Dickkopf-Zahnbrasse: die rosa Zahnbrasse mit dem Stirnbuckel — und warum niemand sicher weiß, als was sie anfängt
Die bekannte Zahnbrasse (*Dentex dentex*) hat im Mittelmeer eine größere, rosafarbene Verwandte, die viel seltener gezeigt wird: *Dentex gibbosus* — deutsch Dickkopf-Zahnbrasse (FishBase, EUNIS), englisch pink dentex, italienisch dentice corazziere oder dentice dalla corona, französisch gros denté rose, denté bossu oder denté à long fil, spanisch sama de pluma, katalanisch corcovada, portugiesisch capatão-de-bandeira oder dentão-de-bandeira, niederländisch bultige tandbrasem, griechisch φαγγρί κορωνάτο oder τσαούσης, kroatisch zubatac krunaš oder krunaš, slowenisch kronski zobatec, albanisch dentali i trëndafiltë, türkisch trança und ukrainisch зубан рожевий (FishBase, GBIF, Wikipedia). In der Namensliste von FishBase steht außerdem rød havrude, offenbar Dänisch — die Sprache ist dort aber nicht ausgewiesen. Für Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Russisch, Japanisch und Arabisch fanden wir in GBIF, FishBase und Wikidata keinen bestätigten Artnamen. Hier steht, woran du sie erkennst, wo sie lebt, was sie frisst — und warum die Quellen sich nicht einmal einig sind, ob aus Männchen Weibchen werden oder umgekehrt.
Ein Buckel als Name
Beschrieben hat sie der Naturforscher Constantine Samuel Rafinesque im Jahr 1810, damals als *Sparus gibbosus*, nach Tieren aus Sizilien (englische Wikipedia). Der Artname *gibbosus* heißt „buckelig“ und meint die vorgewölbte Stirn großer Tiere (englische und katalanische Wikipedia) — daher auch das deutsche „Dickkopf“, das italienische „corazziere“ und das französische „bossu“. In der Literatur taucht sie außerdem als *Dentex filosus* und *Cheimerius filosus* auf (Valenciennes, 1841; englische, französische und katalanische Wikipedia). Sie gehört zur Familie der Meerbrassen (Sparidae) und ist laut FishBase für den Menschen harmlos.
Woran du sie erkennst
- Die Form: ein ovaler, etwas gestreckter, seitlich abgeflachter Körper (englische und französische Wikipedia). Junge Tiere haben ein gleichmäßig gerundetes Kopfprofil; bei großen Tieren wächst vorne auf dem Kopf ein Stirnbuckel (englische Wikipedia).
- Die Fäden der Jungfische: Bis etwa 25 cm sind laut italienischer Wikipedia der 3. bis 5. Rückenflossenstrahl verlängert und fadenförmig; bei Erwachsenen sind dafür die ersten beiden Strahlen sehr kurz. Das passt zum französischen Namen denté à long fil — „Zahnbrasse mit dem langen Faden“.
- Die Zähne: mehrere Reihen hundszahnartiger Zähne, die vorderen 4–6 am größten (englische Wikipedia); die griechische Wikipedia zählt vorne 4 obere und 6 untere Fangzähne, dahinter kleine spitze Zähne.
- Die Farbe: rötlich mit blau-silbernem Schimmer, der Bauch heller, der Kopf dunkler (englische und französische Wikipedia). Große Tiere sind oft dunkel weinrot, sehr große laut italienischer Wikipedia sogar grau. Laut englischer Wikipedia haben Männchen schwarze Flecken am Kopf, Weibchen gräuliche.
- Die Flecken: ein schwarzer Fleck hinter der Rückenflosse und eine rote Schwanzflosse mit schwarzem Rand (englische Wikipedia).
- Die Flossen: Rückenflosse mit 12 Stachel- und 10–11 Weichstrahlen, Afterflosse mit 3 Stachel- und 7–9 Weichstrahlen, 56–62 Schuppen entlang der Seitenlinie (englische und französische Wikipedia).
- Die Größe: üblich sind laut FishBase etwa 60 cm, laut französischer Wikipedia 50–75 cm; das Maximum liegt bei 106 cm Gabellänge und 16,4 kg (FishBase).
Wo sie lebt
Ihr Gebiet ist der Ostatlantik von Portugal bis Angola, mit Madeira, den Kanaren und São Tomé und Príncipe, dazu das Mittelmeer (englische Wikipedia, FishBase); FishBase gibt den Rahmen mit 46° Nord bis 17° Süd an. Im Mittelmeer fehlt sie laut englischer Wikipedia nur im Nordwesten und in der nördlichen Adria. In italienischen Gewässern ist sie laut italienischer Wikipedia eher selten, im Süden etwas häufiger.
Sie lebt in 20 bis 220 m Tiefe auf dem Kontinentalschelf (FishBase, englische und katalanische Wikipedia), meist zwischen 40 und 130 m (französische Wikipedia), über Fels, Geröll und Sand in der Nähe von Felsen (FishBase); die italienische Wikipedia nennt felsige und koralligene Böden in 50 bis 200 m. Jungfische halten sich in Küstennähe auf, die Erwachsenen ziehen weiter hinaus, in die Nähe des Kontinentalhangs (FishBase, englische und französische Wikipedia). Für dich heißt das: Große Dickkopf-Zahnbrassen findest du nicht an der Uferkante, sondern dort, wo der Grund ins Tiefe abfällt.
Was sie frisst
Sie ist ein Räuber: Fische, Kopffüßer und Krebstiere (FishBase, englische, französische und griechische Wikipedia); die italienische Wikipedia nennt Fische an erster Stelle. FishBase ordnet sie auf der trophischen Stufe 4,1 ein — weit oben in der Nahrungskette, auf der Ebene der Raubfische.
Männchen oder Weibchen — die Quellen wissen es nicht
Bei vielen Meerbrassen wechselt das Geschlecht im Lauf des Lebens. Bei der Dickkopf-Zahnbrasse ist nicht einmal die Richtung klar. Laut FishBase sind bis etwa 50 cm die meisten Tiere — 50–70 % — Männchen, danach werden sie zu Weibchen; die französische Wikipedia nennt sie entsprechend einen protandrischen Zwitter, also „erst Männchen, dann Weibchen“. Die englische Wikipedia dagegen beschreibt sie je nach Gebiet als rudimentären, als protogynen („erst Weibchen“) und als protandrischen Zwitter. Die griechische Wikipedia sagt nur, dass sie zwittrig ist.
Geschlechtsreif wird sie laut FishBase im Mittel mit 34,7 cm, laut griechischer Wikipedia mit etwa 40 cm. Gelaicht wird laut englischer Wikipedia von April bis September; die griechische Wikipedia nennt für die Adria August bis Oktober und für die Kanaren April bis September, die französische Wikipedia schlicht das Frühjahr. Ein großer Fisch ist in jedem Fall ein alter Fisch — wer eine große Dickkopf-Zahnbrasse schonend zurücksetzt, lässt dem Bestand ein Tier, das lange gebraucht hat. Das ist keine Vorschrift, sondern unsere Empfehlung.
Am Haken und auf dem Teller
FishBase führt sie als Speisefisch der Berufsfischerei und als Sportfisch. Die englische Wikipedia nennt bekannte Angelgebiete: die Balearen, die Costa del Sol, Tarifa, die französische Mittelmeerküste, Sardinien, Sizilien, Neapel, Montenegro und Marokko. Laut italienischer Wikipedia ist sie bei Sport- und Berufsfischern begehrt, aber selten; gefangen wird sie mit Grundleinen, Schleppleinen, Langleinen und Schleppnetzen, laut französischer Wikipedia außerdem mit Stellnetzen, Reusen und Handleinen, Jungfische laut griechischer Wikipedia auch mit Fallen.
Ihr Fleisch gilt als ausgezeichnet, ähnlich dem der Zahnbrasse (italienische Wikipedia nach Alan Davidson, 1972; englische Wikipedia: „sehr schmackhaft“). Regelmäßig auf dem Markt ist sie laut englischer und französischer Wikipedia in Israel (und laut französischer Wikipedia in Palästina), nur gelegentlich auf Sizilien, in Griechenland und in Marokko. FishBase ordnet sie in die mittlere Preiskategorie ein. Laut griechischer Wikipedia wurde sie bereits versuchsweise in Aquakultur gezüchtet und gilt als Kandidatin für die kommerzielle Zucht.
Status — und was du tun kannst
Auf der Roten Liste der IUCN gilt sie als „nicht gefährdet“ (Least Concern) (FishBase, englische Wikipedia). Laut englischer Wikipedia wird sie nicht intensiv kommerziell befischt. Trotzdem schätzt FishBase ihre Anfälligkeit für Befischung als hoch ein (60 von 100) und ihre Widerstandskraft als mittel — ein Bestand braucht laut FishBase 1,4 bis 4,4 Jahre, um sich zu verdoppeln.
Ob für sie ein Mindestmaß, eine Schonzeit oder ein Fangverbot gilt, regeln die nationalen und regionalen Vorschriften — eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, und wir nennen bewusst keine. Prüfe vor Ort, was aktuell gilt, besonders in Meeresschutzgebieten.
Sieben Widersprüche in den Quellen
- Erst Männchen oder erst Weibchen? FishBase und französische Wikipedia: erst Männchen, ab etwa 50 cm Weibchen. Englische Wikipedia: je nach Gebiet beides — protogyn und protandrisch.
- Wer bekommt den Buckel? Englische und italienische Wikipedia: große erwachsene Tiere. Katalanische und griechische Wikipedia: die (großen) Männchen. Da laut FishBase die großen Tiere eher Weibchen sind, passen diese Aussagen schlecht zusammen.
- Welche Farbe hat der Fleck an der Brustflosse? Englische Wikipedia: bräunlich-schwarz, französische: dunkelbraun. Griechische Wikipedia: eine große blaue Markierung.
- Wann wird sie reif? FishBase: im Mittel mit 34,7 cm. Griechische Wikipedia: mit etwa 40 cm.
- Wann laicht sie? Englische Wikipedia: April bis September. Französische: im Frühjahr. Griechische: in der Adria August bis Oktober, auf den Kanaren April bis September — womöglich hängt die Laichzeit schlicht vom Gebiet ab.
- Wie alt wird sie? FishBase rechnet mit einem Höchstalter von 7 Jahren. Die griechische Wikipedia schätzt die Lebenserwartung auf 20 Jahre.
- Wann wurde ihr IUCN-Status bewertet? FishBase nennt den 18. August 2009, die englische Wikipedia eine Bewertung von 2014 (Russell, Carpenter und Pollard). Im Ergebnis sind sich beide einig: nicht gefährdet.
Vier Fallen beim Namen
- „Dentón“, „dentice“, „зубан“ allein meinen die andere Art. In Spanien führen Datenbanken für sie zwar auch dentón — aber so heißt in erster Linie die gewöhnliche Zahnbrasse (*Dentex dentex*). Dasselbe gilt für das italienische dentice ohne Zusatz und das russische зубан. Sicher ist nur der Zusatz: sama de pluma, dentice corazziere, зубан рожевий.
- „Pargo“, „pagre“, „φαγγρί“ ist eigentlich die Rotbrasse. Portugiesisch pargo, französisch pagre royal, griechisch φαγγρί κορωνάτο und sizilianisch pauru hängen am Namen der Rotbrasse (*Pagrus pagrus*). Ohne den Zusatz — κορωνάτο, „gekrönt“ — ist auf dem Markt ein anderer Fisch gemeint.
- Nur ein deutscher Name. Dickkopf-Zahnbrasse steht bei FishBase und EUNIS; eine deutsche Wikipedia-Seite gibt es nicht. Wer sicher sein will, nimmt *Dentex gibbosus*.
- „Porgy“ ist kein Artname. In einigen Datenbanken steht als englischer Name auch porgy — so heißen im Englischen aber viele Meerbrassen. Der eindeutige englische Name ist pink dentex.
Bleibt die Frage, mit der jeder Artikel dieser Serie anfängt: wann. Bei einem Fisch, der erwachsen weit draußen über Fels- und Geröllkanten am Schelfrand steht und selten an den Haken geht, entscheidet der richtige Tag mehr als jede Montage. Lebensraum, Beute und Laichzeit stehen oben, und sie stehen fest. Was sich jeden Tag ändert, sind die Bedingungen an deinem Wasser — das rechnet StrikeAhead aus und sagt dir, wann sich der Weg lohnt. Und weil man die Kanten und Regeln eines fremden Reviers nicht vom ersten Tag an kennt, sagt dir StrikeAhead Pathfinder, mit wem du rausgehst: kuratierte Guides und Skipper, vor dem Listing persönlich geprüft — Lizenz und Versicherung —, mit verifizierten Fängen statt Werbefotos, ohne bezahltes Ranking und für dich als Angler ohne Vermittlungsgebühr. Die App sagt wann, Pathfinder mit wem.