 bis 200 Meter — ein Fisch des offenen Wassers, nicht des Grundes.
  • Tag und Nacht: Laut italienischer Wikipedia wandert sie im Tagesrhythmus und steigt nachts in oberflächennahes Wasser.
  • Nahrung: FishBase nennt sie einen Gelegenheitsfresser: kleine Fische, Kopffüßer, Flohkrebse und Krill. Die italienische Wikipedia schreibt „vorace predatore“ — ein gefräßiger Räuber — und nennt vor allem Laternenfische.
  • Fressfeinde: Schwertfisch, Roter Thun, Blauer und Weißer Marlin, Segelfisch, Goldmakrele und Dornhai (italienische und deutsche Wikipedia). Die deutsche Wikipedia ergänzt: Fürs Schwertfischangeln wird die Brachsenmakrele gelegentlich als Köder benutzt.

Laichen in warmem Wasser

Laut italienischer Wikipedia laicht sie in Wasser über 20 °C, im Mittelmeer im Sommer. Die Eier messen 1,5 bis 1,6 mm und tragen einen großen Öltropfen, der sie schweben lässt; die Larve misst beim Schlüpfen 4,8 mm. Larven von 1 bis 4 cm sehen den Erwachsenen kaum ähnlich — höhere Rücken- und Afterflossen ohne vorderen Lappen, lange Bauchflossen — und leben an der Oberfläche. Auch die schwedische Wikipedia schreibt: Sie laicht im Sommer in warmem Wasser.

Wie man sie fängt — und was im Filet stecken kann

Frisch hat die Brachsenmakrele laut deutscher Wikipedia vor allem in Spanien Bedeutung; vor der Westküste wird sie mit Hakenleinen gefangen, deren Haken in 90 bis 110 Metern Tiefe sitzen. Die italienische Wikipedia nennt Ringwaden und vor allem Langleinen und schreibt, sie werde eher gelegentlich gefangen; ihr Fleisch habe einen kräftigen, aber nicht unangenehmen Geruch und sei in der Küche geschätzt. Laut spanischer Wikipedia war sie bis in die 1970er Jahre eine der häufigsten und beliebtesten Arten — wegen ihres Fleischs und vor allem wegen ihres günstigen Preises. In Südafrika ist sie laut englischer Wikipedia ein häufiger Beifang der Seehechtfischerei.

⚠️ Was folgt, ist ein Schluss aus ihrer Biologie, keine Quellenangabe: Ein Räuber des offenen Wassers, der nachts zur Oberfläche steigt und vor allem kleine Fische und Tintenfische frisst, ist ein Fisch für die Nacht und für Naturköder — und die Tiefe, in der er steht, ändert sich mit der Uhrzeit. Eine Anleitung für Sportangler beschreibt keine der gelesenen Quellen.

Eine Warnung steht in der spanischen Wikipedia: Das Fleisch kann von der Larve eines Bandwurms, *Gymnorhynchus gigas*, befallen sein. Sie liegt als langer weißer Wurm zwischen den Muskelfasern; ihr Endwirt sind große Haie. Für den Menschen ist sie nicht schädlich, sieht aber sehr unappetitlich aus, und bei massivem Befall können die Fische beschlagnahmt werden.

Und der Bestand? Die IUCN führt die Brachsenmakrele als „Least Concern“ — nicht gefährdet. FishBase setzt einen Kontrapunkt: Die Verwundbarkeit durch Fischerei sei „High“ (60 von 100), die Widerstandskraft niedrig, ein Bestand brauche 4,5 bis 14 Jahre, um sich zu verdoppeln. Die italienische Wikipedia sieht an der spanischen Atlantikküste Zeichen mäßiger Überfischung und schreibt, das Wissen über die Bestände sei sehr dürftig. Mindestmaße, Fangmengen und Schonzeiten regelt jedes Land selbst — prüfe sie vor Ort.

Fünf Widersprüche, offen stehen gelassen

  • Wie schwer? FishBase und die deutsche, italienische, norwegische, niederländische und portugiesische Wikipedia: 6 kg. Die schwedische: 9 kg. Die deutsche fügt hinzu, ausgewachsene Fische wögen im Schnitt eher 2 kg.
  • Wie groß? Fast alle Quellen nennen 100 cm als Höchstmaß — die spanische Wikipedia schreibt höchstens 60 cm. Üblich sind laut FishBase 40 cm, laut spanischer und norwegischer Wikipedia 40 bis 55 cm, laut portugiesischer 40 bis 70 cm.
  • Wie tief? FishBase: 0 bis 1000 Meter, meist bis 200. Die norwegische Wikipedia: bis 400 Meter. Die deutsche: Jungfische auch unter 2700 Metern — tiefer als jede Angabe für die Erwachsenen.
  • Welche Farbe? Italienische, norwegische und schwedische Wikipedia: silbern. Die spanische: frisch aus dem Wasser glänzend schwarz, kurz darauf metallisch grau. Die portugiesische schreibt im ersten Satz „schwarz oder dunkelgrau“ und wenige Absätze später „silbern“. Die italienische löst es halb auf: lebend silbergrau, tot dunkel bleigrau.
  • Wo laicht sie? Die deutsche Wikipedia: im August und September in tiefem Wasser. Die italienische: in Wasser über 20 °C, Eier und Larven an der Oberfläche. Und nebenbei: Die deutsche Wikipedia nennt Massenstrandungen 1949 bis 1955, 1974 bis 1976, 2008 und 2009 — die niederländische 1976, 1979, 2008 und 2009.

Sechs Namen, die zum falschen Fisch führen

  • „Brama“ und „Brachse“. Der Brachsen unserer Seen, ein Karpfenfisch, heißt wissenschaftlich *Abramis brama* — mit demselben Artnamen. Die russische GBIF-Liste nennt die Brachsenmakrele „Atlantischer Meeresbrachsen“, die niederländische „braam“.
  • „Seebrasse“ und „Black Sea Bream“. Die Seebrassen (Bramidae) sind nicht die Meerbrassen (Sparidae), zu denen Dorade und Zahnbrasse gehören. Und „Black Sea Bream“ aus der englischen GBIF-Liste ist kein Fisch des Schwarzen Meers — unter diesem Namen läuft im Englischen meist die Streifenbrasse *Spondyliosoma cantharus*.
  • „Angelfish“. In Südafrika wird sie laut englischer Wikipedia als „angelfish“ verkauft — ein echter Kaiserfisch ist sie nicht. Die portugiesische Wikipedia kennt auch „angelina“ und „freira“, die *Nonne*.
  • „Palometa“. In Spanien heißt sie oft einfach „palometa“ — doch „palometa blanca“ ist *Trachinotus ovatus*, eine ganz andere Art.
  • „Castagnola“. Italienisch „castagnola“ und französisch „castagnole“ stehen in der GBIF-Liste — im Mittelmeer meint man damit aber meist den kleinen Mönchsfisch *Chromis chromis*. Deshalb heißt sie genauer „pesce castagna“ und „grande castagnole“.
  • „Pomfret“. Auf asiatischen Märkten bezeichnet „pomfret“ meist die Pampus-Arten — eine ganz andere Familie. Die GBIF-Liste führt „pomfret“ auch auf Niederländisch und „pomfretti“ auf Finnisch.

Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Temperatur, Tiefe und Nahrung stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, ist alles andere — und ob ein Abend auf dem Wasser lohnt, entscheidet sich genau dort. Das rechnet StrikeAhead aus: Es nimmt die Bedingungen an deinem Wasser und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man einen Hochseefisch nicht vom Ufer aus sucht, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du hinausfährst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr.

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